Angetestet: Audi S3

Angetreten um zu verlieren? Denke ich an die Mitbewerber sehe ich auf der einen Seite eine 360 PS starke A-Klasse und auf der anderen Seite einen BMW 135i, der mit 320 PS auch nicht wirklich untermotorisiert ist. Der Audi S3 hat im direkten Vergleich den kürzeren gezogen und “nur” 300 PS unter der Haube. Klingt das dekadent? Ein Fahrzeug der Golf-Klasse mit 300 PS, danach hätten wir uns früher verzehrt, die Finger hätten wir uns geleckt und vermutlich auch das letzte Hemd gegeben. Als ich meinen Führerschein gemacht habe, hatte meinen Vater einen VW Golf GTI Jubi mit 150 PS und war damit der König der Autobahn wenn er mit Tempo 240 km/h die linke Spur eroberte. Heute beschleunigt man im Audi S3 etwas zügiger, wird trotzdem bei Tempo 250 km/h elektronisch abgebremst.

Es muss nicht immer schneller, höher, weiter gehen. Der Audi S3 basiert auf dem Audi A3 und ist ebenfalls als Sportback erhältlich und wird wohl früher oder später ein R vor das S3 bekommen. Der RS3 darf sich dann um die anderen beiden “Kollegen” aus München bzw. Stuttgart kümmern und in der Zeit erobert der S3 ganz andere Zielgruppen. Ich habe heute mit einem Chip-Tuner aus der Nähe von München gesprochen, er denkt es wäre kein Problem auch die “fehlende Leistung” aus dem S3 zu kitzeln um die “Lücke zu schließen” doch muss man das wirklich?

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Harmlos sieht er aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Ein kleines S3 im großen Single-Frame Kühlergrill verrät was unter der Haube steckt, eine doppelte Auspuffanlage könnte ein Zeichen für sportliche Leistungen sein doch erst wenn man hinterm Lenkrad sitzt, dann spürt man was der S3 kann.

Im Innenraum typisch Audi A3, etwas sportiver, optional etwas noch etwas mehr, doch nicht wirklich krawallig. Kleine Embleme, kleine Logos und kleine Veränderungen dominieren den Innenraum. Ich sitze bequem, könnte mir durchaus vorstellen längere Strecken mit dem S3 zu fahren. Das Fahrwerk ist sportlich straff, aber nicht unkomfortabel abgestimmt.

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der sportliche Audi S3 in 4,8 Sekunden. Der 60 PS stärkere A 45 AMG ist nur 0,2 Sekunden schneller, quasi ein Wimpernschlag. Auf Augenhöhe sind beide Fahrzeuge beim Verbrauch. Laut NEFZ-Wert soll der sportliche Kompaktwagen ebenfalls mit einem Verbrauch von 6,9 Litern auf 100 km auskommen. 380 Nm stehen zur Verfügung und warten nur darauf von dem quattro Antrieb über die 4 Räder abgegeben zu werden. Der 2.0 TFSI Motor ist von Audi komplett neu entwickelt, bietet eine angenehme Laufkultur und klingt kernig. Der Blick unter die Motorhaube ist allerdings ernüchternd, denn dort vermisse ich zumindest einen kleinen Hinweis auf die motortechnische Überlegenheit.

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Die Lenkung ist im Dynamik-Modus angenehm direkt, das S-Sportfahrwerk lässt sich auf Wunsch durch das adaptive Dämpfersystem aufwerten und bietet anschließend umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten. Mit einem Leergewicht von gerade mal 1,4 Tonnen trumpft der Audi S3 ganz groß auf und auch bei der optionalen Ausstattungsliste spielt der Kompaktwagen in der ganz großen Klasse mit. Voll LED Scheinwerfer? Möglich! Hochwertige Assistenzsysteme? Verfügbar. Nur die serienmäßigen 18″ Felgen in der 7,5er Breite sind mir etwas zu klein und zu schmal, wenn man bedenkt, dass wir im Jahre 1998 bereits 8 und 9×19″ auf einen VW Golf 4 gesteckt haben, darf ein sportlicher Audi S3 sich auch ruhig mal auf größere Felgen trauen.

