Wie wird eigentlich der NEFZ Wert ermittelt?

Jeder kennt ihn, weil ihn jeder kennen muss: Der NEFZ Wert! Doch was sagt dieser Wert eigentlich aus und wie wird er ermittelt? NEFZ bedeutet “Neuen Europäischen Fahrzyklus” denn man spricht über den neuen Europäischen Fahrzyklus. Getestet wird dieser auf einem Prüfstand, also unter Laborbedingungen. Dabei verspricht man natürlich, dass die Fahrwiderstände den Verhältnissen auf der Straße entsprechen, sofern dieses im Labor überhaupt möglich ist.

Es gibt zwei Testphasen! Bei der ersten wird der Verbrauch im Stadtverkehr gemessen. Zunächst wird das Fahrzeug auf 20 km/h beschleunigt, anschließend auf 35 km/h, dann auf 50 km/h. Zwischendurch geht es immer mal wieder runter auf 0. Ein einzelnder Testzyklus dauert ca. 3 Minuten und 20 Sekunden und dieser Zyklus wird 4 mal wiederholt. Dann kommt mit Geschwindigkeiten von ca. 80 und 55 km/h die Überlandfahrt bis dann auf Tempo 100 und 120 km/h beschleunigt wird. In der Testphase geht es nicht zurück auf 0. Auf Landstraßen steht man also nicht. in diesem 5. Zyklus geht es also um die Überland- bzw. um die Autobahnfahrt. Doch schneller als 120 km/h ist kein Fahrzeug unterwegs und höher als in den 6. Gang wird auch nicht geschaltet, denn da Getriebe muss an genau festgelegten Punkten geschaltet werden. Vorteil für Automatik-Fahrzeuge, denn da darf die Automatik schalten und walten wie sie möchte. Liegt es etwa auch daran, dass die NEFZ-Werte für 7-Gang DSG Getriebe so gut sind? Der gesamte NEFZ-Test dauert ca. 20 Minuten, dabei legt das Fahrzeug ca. 11 km zurück und die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt (ohne die Leerlaufphasen) 33,6 km/h.

Nun fragt ihr euch wirklich noch, warum es so schwierig ist den NEFZ-Wert zu erreichen? Der NEFZ-Wert ist nicht falsch, er ist meiner Meinung einfach nur nicht angepasst auf unser Fahrverhalten, dennoch schafft er eine Art Vergleichbarkeit, bei denen die kleineren Fahrzeuge natürlich immer besser abschneiden werden als die größeren, da dieses allerdings Hersteller betrifft ist da auch kein Grund zu Meckern gefunden. Hatte ich schon erwähnt, dass der NEFZ-Test mit rollwiderstandsoptimierten Reifen und ohne Verbraucher gefahren wird? Licht? Klimaanlage? Infotainmentsystem? Ausgeschaltet! Gegenwind, Steigungen, andere Verkehrsteilnehmer gibt es auch nicht. Der NEFZ-Wert kann also gar nicht stimmen, trotzdem fordern Umweltverbände mit Nachdruck, dass diese Angaben genommen werden müssen bei Werbung / Facebook-Statusmeldungen usw. und das obwohl die gleichen Umweltverbände auf der anderen Seite a) von “falschen Daten” sprechen und b) dagegen kämpfen. Was für ein Irrsinn, oder? Man wird gezwungen “falsche” Daten anzugeben – natürlich immer im Sinne des Umweltschutzes, ganz klar.

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Ich habe eine ca. 100 km lange Strecke, auf der kann ich übrigens fast jeden NEFZ-Wert unterbieten. Doch Fahrspaß und Alltag sieht leider anders aus, einmal falsch gebremst, einmal unnötig beschleunigt, einmal überholt und der Verbrauch auf 100 km sieht wieder ganz anders aus. Das gleiche gilt natürlich für die Klimaanlage, für das Mehrgewicht im Fahrzeug durch Insassen oder Gepäck und selbst bei Gegenwind verbraucht man mehr. Also, räumt mal euer Fahrzeug aus… und den Kollegen von den Umwelthilfen: “Schönes Wochenende!”

