Fahrbericht: 2013 Bentley Continental GTC V8

Was für ein surreales Gefühl. Ich sitze in einem Fahrzeug was mehr kostet als mein Haus. Gerade noch wurde mir der Gurt angereicht, ich habe den Startknopf gedrückt und ein wohlwollender, aber nicht aufdringlicher V8-Klang umschmeichelt meine Ohren. Ich öffne das Dach. Natürlich per Knopfdruck. Ich hätte es auch schon zuvor mit der Funkfernbedienung öffnen können. Anschließend geht es zum Bäcker um mir Brötchen zu kaufen und ich haue auf dem Weg vermutlich mehr Geld in den Tank als später auf die Ladentheke. Dabei sitze ich auf feinstem Leder, blicke auf eine Breitling Uhr und meine Füße stehen auf dem allerbesten Teppich. Ja, so ein Bentley ist ein ganz besonderes Fahrzeug. Ohne Zweifel!

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Der Bentley Continental GTC V8 ist für ca. 190.000 Euro zu haben. Dafür bekommt man einen 507 PS starken 8-Zylinder. Vier Liter Hubraum müssen dafür reichen, der größere Bentley Continental GTC W12 hat zwei Liter mehr zur Verfügung.  Von 0 auf 100 km/h geht es innerhalb von 4,7 Sekunden, ca. 10 Sekunden später ist man schon über Tempo 200. Dabei ist es vollkommen egal ob man das Dach nun geöffnet oder geschlossen hat. Der Vorgang (Dach öffnen / schließen) funktioniert übrigens auch während der Fahrt, leider jedoch nur bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h. Ideal also in Spielstraßen oder Tempo 30 Zonen um schon mal das Open-Air Vergnügen einzuleiten.

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“Der geht ganz schön gut ab…” hörte ich mich sagen und dabei war es mir in dem Fall sogar egal, ob er sich nun 12 Liter, 24 Liter oder gar 36 Liter auf 100 km genehmigt. Derjenige der sich ein Fahrzeug für über 200.000 Euro in die Garage stellen kann, der kann sich den Kraftstoff auch noch leisten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt übrigens bei 301 km/h. Da ärgert man sich schon mal über die verbauten Winterreifen die diesen Vortrieb dann Bauartbedingt ausbremsen, freut sich aber über die eigene Reife und Gelassenheit. Ich darf gestehen: Das flanieren im Bentley hat mir genauso viel Freude bereitet. Im Vergleich zum Bentley Continental GTC W12 habe ich den W12 nicht vermisst, der neue Motor bringt genausoviel Fahrspaß und die Umwelt freut sich vermutlich auch noch etwas. Die im W12 Beitrag angesprochenen Kritikpunkte sind geblieben, die brauche ich hier nicht wiederholen. Das Infotainmentsystem könnte man wahrlich mal aufwerten, das gilt auch für die Assistenzssysteme – wobei – braucht man die wirklich?

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Die 8-Stufen Automatik arbeitete mängelfrei, das maximale Drehmoment liegt bei 660 Nm und die Kraft wird ohne Probleme dank dem permanenten Allradantrieb auf die Straße gebracht. Optional kann der Fahrer über die Schaltwippen hinterm Lenkrad Eingriff in die Gangwahl nehmen, aber das will man gar nicht. Im Sport-Modus (den es natürlich gibt) verändern sich die Kennlinien und der GTC wird noch etwas agiler.

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Die Härte des Fahrwerks? Per Touchscreen einstellbar! Das gilt auch für die Höhe. Vorne und hinten sind nämlich elektronisch geregelte Luftfedern verbaut und die Dämpfer sind natürlich adaptiv. Wer später bremst ist länger schnell, für die Verzögerung sorgen optional Karbon-Keramik-Bremsen, aber auch die “normale” Bremsanlage packt ordentlich zu. Das Gewicht von ca. 2,5-2,6 Tonnen merkt man natürlich, vor allem in Kurven und beim Bremsvorgang.

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In den perfekt ausgekleidetenen Gepäckraum passt ein Lade-Volumen von 260 Liter. Ausreichend Platz also für ein Wochenendtrip mit der Liebsten ans Meer, in die Sonne, zum Strand(haus) oder einfach nur in die Stadt. Die Fahrten mit dem Bentley kann ich als “Flucht aus dem Alltag” beschreiben, denn genau so habe ich mich gefühlt. Die Sorgen hinter sich lassen, einfach mal die Zeit (hinterm Steuer) genießen, den Fahrtwind spüren und sich dabei den Nacken wärmen lassen. Dabei war es mir auch vollkommen egal, dass es draußen “nur” 3° Plus waren. Die Sitzheizung (Sitzkühlung gibt es auch) sorgte im Zusammenspiel mit der Klimaanlage für wohlige Temperaturen, selbst bei der selbstverordneten Frischluftkur. Tja, nun ist er wieder weg und was bleibt? Die Ernüchterung, dass dieses Fahrzeug nur für die (schönen) Reichen Menschen vorbehalten ist. Würde ich mir einen GTC V8 kaufen wenn ich reich wäre? Ich sag mal so, wenn ich reich wäre, hätte ich einige Favoriten aus dem Audi, VW, Lamborghini, Bentley, Skoda, Seat, MAN – Stall und ich würde mich sicherlich nicht auf nur ein Fahrzeug beschränken wollen. Für den Bentley Continental GTC V8 wäre sicherlich auch noch Platz auf meinem Hof, doch dafür muss ich leider erst noch im Lotto gewinnen.

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Würde ich Supermarkt-Werbetexte schreiben, dann würde ich den Bentley wie folgt umschreiben: “Was für ein geiles Auto, die Sitze, das Leder und vor allem die Uhr. Schaut euch mal den Motor an, ein richtig geiler Motor, leider mit Plastikabdeckung aber dennoch. Die inneren Werte stimmen. Diese Haptik, diese Verarbeitung, hach – ein richtig geiles Auto. Lasst euch da nicht beirren, der Bentley Continental GTC V8 hat keine Kritikpunkte, das sind Features. Genau wie Frauen keine Falten haben sondern Tornadolinien. Ein supergeiles Auto. Tja, in der Realität sieht es so aus, dass die Bentley-Breitling-Uhr vermutlich mein Monats-Budget übersteigen dürfte, aber träumen ist ja auch weiterhin erlaubt!

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