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Ganz oben hatte ich erwähnt, dass der Audi S3 ankommt um den letzten Platz zu belegen, dieses tut er allerdings nur bei der Leistung. Beim Preis ist der kompakte Flitzer nämlich ganz weit vorne. Ab 38.900 Euro geht es los, mit der 6-Gang S-Tronic fängt man bei 40.800 Euro an. Nach oben ist da sicherlich noch viel Luft in der Aufpreisliste, doch serienmäßig hat der S3 schon einiges an Bord. So gibt es die Xenon plus-Scheinwerfer mit LED Tagfahrleuchten und die Klimaautomatik ab Werk dabei.

Wie gewohnt, die typischen Angetestet-Fragen:

Was ist das für ein Typ?

Ein sportlicher Audi A3! Nicht mehr und nicht weniger! Allerdings einer der mit seinen 300 PS eine ganze Menge Spaß machen kann. Durch sein leichtes Gewicht und seinem guten Fahrwerk wird er zum Kurvenräuber. Die Lenkung ist nicht ganz so direkt wie beim Audi RS6 Avant überzeugte aber durchaus.

Kann ich mich darin sehen lassen?

Der Nachbar wird vermutlich erst aufgrund der Auspuffanlage merken, dass unter der Motorhaube etwas mehr Leistung steckt, der Audi A3 S3 gibt sich äußerst zurückhaltend. Anders sieht es bei der Probefahrt aus, der S3 kann nämlich ordentlich brüllen und entwickelt ein schön sonores Klangbild.

Ist er praktisch und familientauglich?

Da empfehle ich doch die Beiträge zum normalen Audi A3 bzw. zum Audi A3 Sportback, denn der Audi A3 ist durchaus sehr praktisch und familientauglich unterwegs, daran ändert die Leistung nun auch nichts.

Höhepunkt?

Die Tatsache, dass man dem Fahrzeug rein optisch die Leistung fast nicht ansieht. Erinnert mich etwas an den VW Golf GTI der ersten Stunde bzw. an einem VW Käfer mit Porsche Motor. Der Wagen sorgt somit für verblüffte Gesichter, verfügt allerdings auch über kein Überholprestige, denn wer traut einem “normalen Audi A3” schon solche Fahrleistungen zu? Empfehlung: Das Fahrzeug mit der Automatik ausstatten, sonst rührt man sich vermutlich im Getriebe zu Tode.

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Tiefpunkt?

Das ungute Gefühl, dass man in einem Fahrzeug sitzt, welches sich beim Autoquartett gleich von mehreren Mitbewerbern auf dem Blatt Papier schlagen lässt bzw. nur einen Stich landet. Einzig und allein beim Preis kann der Audi S3 punkten und Hand aufs Herz, wollte man das früher beim Autoquartett? Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist mir bei der Automatik aufgefallen. Ich nenne das Phänomen nun einfach mal “Denksekunde”. Stellt euch mal vor ihr fahrt auf einer Landstraße hinter einem Bus. Diesen wollt ihr überholen und gebt im Dynamik-Fahrmodus Vollgas. Dann zählt ihr erstmal “Einundzwanzig, Zweiundzwanzig…” und dann schießt der S3 nach vorne. Keine Angst, das können andere Hersteller in der Klasse derzeitig auch nicht besser, doch erwähnen wollte ich es.

Kann ich Ihn mir leisten?

Die Tatsache, dass der Audi S3 obwohl der Leistung von 300 PS günstig in der Versicherung abgeschnitten hat und das der Verbrauch bei 6,9 Litern liegen soll spricht ja für einen Audi A3 mit der entsprechenden Leistung unter der Haube. In der Haftplicht liegt er in der Versicherungsklasse 18, bei der Vollkasko wird er mit 23 eingestuft und bei der Teilkasko mit 24. Abgerechnet wird am Schluss und der eigene Geschmack darf entscheiden ob es der etwas krawalligere A 45 AMG werden darf, der BMW 135i oder eventuell doch ein Audi RS3 der sicherlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird. Braucht man überhaupt ein kompaktes Fahrzeug mit 300 PS? Wenn ja: Audi S3 unbedingt mal Probe fahren und sich selbst überzeugen!

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