MAN, MAN, MAN… LKW-Fahrer = Traumjob?

Rad-ab.com der Nutzfahrzeug-Blog? Nein, nicht ganz, obwohl. Ist nicht jeder PKW auch ein Nutzfahrzeug? Trotzdem habe ich schon mal links und rechts der Ladebordwand geschaut und bin schon einige Nutzfahrzeuge gefahren. Heute wäre es für mich eigentlich nach München gegangen. Ich sollte mal zusammen mit vielen weiteren Bloggern hinter die Kulissen von MAN blicken? Viele Eindrücke wären das bestimmt gewesen. Gestern Abend wurde allerdings meine kleine Tochter ins Krankenhaus eingewiesen. Auch wenn sie inzwischen auf dem Weg der Besserung ist, musste der Familienbetrieb weitergeführt werden und um 23:20 Uhr gab es für mich keine andere Alternative als den Termin abzusagen. Dabei kamen mir übrigens Gedanken, was machen Fernfahrer eigentlich in solchen Fällen? Ist LKW-Fahrer wirklich noch ein Traumjob? Wie sexy sind Nutzfahrzeuge? Wie ist das mit dem Ruf der Freiheit? Oder kann man diese Freiheit nur genießen wenn kein Ruf vom Disponenten kommt?

Im ersten Quartal 2013 wurden laut KBA 52.445 Nutzfahrzeuge neu zugelassen, davon sind 16.320 Zugmaschinen und ganz genau genommen bleiben davon 6775 Fahrzeuge die als “Sattelzugmaschine” eingestuft wurden. Sattelzugmaschine ist klar?

Lustig fand ich, dass es bei MAN einen LKW gibt, der “CLA” heißt. Cargo Linie A – abgekürzt halt CLA und ich kenne diesen LKW. Optisch gesehen kenne ich diesen LKW sogar schon seit mehreren Jahren auch wenn er technisch sicherlich auf dem aktuellen Stand ist:

man-cla-lkw-2013

Man, man, man…? “MAN Truck & Bus ist einer der führenden Hersteller von Nutzfahrzeugen in Europa mit Produktionsstätten in vier europäischen Ländern sowie in Südafrika und Indien. Die Produktpalette reicht von Lkw mit einem Gesamtgewicht von 7,5 bis 44 t für jeden Einsatzbereich und Sonderfahrzeugen bis 250 t Zuggesamtgewicht über Omnibusse und Reisebusse bis hin zu Diesel- und Gasmotoren für On- und Off- Road-Anwendungen.” – so steht es auf der Webseite von MAN geschrieben also wird es genau so auch wohl stimmen.

Sexy finde ich die TGX Baureihen. Sexy? Nutzfahrzeug? Rein optisch finde ich den halt schön gestaltet und natürlich wollte ich schon als kleine Junge mal mit so großen Maschinen spielen. Die Sechszylinder-Common-Rail-Motoren D20 und D26 verfügen über eine Leistung von  360 bis 480 PS in Euro 6, der MAN V8 geht sogar hoch bis 540 PS (erfüllt dann aber nur noch die Euro 5 Norm), doch auch daran arbeitet man bei MAN bereits gewaltig. Hier ist mal so ein TGX abgebildet:

man-tgx-lkw-2013-euro-6

Wusstet ihr eigentlich, dass LKWs als “Belohnung” gesehen werden? Die Arbeitgeber, die ihren Fahrern (die ja den ganzen Tag auf dem “Bock sitzen”) etwas gutes tun wollen, statten die Fahrzeuge dementsprechend auch gut aus. Fernverkehr ist kein Zuckerschlecken, auch wenn ich damals dank der Fernsehserie “Auf Achse” da natürlich ein ganz anderes Bild hatte.Franz Meersdonk und Günther Willers fuhren Terminfracht durch die ganze Welt und erlebten dabei noch so manches Abenteuer. Als Vorbereitung auf diesen Blogbeitrag habe ich mich mit einigen Truckern unterhalten: Die großen Abenteuer dieser Zeit sind wohl Termindruck, Polizeikontrollen bzw. Kontrollen vom BAG (Bundesamt für Güterverkehr), und Disponenten die den Druck noch mehr erhöhen. Ein weiteres Abenteuer ist wohl die Parkplatzsuche, am Ende der Lenkzeit ist oft kein Parkplatz frei (weit und breit). Fährt der Fahrer weiter, steigt schnell seine Gebührenleiter – bleibt er stehen wird er oft zum Verkehrsrisiko. In der Abgeschiedenheit abgestellt bleibt das Risiko ausgeraubt zu werden. Rollt der Verkehr sind es oft die Auto-Fahrer die nicht in der Lage sind die Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen. Ein LKW braucht nun mal etwas länger von 0 auf 80 und natürlich auch beim bremsen einen längeren Bremsweg.

