Nissan Leaf Test: Ladesäulen-Odyssee – #NissanLeafCar32

Ich habe zwei Termine an einem Tag. Jeweils gut 30 km entfernt. Die Pause zwischen den beiden Terminen nutze ich zwar zum Nachladen, aber die Zeit reicht nicht aus, um die Hin- und Rückfahrt zum zweiten Termin sicherzustellen. Also schmeiße ich sicherheitshalber das Kabel für den Anschluss an einer Ladesäule zusätzlich zum Notladekabel mit Standardstecker in den Kofferraum.

Als ich in Aachen am vereinbarten Ort eintreffe, zeigt der Wagen eine Restreichweite von 30 Kilometern an. Was er nicht weiß: der Rückweg geht bergauf, der Mehrverbrauch ist vorprogrammiert. Ich bin zuversichtlich, denn schließlich weiß ich, dass es diverse Ladesäulen in Aachen gibt und mir das Navi diese im Normalfall auch alle anzeigt. Also drücke ich auf “Ladestat. aktual.” und lasse mir die nächsten Säulen anzeigen. Ich muss in die Nähe des Hauptbahnhofes und der Nissan zeigt mir dort auch zwei Säulen an.

Ich steuere zielstrebig auf die nächste Ladestation zu und werde von einer Fußgängerzone eingebremst, in die man nur zum Be- und Entladen fahren darf. Da ich genau das will – wenn auch nicht dem Sinn des Schildes entsprechen -, rolle ich weiter. Die patrouillierenden Polizisten schauen schon böse. Wohlwissend, dass es hier in der Sackgasse gleich nicht mehr weiter geht und da ich noch keine Ladesäule entdeckt habe, lasse ich genau neben den Uniformierten die Scheibe herunter und mime den Ortsunkundigen – als gebürtiger Aachener kein leichtes Unterfangen. Auf die Frage des Polizisten, was ich denn in dieser Fußgängerzone zu suchen hätte antworte ich wahrheitsgemäß, dass ich Laden will. Als er fragt, was ich laden will, sage ich nur “Das Auto.” Der Beamte guckt schräg, als ich die Erklärung direkt hinterherschiebe und nach der Ladesäule frage, die mir das Navi anzeigt. Der Kollege zeigt auf eine kleine Säule Nähe des Bahnhofsgebäudes, verweist aber darauf, dass diese nur für Fahrräder sei, ich in der Fußgängerzone nichts zu suchen hätte und das auf der anderen Seite des Gebäudes weitere Säulen – für welche Art von Fahrzeugen auch immer – stünden. Lautlos rolle ich rückwärts aus der Fußgängerzone und nähere mich dem nächsten Punkt auf der Karte.

Aus der Entfernung kann ich schon ein französisches Konkurrenzprodukt erkennen, dass ebenfalls nur über einen Elektromotor verfügt. Guter Dinge steuere ich den freien nur für E-Autos reservierten Parkplatz an. Dann stehe ich vor der Säule des städtischen Anbieters, die nach einer Kundenkarte verlangt, die ich natürlich nicht besitze. Kurz überlege ich, den Wagen der Bahn auszustöpseln, verwerfe die Idee aber schnell wieder. Eine sehr freundliche Politesse naht, da ich scheinbar einen hilflosen Eindruck mache und erzählt, dass ich der erste sei, den sie hier mit einem Elektroauto sehen würde. Sonst stünde halt nur der andere Wagen wie angewurzelt herum. Wir diskutieren über den nächsten Punkt, den das Navi in der Nähe des Theaters anzeigt. Die Dame bestätigt mir, dass sie zwar täglich an den Ladesäulen vorbeilaufe, aber nie darauf geachtet habe, wer in dem Fall der Anbieter ist. Ohne Knöllchen und Strom fahre ich wieder los.

Die Ladesäulen sind trotz Parkverbotsschild zugeparkt – natürlich von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Macht nichts, denn auch diese Ladestationen sind vom städtischen Anbieter und somit für mich nicht nutzbar. Ich suche mir einen neuen Punkt auf der Karte aus. Er befindet sich am Verwaltungsgebäude der Städteregion Aachen. Da hier gebaut wird, begehe ich meinen nächsten Fehler im Straßenverkehr und missachte das runde Schild mit dem roten Rand, dass mir die Durchfahrt untersagt. Ich rolle die paar Meter bis zum Parkplatz neben dem Gebäude und entdecke die mir vertraute Säule, die ich auch schon aus Simmerath kenne. In der Hektik zwischen den beiden Terminen habe ich zwar das Kabel eingepackt, habe aber das Vorhängeschloss vergessen. Ich vertraue auf die angeborene Angst vor Strom und schließe den Wagen an. Der Mann am Empfang im Gebäude guckt komisch und greift zum Hörer, während ich auf die blaue Ladeleuchte warte, um die dann für ein paar Foto um den Wagen und auf die andere Straßenseite zu gehen. Nach kurzer Zeit erscheint eine Dame und guckt kritisch. Ich wechsle erneut die Straßenseite und bejahe, als sie mich fragt, ob ich hier überhaupt laden dürfe. Sie hatte bis dato nur die Fahrzeuge, die von der Städteregion eingesetzt werden, dort gesehen.

Dieses Erlebnis zeigt, wie wenig verbreitet Elektroautos noch sind und das jeder Anbieter noch ein wenig sein eigenes Süppchen kocht. Entsprechend schwer ist es für die Softwarehersteller, ihre Daten für die Navigationssysteme aktuell zu halten und nur die relevanten Stationen anzeigen zu lassen.  Hier wird sicherlich noch etwas Zeit benötigt, bis sich das alles wirklich eingespielt hat und die ersten Verbesserungen vorgenommen wurden.

Ach so, eine Info fehlt ja noch: ich habe gut eine Stunde nachgeladen und habe so gerade nach Hause geschafft. Ohne diesen “Boxenstopp” wäre ich unterwegs vermutlich liegengeblieben.

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