Gastbeitrag von Robert Basic: Der 911 Poser gegen den AMG 6.3 Brabbler

Nachfolgender Beitrag ist ein sogenannter Gastbeitrag von Robert Basic, einen Blogger der ersten Stunde den man nicht wirklich vorstellen muss. Wer ihn nicht kennt nutzt vermutlich noch AOL CDs, wobei dann müsste man ihn auch kennen. Grund für diesen Gastbeitrag war eine Einladung von ZF die ich an Robert weitergegeben habe, aus persönlichen Gründen kann ich nämlich nicht bei jedem Termin zugegen sein. So kam es dann, das Robert mit Jan zu ZF gefahren ist. Hier ist sein Beitrag:
Ein unmöglicher Vergleich. Würden Autokenner sagen. Wie kann man einen brandneuen 911er mit einem Mercedes 6.3 AMG C-Klasse Coupé miteinander vergleichen? Das geht doch nicht! Und ob! Ich bin eine Hummel und weiß nicht, dass ich nicht fliegen kann. Einigen wir uns doch darauf, dass beide vier Räder, einen Motor und ein Getriebe haben. Mehr braucht es nun, um sich Auto zu nennen.
Also, von vorne. Zwei Autos. Das eine kommt im klassischen Gewand einer Schönheit daher. Der AMG schämt sich und brabbelt was von “es kommt auf die inneren Werte an!“. Doch zuerst sieht man das Kleidchen und vergibt 1 Punkt für den zeitlos Hübschen. Na gut, kommen wir also zu den inneren Werten, nachdem dieses Thema schnell abgefrühstückt ist. Hat jemand Überraschungen erwartet?

Mann setzt sich rein und schaut sich um. Oha, ein echter Porsche, denkt der Fan. Robert denkt sich “oh, wie peinlich, sieht ja billig aus, diese Knöpfchen. Belanglos um den Fahrer verteilt, mutet extrem plastikartig an. Made in China?”. Nix da! Mercedes kommt wie Mercedes daher. Punkt für meinen Brabbler!. 1:1

Starten wir also den berühmten Klassiker aller Klassiker: Den Boxermotor.  Ich schaue mich hochnotpeinlich berührt um und entschuldige mich “liebe Nachbarn, sorry, war keine Absicht. Der kreischt immer so!“. Ich setze mich in den Benz und starte den Motor… GÄNSEHAUT… Brabbeln aus der tiefsten Seele, als würde ein mächtiger Titan still und leise vor sich dahinlächeln. Das ist mein Geräusch!! Wenn es je eins gab, dann dieses da! Meins, meins, meins!
Ich drücke zart aufs Pedal und genieße die Fahrt durch die Stadt. Wenn ich jemals in einem Muscle Car mit tiefsten Bariton dahingeschlichen bin, dann edel mit diesem Stern da auf der Brust. Kein peinliches tiefer Sinken in den Sitz wie beim 911er, der bei jeder Gelegenheit “JA DOCH, ICH HABE DIE KRAFT” heraussschreien muss. Es nervt nur noch. Wer unbedingt durch eine 30er Zone mit eingeschalteter Poser-Taste fahren möchte, bitteschön! Grüne Bomberjacke an und schon passt das Bild, was man in dem Angeber-Schreihals abgibt. Ein ganz klares 2:1 für den Brabbler. Edler und gefühlt mächtiger ist kein Motor wie der 6.3er Sauger da draußen.

Auf der Autobahn unterhält man.. RUCKLER… sich gediegen und ..RUCKLER… will was … RUCKLER… sagen. Schwierig. Und auch hier nervtötend. Wer mit einem 911er deutsche Autobahnen befahren will, der wird entweder eine Rückenstütze tragen müssen oder ein ganz harter Bursche sein. Ich bevorzuge den Brabbler. Still, machtvoll und ohne RUCKLER zieht der 6.3er ab, bis zum Limit von 290 und man merkt nichts davon im Wagen. Du könntest 10 Elefanten auf Rollschuhen dranhängen und würdest immer noch nichts merken. Die edle, unaufgeregte Durchzugskraft ist famos. Während der 911er aus Leibeskräften weibisch dahinkreischt, wie schnell er doch fahren kann. JA DOCH, DAMN 911 POSER, ICH WEISS ES DOCH, GIB RUHE ENDLICH! 3:1 für den Brabbler.
Ab auf die Landstraße. Der Brabbler lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Er zieht wie auf Gleisen von dannen, um jede Ecke, um jede Kurve, über jede 10%-Steigung, als sei die Strecke eine pure Gerade. Unser hektischer 911er Poser? Er steht dem Brabbler in nichts nach und holt dafür die Spaßwumme heraus. Jede Kurve ist ein Genuss, die Gänsehaut will nicht ausgebremst werden. Klarer Punkt für den Hektischen. Und meine Güte, sind die Bremsen im 911er famos. Z.u.c.k.e.r.w.a.t.t.e! Aber das ist außerhalb der Wertung, ätsch:)

Am Ende des Punktestandes angekommen entscheidet natürlich nicht das “klare” 3:2 für den Brabbler. Es ist eine Geschmacksfrage. Wer nicht will, dass man dem Wagen von außen ansieht, welche immensen Kräfte schlummern, der greife wohlgemut zum Benz. Der Saugermotor mit unzähligen Litern Hubraum ist ein Vergnügen für Menschen mit Anspruch auf innere Werte und unendlichen Kraftreservern in jeder Lage. Der Porsche ist etwas für Poser und Spaßmenschen, die nie wissen, wo es endlich gut ist. Schick Pur gegen Macht Dezent. Ich bevorzuge dezente Macht.

Wer hat uns den Vergleich ermöglicht? ZF hat dafür Sorge getragen, dass das Doppelkupplungsgetriebe im 911er getestet werden kann. Ein Genuss pur. Wenn Du nichts vom Getriebe merkst, dann ist es perfekt. Das Getriebe war perfekt! Und Daimler hat die Fahrt im AMG möglich gemacht. Greift zu, denn der Sauger ist Geschichte. Er wird nicht mehr verbaut. Ein trauriges Schicksal.

4 Gedanken zu „Gastbeitrag von Robert Basic: Der 911 Poser gegen den AMG 6.3 Brabbler

  1. Den Porsche eventuell mal nicht in “SportPlus” fahren, dann ruckelt auch nichts. Selten habe ich mich mehr geschämt. Natürlich wissen Hummeln nicht, dass sie theoretisch nicht fliegen können und tun es trotzdem. Das die Hummel es trotzdem tun, famos. Dummerweise machtes den trägen Flug der Hummel nicht besonders elegant und so tue ich mir schwer, die notwendige Anerkennung für Deinen Mut, hier einen Vergleich ziehen zu wollen, auszusprechen.

    Robert, Robert – wir müssen reden!
    ;)

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