Getestet: Peugeot RCZ 2.0 l HDi 165 FAP

Frontantrieb und Dieselmotor – in vielen Fahrzeugen heute sicherlich eine ganz gebräuchliche Kombination. Aber in einem Sportcoupé? Als ich den Peugeot RCZ zum Test anforderte, war klar, dass ich keinen reinrassigen Sportwagen zu erwarten hatte. Aber dann auch noch einen Diesel? Doch der Blick auf die technischen Daten machte Mut, denn der Diesel samt Turbolader konnte natürlich das stärkste Drehmoment vorweisen und sollte somit in seinem Einsatzgebiet – den kurvigen Landstraßen der Nordeifel – entsprechenden Fahrspaß bereiten.

Optisch ist der Peugeot RCZ in meinen Augen ein Knaller. Die gewölbte Heckscheibe und die farblich abgesetzten Dachbögen sind Highlights im Design des Wagens, den Kritiker nur als Peugeot 308 Coupé sehen. Ich habe mich sehr gefreut, den Wagen in einem dunklen Farbton zu bekommen, denn bei hellen Fahrzeugen wirkt der Kontrast zu den Dachbögen kaum. Interessanterweise halten den RCZ viele Menschen gerade aufgrund dieses Designmerkmals für eines dieser Klappdachcabriolets, für die der französische Hersteller mit dem Löwen im Logo so bekannt ist. Der Verdacht liegt nah, wie eines der hier gezeigten Bilder beweist. Auf ihm ist der RCZ neben einem Peugeot 207 CC in ähnlicher Farbkombination zu sehen.

Ein versenkbares Dach würden sich sicherlich auch die hinten sitzenden Mitfahrer wünschen. Der Peugeot RCZ ist ein typischer Vertreter der 2+2-Sitzer, was bedeutet, dass der Raum hinter den Vordersitzen erwartungsgemäß beengt ist. Die Fondpassagiere befinden sich je nach Größe mit ihrem Kopf dann genau in der Wölbung nach außen. Bei einer Bodenwelle kann es hier aber auch schon mal zu einem “Klonk” in Verbindung mit daraus resultierenden Kopfschmerzen führen.

Vorne fühlt man sich, wenn man enge Sportsitze mag und selbst entsprechend gebaut ist, auf Anhieb wohl. Die erwähnten Sitze schaffen in Verbindung mit dem unten abgeflachten Lenkrad sofort eine sportliche Atmosphäre. Selbst mit rund 1,92 m Körperlänge habe ich keine Probleme, eine passende Sitzposition zu finden. Einzig die Beinauflagefläche ist mir etwas zu kurz. Bei der ersten Fahrt überrascht mich der Hersteller, der den hiesigen Markt erfolgreich mit Kleinwagen überschwemmt, allerdings mit ein paar nennen wir es altbackenen Dingen. Ich suche den Startknopf und bekomme erklärt, dass man hier noch konventionell mit einem Schlüssel starten muss. Während der Fahrt möchte ich das Radio leiser schalten, das Lenkrad weist aber keinerlei Knöpfe auf. Die befinden sich an den Bedienungssatelliten dahinter. Das ist schon so ein wenig 80er- / 90er-Jahre-Style. Interessanterweise mag ich das, was eventuell an meinem Alter und der dadurch bedingten Macht der (fast schon vergessenen) Gewohnheit liegt.

Die Knöpfe des Radios sind in der Schräge des Armaturenbrettes trotz meiner Armlänge bei normaler Sitzposition nur schwer erreichbar. Der auf dem Armaturenbrett ausklappende Monitor ist dafür gut ablesbar und gefiel mir vom Styling der einzelnen Anzeigen (Radio, Navigation und Einparkhilfe) sehr gut. Wenn er stört, kann man ihn auch während der Fahrt einklappen. Was stört, aber nicht zu ändern ist, sind Spiegelungen des mit Leder bezogenen Armaturenbretts bei Sonneneinstrahlung in der sehr flachen Frontscheibe. Das kann stellenweise irritieren, ist aber nicht so dramatisch, wie man nun meinen möchte. Besagtes Leder wirkt übrigens sehr wertig verarbeitet, was ich zugegebenermaßen in einem Franzosen dieser Preisklasse nicht erwartet hätte.

