Der Rekord-Benz aus Nardo: Mercedes-Benz 190E 2.3 16V

Es sind diese ganz besonderen Momente die meinen “Beruf” so lebens- und liebenswert machen. Im Rahmen des zweiten Mercedes-Benz Bloghouse ging es Abend noch ins Mercedes-Benz Museum nach Stuttgart und dort steht nicht nur ein Pferd auf dem Flur… nein dort hängt auch ein Rekord-Benz an der Wand. Dazu kam nun noch ein weiterer 190E, der ebenfalls in Nardo seine Runden gedreht hat. Runden? 201 Stunden! 39 Minuten! 43 Sekunden! Anschließend waren 50.000 Kilometer zurückgelegt. Mercedes-Benz hatte nicht nur den Wagen vor Ort, nein auch einer der Fahrer stand Rede und Antwort und führte unterhaltsam durch den Abend und erzählte viele Anekdoten. Ich hätte ihm – unübertrieben – den ganzen Abend zuhören können. Es sind diese Menschen die Bücher schreiben sollten, denn diese Erlebnisse, diese Geschichten, die gehören einfach erzählt. Den Wagen muss man sich ansehen, sich einmal reinsetzen und vor allem auch riechen. Der Geruch, wenn man die Heckklappe öffnet – herrlich! Übrigens ist hier auch der veränderte Tank montiert. Links wurde mit Druck betankt, rechts der Druck abgelassen. 170 Liter passten rein, dafür musste die Hinterachse verstärkt werden. In Nardo fuhr man ja quasi immer fast geradeaus, somit dürfte es auch nicht wirklich negativ aufgefallen sein, dass das Heck immer leichter wurde. Der Durchschnittsverbrauch wird mit 22 Litern angegeben.

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Für diese Lüsterklemmen-Verkabelung hätte ich von meinem Meister damals einen auf die Finger bekommen, vor allem weil sämtliche Strippen die gleiche Farbe hatten, aber hey – das hier ist ein Rekord-Fahrzeug und rekordverdächtig sind auch die Bedingungen: Auf der 12,6 Kilometer langen, kreisrunden Erprobungsbahn in Nardò, Italien herrschten teilweise 40° Celsius, der Innenraum heizte sich auf bis zu 50°C auf. An eine Klimaanlage war nicht zu denken und auch das Fenster musste geschlossen bleiben. Robert Schäfer erzählte aber auch von einem Regenschauer. Die Fahrer noch auf Slicks unterwegs nahmen also etwas Geschwindigkeit raus, alle bis auf einer. Robert Schäfer hatte es im Gasfuß, dass es klappt und holte in der Zeit wo die anderen in der Box waren insg. 3 Runden “raus”. Der 2,3 Liter 4-Zylinder lief also fast 9 Tage auf Dauerlast. Alle 2-3 Stunden wechselten die Fahrer, die ansonsten über Funk mit der Box verbunden waren. Im Innenraum gab es übrigens sämtliche Ersatzteile, nur die – die mitgeführt wurden – durften auch im Ernstfall getauscht werden. Das Fahrwerk entsprach übrigens nicht der Serienausstattung, auch die Kühlung wurde verändert. Nachts bekam er eine Kühlerjalousie, tagsüber mehr Fahrtwind. Die Servolenkung wurde rausgeschmissen – trotzdem spricht man noch von einer Leistung von 185 PS die der Motor leisten konnte. Der Motor selbst wurde übrigens auch etwas verändert, es wurden Schnellverschlüsse angebracht um die Inspektionen schneller durchführen zu können, denn auch während des Rekordversuches musste auch mal das Öl gewechselt, bzw. das Ventilspiel mit der Messlehre überprüft werden. Bei dem Rekordversuch gab man sich nicht nur bei der Verkabelung erfinderisch: Ein gebrochener Verteilerfinger wurde mit Kleber geklebt und hielt dann auch noch durch. Man fuhr übrigens mit drei Fahrzeugen um bei einem Ausfall noch zwei weitere Schäfchen im trockenen zu haben, denn wirklich ausruhen konnten sich die Fahrzeuge nicht. In den 201 Stunden gab es eine Standzeit (Tanken, Inspektion, Fahrerwechsel, Reifenwechsel…) von gerade mal einer Stunde. Robert Schäfer war jahrelang Testfahrer, zunächst für Audi bzw. NSU und anschließend dann bei Mercedes-Benz. Vor 30 Jahren fuhr er einen Rekord-Benz, nun darf er seinen Ruhestand genießen. Ich hoffe, dass Robert Schäfer noch vielen Menschen mit seinen Reden, mit seinem Wissen und vor allem mit seinen Geschichten begeistern kann. Der Mann hat nicht nur Benzin im Blut, dort findet man auch noch Öl und Bremsflüssigkeit!

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So, ein paar Beiträge über den Rekord-Benz habe ich da noch für euch im World Wide Web gefunden: 1300ccm, Drive-Blog, Daimler-Blog, 5KOMMA6,…

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