Während der Otto-Normal Nutzer sich über Datenkraken wie Facebook oder Google aufregen sind zahlreiche LKWs mit GPS-Trackern unterwegs. Auf der einen Seite natürlich gut, denn im Falle eines Unfalles oder Diebstahles kann man den LKW natürlich schneller finden, auf der anderen Seite ist es natürlich eine vollständige Kontrolle des Fahrers. MAN hat dafür z.B. eine extra iPhone bzw. iPad App:

Mit der MAN TeleMatics® App kann man stets von unterwegs die LKW Flotte im Blick behalten und alle relevanten Daten abrufen. Darüber hinaus kann man direkt über die App mit dem Fahrer Kontakt aufnehmen sofern das Fahrzeug über die MAN TeleMatics und einen aktiven Servicevertrag verfügt.

Mmmmh, ob ich das als LKW Fahrer wirklich toll fände wenn der Disponent stets zu 100% weiß wo ich gerade bin? Kurze Rast – aufgepasst? Kurz ausgetreten gleich zum Raport gebeten? Könnte ja sein, schließlich könnte man ja Zeit einsparen wenn man unterwegs in die Flasche… ach lassen wir das.

LKW Fahrer wirklich ein Traumjob? Was ist geblieben von dem wilden Ruf der Autobahn, von der Freiheit auf den Fernstraßen? Ist es eventuell wirklich nur die Erinnerung an die Kindheit und das Bild im eigenen Kopf? Was ist geblieben? Die Fahrgastzellen sind immer noch gut ausgestattet, viele haben einen Kühlschrank, einige sogar eine Mikrowelle. Kein Wunder, wer kann sich bei den Löhnen denn noch die Restaurant-Besuche erlauben? Der LKW wird zum mobilen zu Hause, im Fernverkehr oft für mehrere Wochen.

Was wäre mir da als Fahrer wichtig? Ein guter Sitz, eine gute Position und eine hochwertige Ausstattung. Dazu zähle ich ein Infotainmentsystem was meine Daten abspielen kann, eine Klimaanlage und im Winter eine Heizung die mich auch im Stand nicht frieren lässt.

Was wäre mir als Spediteur wichtig? Geringe Kosten! Früher die Stinker der Nation arbeitet die Industrie schon lange daran die LKWs umweltverträglicher zu machen. Effizienz? Inzwischen auch ein Thema, so ist man bei MAN z.B. stolz darauf, dass man auch bei den aktuellen Modelle weniger Kraftstoff verbraucht.

Ab dem 01. Januar 2014 tritt die neue Euro 6 Abgasnorm in Kraft. Bei MAN setzt man schon seit Jahren die Common Rail Technologie ein und arbeitet auch mit Hilfe der Abgasrückführung um die Emissionen in den Griff zu bekommen. Seit dem Effizienzthema spielt auch die Aerodynamik eine übergeordnete Rolle und das spürt man nicht nur beim Verbrauch sondern sieht es auch optisch. Kommt schon, so ein LKW der TG… Baureihe sieht doch echt cool aus. Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich teilweise auf der Autobahn sogar bremse um LKW Fahrer überholen zu lassen? Es sind heute andere Blogger vor Ort bei MAN, ich werde sobald diese ihre Beiträge veröffentlicht haben das Thema noch mal aufgreifen! Versprochen!

Ich weiß, dass es da draußen einige LKW-Fahrer gibt, die auch täglich Blogs lesen. Wenn ihr zufällig diesen Beitrag hier entdeckt habt, hinterlasst doch im Kommentarfeld ein paar freundliche Grüße und schreibt ob ich es richtig oder falsch erfasst habe. 55&73 und Allzeit gute Fahrt!

Fotos: © MAN 2013

5 Gedanken zu „MAN, MAN, MAN… LKW-Fahrer = Traumjob?

  1. Es gibt immer noch welche, die den Beruf als ihren traumjob sehen, aber das sind meist die, die schon seit gefühlten 100 Jahren in der gleichen Firma sitzen und einen Sonderstatus geniessen.

    In meinem Umfeld jedoch ist die gängige Meinung die, dass man nächstes Jahr nun endlich einen Grund hat, den Beruf zu wechseln, da dann für die allermeisten Fahrer die sogenannte Berufskraftfahrerqualifizierung fällig ist, ohne welche man keinen LKW gewerblich bewegen darf.

    Die Arbeitsbedingungen in dieser Branche sind mittlerweile jenseits von Gut und Böse, und auch die LKW werden immer spartanischer in der Größe des Fahrerhauses und in der Ausstattung. Billig billig billig ist die Devise, nur so ist es zu erklären, dass teilweise LKW am laufen sind, welche für Puristen ein Traum sind, im Fernverkehr jedoch alles andere als praktisch sind.