Kommen wir zu dem, worauf seit der Einleitung alle warten: dem Fahreindruck. Da fällt noch vor dem Motor das Fahrwerk auf. Dieses wirkt straff, der Wagen wankt kaum und vermittelt somit den Eindruck, wie ein Brett auf der Straße zu liegen – sicheres Fahrgefühl inklusive. Wer nun meint, wie beim damals tiefergelegten Golf aus der Jugendzeit ordentlich durchgeschüttelt zu werden, der täuscht sich. Trotz der guten Straßenlage bietet der Peugeot RCZ ausreichenden Federungskomfort, den man von Herstellern aus Frankreich auch erwartet – selbst bei einem Sportcoupé. Ich kam damit gut zurecht.

An den Motor muss man sich allerdings gewöhnen. Die schön verchromten Endrohre suggerieren ein tolles Klangerlebnis, dass nach dem Start des Dieselaggregats leider nicht erfüllt wird. Ich will die Geräuschkulisse jetzt nicht mit der eines Nutzfahrzeuges vergleichen, aber ein Diesel ist ein Diesel und bleibt ein Diesel. Und der macht eben das für einen Hubraum von zwei Litern typische Geräusch. Was er aber auch macht, ist vorwärts marschieren. Dafür braucht er im Idealfall ein wenig mehr Drehzahl, was das restliche zur Verfügung stehende Drehzahlband dann war entsprechend verkürzt. Im Klartext heißt das: fährt man auf der Landstraße gemütlich durch die Gegend und läuft auf einen langsameren Verkehrsteilnehmer auf, schaltet man einfach runter, und nutzt den Bereich von ungefähr 3.000 U/min. bis kurz vor den bei 5.000 U/min. einsetzenden Begrenzer und schon hat man wieder freie Sicht nach vorne. Das macht schon Freude.

Auf der Autobahn reicht der Spaß bis zirka 180 / 190 km/h. Ab da muss sich der Wagen echt anstrengen, die in den Papieren angegeben 225 km/h Höchstgeschwindigkeit konnte ich bei diversen Fahrten nicht erreichen. Das lag natürlich in letzter Konsequenz immer an anderen Verkehrsteilnehmern, die sich wagemutig in den Weg manövrierten und mich die guten Bremsen des Peugeot RCZ testen ließen. Sie verzögerten den Fronttriebler seiner Leistung entsprechend. Apropos Fronttriebler: das muss man mögen. Für viele sind angetriebene Räder vorne in einem solchen Fahrzeug ein No-Go, mit hat er beim Kurvenräubern schon Spaß gemacht, auch wenn er bei feuchter Fahrbahn schnell über die Vorderräder schiebt. Dafür musste ich so gut wie nie auf ein nervöses Heck achten, es sei denn, ich zog am glücklicherweise ebenfalls altbackenen Handbremshebel.

Das Heck des Wagens ist übrigens erstaunlich. Die Proportionen lassen es mit dem wissen um die zweite Sitzreihe gar nicht vermuten, aber der Kofferraum ist für ein Sportcoupé echt riesig. So konnten wir in einer Ausnahmesituation tatsächlich mal zu viert fahren und einen Haufen Gepäck im Kofferraum verstauen. In Kombination all der genannten Dinge wird so aus dem Peugeot RCZ 2.0 HDi 165 FAP ein echtes Alltagsfahrzeug im Designeranzug. Will man es flotter angehen lassen, sollte man aber vermutlich eher zum großen Benziner greifen.

4 Gedanken zu „Getestet: Peugeot RCZ 2.0 l HDi 165 FAP

  1. Der RCZ ist zumindest hierzulande nicht allzu oft anzutreffen aber wenn, dann macht er doch ziemlich was her , allein in seiner Präsenz + Formgebung !
    Ach hätte/würde Opel doch mal wieder einen Calibra….

  2. ein auto allein reißt es gewiss nicht, PSA geht’s ja auch nicht gut.

    aber ein “anständiges” coupé, der GTC Concept von 2007 Genf, sowas sollte immer drin sein.
    wie noch platz/appetitt für ein dessert ;o)

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