Angetestet: Audi RS6 Avant

Audi RS6 Avant – alleine die beiden Buchstaben RS versprechen doch Rennsport-Charakter oder? Heute durfte ich überprüfen ob der Audi RS6 Avant (den RS6 gibt es übrigens nur als Avant, sprich als Kombi) das Versprechen auch hält. Vor zwei Tagen bin ich mit einem BMW M6 Grand Coupé unterwegs gewesen, ebenfalls in München, wir hatten Kaiserwetter. Heute hatte Petrus nicht unbedingt gute Laune und uns so etwas die Probefahrt verhagelt. In 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, also schneller als der BMW M6 Grand Coupé und etwas langsamer als der vermutlich direkte Mitbewerber ( Mercedes-Benz E 63 AMG S ) – ein Wert der sich trotzdem mehr als nur sehen lassen kann.

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Mit dem Dynamikpaket Plus könnte der Audi RS6 Avant über 300 km/h schnell sein und das obwohl er jetzt “nur” noch 560 PS aus 4 Liter Hubraum kitzelt. Dabei erzeugt der V8 Biturbomotor allerdings einen sehr schönes Klangbild, wenn die Automatik zurückschaltet. Er bollert halt etwas – kann man mögen, muss man nicht – ich mag es. 700 Nm reißen an der Kurbelwelle und wollen unbedingt über die 4 Räder vom quattro Antrieb die Straßen erobern. Der quattro Schriftzug an der Front signalisiert dem Vordermann: “Aus dem Weg, ich brauche Platz…” und diesen Anspruch untermauert der Audi RS6 Avant durch große Lufteinlässe.

Die Kraft des Motors wird über eine 8 Gang Tiptronic geschaltet, optional kann man Eingriff nehmen oder alles der Elektronik überlassen. Natürlich verfügt der Bolide über die Möglichkeiten den Fahrmodus anzupassen. Die Lenkung kann per Knopfdruck geschärft werden, das Fahrwerk etwas straffer ausgelegt werden und auch die Gasannahme wird per Knopfdruck modifiziert. Dynamik nennt sich der sportliche Fahrmodus. Während sich die technischen und elektronischen Helferlein bemühen die Kraft auf die Straße zu bekommen muss der Fahrer nur noch eines machen: Den Markus Song “Ich will Spaß ich geb Gas” hören und Spaß haben!

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Ja, der RS6 Avant macht Spaß! Ja, der RS6 Avant ist giftig! Ja, der RS6 Avant geht nach vorne! Mit scheinbar unbegrenzten Kraftreserven schiebt sich der Pampersbomber nach vorne, lässt alles hinter sich und wäre somit das ideale Fluchtfahrzeug. Nein, nicht für einen Banküberfall, sondern um einfach mal aus dem Alltag zu flüchten, mal den Kopf frei machen, einfach mal wieder fahren, weil man fahren möchte. Dank dem Kofferraumvolumen von 565 Litern und ausreichend Platz auf den hinteren Plätzen kann man sogar die Familie mitnehmen, auch wenn ich persönlich mit Kindern an Bord nicht die Höchstgeschwindigkeiten ausreizen würde. Er kann halt beides, langsam cruisen, rasant fahren und dabei auch noch eine Menge transportieren. Er bleibt komfortabel, per Knopfdruck wird zwar alles etwas sportlicher aber nicht knüppelhart. Das Gewicht von 2 Tonnen kann man nicht wegdiskutieren, vor Kurven sollte man rechtzeitig das Gas wegnehmen und hineinbremsen aber wem erzähle ich das? Auf deutschen Landstraßen fährt man schließlich nie schneller als Tempo 100!

In den Radkästen drehen sich übrigens 20″ bzw. 21″ Felgen, dahinter verstecken sich entweder 390er Bremsscheiben die von der Brembo-Bremsanlage herzlich gedrückt werden (wenn der Fahrer es will) oder 420er Keramik-Bremsscheiben die nicht nur sportlicher aussehen sondern auch länger durchhalten und wirklich kraftvoll zupacken.

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Heute war ich ohne Familie unterwegs. Ab auf die Autobahn! Fuß aufs Gas: 20,40,60,80,100… sind das da Schmetterlinge in meinem Bauch? 120, 140, 160, 180, 200, 220 … puh, 240, 260, 280… Fuß auf die Bremse! Die gut dimensionierten Spaßbremsen verzögern das Geschoss sicher und auch die Reifen leisten einen guten Dienst. Den Motor spürt und hört man erst so richtig schön wenn er Drehzahl bekommt, eigentlich schade, denn so ein V8 Klang würde ich als wunderschön bezeichnen. Für einen wohlklingenden V8 verzichte ich gerne auch mal auf das Radio / Infotainmentsystem. Das funktioniert im Audi RS6 Avant natürlich auch tadelos.