    Trucker- und/oder Fernfahrerromantik war einmal – heute tobt da ein unverbitterter Kampf auf jeder Ebene, und der wirklich Immerdumme ist der LKW-Fahrer. Ob nun seitens der Presse, der Politik, oder aber der Gesellschaft (von der eigenen Firma mal ganz zu schweigen) – Dauerfeuer von allen Seiten und aus allen Rohren, und die, die das zu verantworten haben, schieben den Peter entweder von sich weg (Fuhrunternehmer), oder beschönigen alles (Politik), und die Autofahrer haben ja sowieso immer Recht, wissen alles besser, und sind ja die eigentlichen Leidtragenden …

      1. Japp, dieser Beruf ist alles andere als romantikbehaftet.
        Auch wenn man es einigen Kollegen nicht ansieht, es ist ein verdammt harter Knochenjob mit Arbeitszeiten jenseits von allem was gut ist, und spätestens mit 50 ist man ein körperliches Wrack.
        Schichtarbeiter und Baustellenmalocher sind Weicheier dagegen!

  2. Dieses ist eine wahre Begebenheit und ein Auszug von Fernfahrerromantik.
    Da nützt die beste Ausstattung nichts.
    Viel Spaß beim lesen!

    Am 31.10.2012 fuhr ich nachmittags auf der A2 Hannover Richtung Helmstedt als mal wieder Höhe Zweidorfer Holz nichts ging.
    Vollsperrung A2, also nichts wie runter von der A2,rauf auf die Raststätte. Natürlich vollgeschissen. Aaaaaa, eine freie Fläche gleich nach der Tankstelle” da passe ich rauf und behindere keinen. Nach Sachsen Anhalt darf ich nicht rein (kirchlicher Feiertagskram) und bis Helmstedt mit Vollsperrung der A2 schaffe ich auch nicht mehr weder in meiner gesetzlichen Fahrzeit noch Schichtzeit.Also 11Stunden Tagesruhezeit und alles passt mit den nächsten Terminen. Weiterfahrt wäre um 1.30 Uhr am 1.11.2012 gewesen, was ich eigendlich auch nicht dürfte (kirchlicher Feiertagskram) in Niedersachsen aber neee da kommt der freundliche Helfer Herr Polizist und klopft Sturm um 0.15 Uhr. Du muss weiterfahren war seine Aussage. Keine höfliche Anfrage ob ich überhaupt schon fahren könnte (gesetzliche Tagesruhezeit für Berufkraftfahrer). Na gut dachte ich 9Stunden haste drin, Gott hilft dir auch nicht, wie immer musste schon selber machen. Aber erst noch nen Sachnagel durchziehen. So kannste nicht lenken, aus dem Tiefschlaf gerissen, das geht so nicht, da karrste nur noch jemanden an oder um.
    Oooo! Der Kupferbolzen und der Hydrant macht sich auch bemerkbar!!!!
    Ab auf Toilette . Aber ohne Rechnung des freundlichen Helfer.”Sie fahren jetzt los.” waren seine Worte. “Nein, ich muss auf die Toilette” war meine Erwiederung. “Nein, sie fahren jetzt hier weg.” war seine unhöfliche Erwiederung. “Nein, ich scheiß mir gleich in die Hose .” meine Worte und lies ihn stehen.
    Das war wirklich dringend!!!!!!!!!!!Da wurde ich von hinten angeschrieen, “Sie fahren sofort weg, oder wir lassen abschleppen”.
    Herr Gott, ach der hilft nicht,ich vergaß.
    “Ich bin doch keine Maschine, ich hab den Digitalen da oben drin, aber ich bin keine Maschine”. Wer das erfunden hat…..
    “Ich habe dafür Verständnis”, waren dem Poliziste seine Worte.
    Für Maschine,aber nicht für Menschen, so war mein Eindruck.Also durfte ich nicht auf die Toilette, hab mir in mein LKW-Sitz geschissen und hätte fast übers Lenkrad gekozt vor Schmerzen.
    Ich erfuhr noch so neben bei vom freundlichen Maschinisten, das dort wo ich und noch 3 andere LKW-Fahrer ihre wohlverdiente Ruhe haben wollten und dem Stau aus dem Wege gehen wollten eine Maschine(Auto)repariert werden muss!!!
    !!!! Sind Maschinen wichtiger als Menschen und Menschenleben??? !!!!!!!
    Nun stehe ich an der Landesgrenze zu Bayern 11Stunden rum, (Seiß kirchlicher Feiertag) , aberweil ich über 1stunde früher losfahren musste und ich dadurch eine Stunde zu früh beim Kunden war(zusätzliche Wartezeit),habe ich nur noch auf meine Schichtzeit gerechnet 9Stunden Ruhezeit. Da durch muss ich den Rest der Woche immer 11Stunden Ruhezeit einlegen, und bin min. 2Stunden später zu Hause, die ganzen Baustellen und Staus nicht mit eingerechnet. Also nur kurzes Wochenende und täglich nächste Woche 11Stunden Ruhezeiten + Verspätungen + Verdienstausfälle.
    Aber der freundliche Maschinist ist täglich zu Hause. Die Brötchen kommen auch mit der Luftpost zum Bäcker und die Ersatzteile für die Funkstreifenwagen kommen mit dem “fliegenden Teppich”.
    Oder hat Gott seine Finger im Spiel? Wenn es ihn gibt!

    Mal drüber nachdenken!!!!!!!!!

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