Nissan JUKE-R, GT-R und 370Z – die flotten Drei

“Lass einfach rollen, wir haben Semi-Slicks drauf!” sagt Frank, während der Scheibenwischer Schwerstarbeit leistet. In Anbetracht eines Wertes von fast einer halben Millionen Euro tue ich, wie mir geheißen. Ich sitze in einem von nur zwei gebauten Nissan JUKE-R, der irren Mischung des eigenwilligen Crossover-Fahrzeugs mit der Technik des Nissan GT-R, den ich übrigens morgens schon pilotiert hatte.

Nissan hatte zu dieser exklusiven Fahrveranstaltung eingeladen und wie viele Menschen können schon behaupten, einen JUKE-R gefahren zu haben? Die 45 km Anfahrt erledigte ich natürlich – wie sollte es anders sein – mit einem Nissan. Der Nissan Leaf, der hier derzeit zum 100-Tage-Test im Einsatz ist wurde nach der Ankunft auch direkt an den mobilen Schnelllader gehangen, was sich als gut erwies, denn tatsächlich wollte auch diesen jemand fahren – fast schon unglaublich, wenn man bedenkt, was da noch so alles an Fahrzeugen stand.

Da ich recht früh vor Ort, der JUKE-R aber schon besetzt war, “begnügte” ich mich mit dem Nissan GT-R. Auf der teilweise feuchten Fahrbahn in Euskirchen hatte der Allradler keine Probleme. Ich war allerdings froh, dass ich den Automatikmodus gewählt hatte, denn so schnell wie der GT-R die Gänge wechselt, wäre ich mit dem Schalten vermutlich nicht hinterher gekommen. Die Situation war wie immer, ich rollte mit 30 hinter einem Schleicher her, der sich irgendwann erbarmte und abbog. Wie aus dem Leaf gewohnt ließ ich sodann das rechte Pedal den Boden berühren und ehe ich es mich versah standen 130 km/h auf dem Tacho – alter Schwede! Oder sollte ich junger Japaner sagen?

Die Landstraße schien nicht geeignet und so führte der Weg zur nahegelegenen Autobahnauffahrt. Der Beschleunigungsstreifen wurde seinem Namen nach entsprechend genutzt und da staunte nicht nur der Fahrer des herannahenden LKW auf der rechten Spur, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer, von “uns” GT-R-Fahrern eher als rollende Hindernisse bezeichnet, auf der linken Spur. Lange Rede, gar kein Sinn: das Ding geht wie die Hölle! Bisher kannte ich den Nissan GT-R nur aus Youtube-Videos, wo er reihenweise Supersportwagen, bevorzugt italienischer Herkunft, vorführt und nach diesem persönlichen Fahrerlebnis glaube auch ich, dass es nur wenige richtige Gegner für dieses Geschoss gibt.

Leider hat es immer mal wieder geregnet und ich hatte zeitweise das Pech gepachtet. So reichte es “nur” für 250 km/h Spitze, die der GT-R allerdings locker erreicht. Wieder am Ausgangspunkt angekommen ging es erst einmal mit dem Nissan 370Z Roadster weiter. Wer nun denkt, dass man nach der Fahrt im GT-R vom 370Z gelangweilt sein müsste, der täuscht sich. Natürlich hat der Z nicht Leistungsdaten des GT-R, aber dafür hat auch keinen Allradantrieb, was eine ganz andere Fahrcharakteristik bedeutet. Mal eben aufs Gas latschen ist da nicht und wird mit einem ausbrechenden Heck bestraft. Was natürlich viel spaßiger sein kann. Aber das ist ein anderes Thema. Das kurze Zeitfenster trockenen Wetters ließ mich das Verdeck öffnen und den Fahrtwind genießen. Ein schöner Wagen, den ich gerne länger testen würde.

Dann war es so weit, ich durfte im eingangs erwähnten JUKE-R Platz nehmen. Zum Glück war es trotz britischer Zulassung die linksgelenkte Version, da der zweite existierende Wagen ein Rechtslenker ist und ich damit keinerlei Erfahrung habe. Der Schalensitz drückte wie wild (Notiz an mich selbst: mehr Sport, Fettsack!) und Beifahrer Frank gab kurz einige Hinweise zu den eng stehenden Pedalen und der geringen Bodenfreiheit und der damit verbundenen sehr langsamen Ausfahrt vom Gelände. Auf der Landstraße ging es dann los und ich muss sagen, dass die Jungs von Nissan schon ein wenig bekloppt sind. Man hat ein GT-R-Lenkrad in der Hand, schaut auf GT-R-Armaturen, sitzt aber viel höher in einem großen Auto. Gut, die Alltagstauglichkeit wird durch Kleinigkeiten wie die fehlende Rücksitzbank und die Klimaanlage im Kofferraum (unter der Haube war kein Platz mehr) ein wenig eingeschränkt. Aber irgendwas ist ja immer.

Die Autobahnfahrt bei anfänglich trockenen Fahrbahnverhältnissen begann gut (“Wieso nur 100 km/h? Ach das sind Meilen …”) wurde dann aber wie beschrieben vom Wetter zur Schleichfahrt degradiert. Dennoch hinterließ das mattschwarze Monster einen bleibenden Eindruck und ich bin gespannt, ob es den Nissan JUKE-R in einer kleinen Serie geben wird. Und zu welchem Preis.

Danke an Nissan für diesen erlebnisreichen Tag!