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Audi selbst gibt den NEFZ-Wert vom Audi RS6 Avant mit 9,8 Litern auf 100 km an, realisiert wird dieser Wert durch Zylinderabschaltung (aus dem 8 Zylinder wird dann ein 4 Zylinder), durch eine Start-Stop Automatik und durch weitere technischen Feinheiten. Ich muss keinem erzählen, dass dieser NEFZ-Wert heute nicht erreicht wurde, oder?

Wie gewohnt, die typischen Angetestet Fragen:

Was ist das für ein Typ?

Ein Familienkombi auf Steroiden? Ein mit Muskeln bepackter Transporteur, der nur darum bettelt: “Bring die Sachen von A nach B – doch fahr mit mir”. Dabei gibt er sich gar nicht so unsagbar aufdringlich. Was die Optik verspricht hält dich Technik, im Klang ist er sehr zurückhaltend wenn man es nicht krachen lassen möchte.

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Kann ich mich darin sehen lassen?

Ein Kombi ist ein Kombi, daran ändert auch der Sportanzug nichts. Wer auf keinen Fall einen Kombi haben möchte, der kann sich mit diesem Fahrzeug auch nicht sehen lassen. Wer sich für die großen Lufteinlässe, die breiten Backen und die großen Räder schämt oder den Neid der Nachbarn nicht abgekommen möchte, der sollte sich eventuell bei den Konzernbrüdern umsehen, dort gibt es einen VW up, einen Seat Mii oder einen Skoda Citigo zu dem Preis, den man hier für die Zubehörliste investieren möchte.

Ist er praktisch und familientauglich?

Defintiv! Bei dem Kofferraumvolumen und dem Platzangebot ist der Audi RS6 Avant sicherlich der Traum von jedem Familienvater, von den Kindern und vom Kegel. Vermutlich freut sich sogar der Hund wenn er hier im Kofferraum chauffiert wird. Problematisch dürfte es dann eher werden wenn es um die Tankabrechnungen und den Anschaffungspreis geht, aber irgendwas ist ja immer.

Höhepunkt?

Das Gefühl wenn man realisiert hat, dass man in einem Kombi sitzt der fast genauso schnell ist wie der Audi R8, dabei aber noch 2-3 weitere Personen plus mehr Gepäck dabei haben könnte.

Tiefpunkt?

Schiele ich rüber nach Stuttgart zum E 63 AMG S sehe ich dort einen Kombi der zwar etwas teurer ist, aber auch etwas mehr bollert und den typischen V8 Sound mitbringt. Da hätte ich mir einfach etwas mehr gewünscht, so wie ich bei Metzger auch gerne eine Scheibe mehr mitnehme. Ihr merkt schon, das ist jammern auf allerhöchstem Niveau, denn mit dem Audi RS6 Avant hat der Ingolstädter Hersteller einen Kombi auf die Räder gestellt, der definitiv in der allerhöchsten Liga mitspielt und da sind oftmals ganz andere Dinge kaufentscheidend. Ich habe beim Audi RS6 Avant keinen richtigen Tiefpunkt gefunden, persönlich hätte ich halt gerne noch mehr Klang gehabt, aber das ist Geschmacksache und darüber soll man bekanntlich nicht streiten.

Kann ich Ihn mir leisten?

Los geht der Fahrspaß hinterm Frontscheibenglas bei etwas über 107.000 Euro, wie gerade schon erwähnt – nach oben sind kaum Grenzen gesetzt, schnell versenkt man noch mal den Gegenwert von einem Kleinstwagen, ach was sag ich Kleinwagen in den Sonderausstattungen – aber spielt bei so einem Fahrzeug Geld eigentlich eine Rolle? Ich denke nicht!

Fazit: Der Audi RS6 Avant macht ebenfalls süchtig. Süchtig nach mehr und das ist das fiese, denn diese Sucht kann ich aktuell nicht befriedigen, ob es dafür wohl ein Gegenmittel gibt? Mein Führerschein dürfte allerdings froh darüber sein, denn ich muss gestehen, dass man schnell auf 180 ist in so einem Fahrzeug, vor allem wenn die linke Spur nicht frei ist bzw. notorische Linksfahrer diese blockieren.

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15 Gedanken zu „Angetestet: Audi RS6 Avant

  1. Immer diese (anderen) notorischen Linksfahrer….;o)
    Netter Fluchtwagen – aber noch sind Funkwellen schneller !

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