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Wie muss ein Auto riechen? Ist der Geruch wirklich entscheidend?

Kennt ihr den Neuwagen-Geruch? Die Lösungsmittel, die Kleber, die neuen Materialien die erst noch “duften” wenn man das Fahrzeug die ersten Wochen fährt. Dieser Neuwagen-Geruch verfliegt leider, er verflüchtigt sich und auch wenn es Neuwagen-Duft als Spray gibt, es ist halt nicht mehr so wie es mal war.

Bei Citroen arbeitet man schon länger an der Beduftung der Fahrzeuge und nun zieht auch ein frischer Wind durch die neue Mercedes-Benz S-Klasse die in diesem Jahr präsentiert wird. Lest nun ein vorgefertigtes Interview von Mercedes-Benz mit Marc vom Ende. Der 44-jährige Senior “Parfümeur” von Symrise (Duftstoffhersteller aus Niedersachen) leitet normalerweise die Parfümerieschule. Er hat die Düfte für die neue S-Klasse kreiert:

Neue S-Klasse 2013

Neue S-Klasse 2013 – Duftspender

Herr vom Ende, Sie haben bereits weltbekannte Parfüms wie „IcebergHomme“ oder „Alain Delon“ komponiert. War es eine besondere Herausforderung, diesmal Düfte für ein Fahrzeug, nämlich für die neue S-Klasse, zu kreieren?

Wenn ich einen Körperduft auftrage, ist das ein Ausdruck meiner Persönlichkeit und der Stimmung, in der ich gerade bin. Ganz ähnlich ist der Anspruch an den Raumduft in der S-Klasse: Auch hier soll der Charakter des Menschen, der das Fahrzeug fährt, wiedergegeben und zugleich die Atmosphäre des Fahrzeugs transportiert werden. Grundsätzlich war mir wichtig, dass die Düfte bestimmte Persönlichkeiten und Charaktere widerspiegeln. Ich wollte keine beliebigen Düfte, die nirgends anecken, sondern markante Düfte als Ausdruck der besonderen Persönlichkeit – passend zum Anspruch der Marke Mercedes-Benz.

Wie geht ein Parfümeur vor, wie sind die Duft-Kompositionen für Mercedes-Benz entstanden?

Grundsätzlich arbeiten wir mit Bildern, die uns inspirieren und die wir dann duftmäßig umzusetzen versuchen. Als Parfümeur kennt man die ganze Rohstoffpalette, die zur Verfügung steht, und weiß aus Erfahrung, welche Kombinationen zu welchem Ergebnis führen, also bestimmte Akkorde erzeugen, wie wir das nennen. Diesem gewünschten Bild nähern wir uns dann sukzessive an. Dazu habe ich am Anfang der Entwicklung in Sindelfingen die Interieurdesigner besucht. Das war ein sehr interessanter Austausch, der mich von geplanten Richtungen abweichen ließ. Ursprünglich wollte ich mit Lederduft arbeiten, habe aber erkannt, dass das Auto selber nach Leder riecht und sich daher die Düfte diesem Geruch anschmiegen müssen. Der Besuch in der Forschungswerkstatt dagegen hat mir erlaubt, die Marke von einer ganz anderen Seite wahrzunehmen und mir neue ‚Duft’bereiche eröffnet. Die Vorstellung des F800 hat mich zum Beispiel zum Parfüm DOWNTOWN MOOD inspiriert. Das Fahrzeug ist so leicht gearbeitet, so filigran und luftig, an diesem Tag bin ich mit der Idee dieses Duftes nach Hause gegangen.

Vor der Komposition der Düfte haben Sie sich also vom Interieur der S-Klasse inspirieren lassen?

Ja, ich habe die S-Klasse bereits in einer frühen Entwicklungsphase kennen gelernt. Aber wichtiger war die Beschäftigung mit der Marke und der Arbeitsweise der Designer. Mich hat dabei sehr beeindruckt, mit welcher Sorgfalt die einzelnen Materialien und Farbkombinationen ausgewählt werden. Das hat mir einen neuen reizvollen Blickwinkel auf meine eigene Aufgabe ermöglicht.

Hatten Sie schon Gelegenheit, die Beduftungsanlage in der neuen S-Klasse „live“ zu erleben?

Ja, ich konnte die Beduftungsanlage in einer S-Klasse testen und hatte während der Komposition der Düfte auch ein portables Beduftungsgerät zur Hand. Die Beduftungsanlage ausprobieren zu können, war extrem wichtig, um sicherzustellen, dass die Intensität des Duftes auf dem richtigen Level ist. Wir arbeiten zunächst mit Papierstreifen, aber die Darbietung über die in der S-Klasse verwendete Technik der Duftausbringung unterscheidet sich davon. Hier darf sich das Parfüm in seiner ganzen Sinnlichkeit entfalten.

Könnten Sie die vier S-Klasse Düfte – FREESIDE MOOD, DOWNTOWN MOOD,SPORTS MOOD und NIGHTLIFE MOOD – bitte kurz charakterisieren?

Leichtigkeit dominiert beim FREESIDE MOOD mit angenehmen, hochwertigen Citrusnoten. Der Duft wirkt sehr rund, ohne Ecken und Kanten und ist dadurch nicht polarisierend. Er ist unauffällig, aber präsent. DOWNTOWN MOOD fügt sich hervorragend in den Innenraum und hat eine transparente Blumigkeit mit dezentem Metall-Effekt. Durch warme Moschusnoten wirkt der Duft sexy und hat durch den Anklang pudriger, sinnlicher Noten am meisten Weiblichkeit von allen Düften. Nach einiger Zeit wirkt der Duft im Innenraum sehr atmosphärisch, ohne wirklich fassbar zu sein. In diesen Duft habe ich mich bei den Testfahrten absolut verliebt. SPORTS MOOD belebt mit sehr angenehmer Natürlichkeit und Frische durch Grünnoten junger hellgrüner Blätter, abgerundet mit leichten Blumennuancen. NIGHTLIFE MOOD schließlich fühlt sich gleich zu Beginn an wie das Öffnen einer Schachtel kostbarer Zigarren, umhüllt mit warmen luxuriösen Holznoten. Die Hochwertigkeit wird durch Ambranoten unterstrichen. Bei NIGHTLIFE MOOD assoziiere ich das Bild eines schweren Ledersessels vor dem Kamin in einem Raum ausgekleidet mit schweren Hölzern, auf einem Tischchen ein Glas Cognac (dezente Fruchtnoten) und eine Zigarre.

Neue S-Klasse 2013: Beduftung!

Neue S-Klasse 2013: Beduftung!

…damit ist der Startschuss gefallen, nach diesem Interview werden noch einige weitere hier auf Rad-ab.com folgen, nicht immer direkt mit Vertretern der Automobil-Industrie, aber bestimmt immer spannend und interessant. Kleiner Spoiler gefällig? Ich habe mit einem Herrn gesprochen der in seiner Freizeit gerne mal zum Holz hacken in den Wald fährt – beruflich gesehen hat er aber vermutlich den “coolsten Job der Welt” – er gilt als Perfektionist und hält die Zügel in der Hand. Wenn er sagt: “So läuft das nicht…” … dann läuft es anders! Von wem ich spreche? Das lest ihr schon bald in der “Interview” Rubrik!

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