5 Gedanken zu „Wie wird eigentlich der NEFZ Wert ermittelt?

  1. Deswegen schaue ich mir den vom Hersteller angegebenen Verbrauch an, pack noch mal 2L drauf und bin auf der sicheren Seite. Ich finde es sollte jedem klar sein, dass der angegebene Verbrauch nicht wirklich stimmen kann. Jeder fährt anders. Ich habe kein eigenes Auto aber unsere Familienkutsche (Ford C-Max, 1.6 Diesel) verbraucht 6.0 – 6.2L auf 100km. Den fahren aber auch 4 Personen die alle unterschiedlich fahren & schalten.

  2. Ich z.B. kann sagen, das es sich erstaunlicherweise ziemlich bewährt hat, den Innerortsverbrauch als tatsächlichen Durchschnittsverbrauch anzunehmen & der NEFZ-Wert doch eigentlich sowieso nach “Fantasie”-Blümchenwelt ausschaut.

  3. Ich kann mich der Meinung von Andreas zum Teil anschließen. Auch bei mir ist esder Fall, dass bei alltäglichen Fahrten (2x75km/Tag) der Verbrauch in etwa dem Innerortsverbrauch laut NEFZ entspricht.
    Nichts desto trotz kann man die NEFZ-Werte nicht als falsch bezeichnen. Ich fahre einen Seat Leon 1.2 TSI (1P). Diese fahre ich wie gesagt zwischen Augsburg und Ingolstadt mit ca. 6,0-6,2 l/100km. In Berlin und Umland ist es allerdings auch möglich, den Wagen mit 4,8 l/100km zu bewegen. Zugegeben abends 10h und das über die A100 (?), aber durch das flache und langsame Streckenprofil schafft man es unter die NEFZ-Verbräuche.

    Natürlich, wird auch bei den Tests gemogelt, was das Zeugs hält – nicht mit Spalten abkleben für die Aerodynamik, aber mit wüsten Cockpitchoreografien, damit sich das Fahrzeug auf der Rolle bewegt oder bspw. das Nutzen der Konditionierungsfahrt, damit das Fahrzeug weis, dass es auf der Rolle steht. Alles schon miterlebt….

    Wie dem auch sei, ich versteh das Gemecker nicht. Gäbe es einen realistischeren Zyklus, dann würden die Fahrzeuge in der Realität genauso viel verbrauchen, wie sie es jetzt tun, nur dürften wir mehr Steuern zahlen (bei mir sinds aktuell nur 32€/Jahr) – von daher. Achja und die Fahrzeughersteller würden ihre Fahrzeuge auf den neuen Zyklus auch wieder optimieren – womit wir wieder beim Anfangsproblem wären. Und eine Frage bleibt unbeantwortet – wie sieht er denn aus, der realistische Fahrzyklus? 300km Autobahn mit 130/150/200 km/h?

    1. Ich sag ja, ich schaffe die NEFZ-Verbräuche auch. Ich meckere auch gar nicht, wollte nur mal aufzeigen wie der Wert ermittelt wird und das einige Fahrzeuge somit “schlechter abschneiden müssen”…

      1. Hallo Jens,

        Keine Sorge, die Aussage mit dem Meckern bezog sich nicht zwabgsweise auf deinen Text, da habe ich mixh wohl etwas verquer ausgedrückt. Viel mehr ist das ein allgegenwärtiges Problem. Ich finde es Klasse, dass du auch mal über so etwas informierst.

        Der vollständigkeit halberr sei nochmal gesagt, dass es vorher ja die Konditionierungsfahrt gibt und das Fahrzeug danach mind. 6-8h (so genau weis ich das schon garnicht mehr) abkühlen muss. Auch hat man in den seltensten Fällen die 20°C Umgevubgstemperatur, die für den Test vorgeschrieben sind.

        Wo ich mir aber nicht ganz sicher bin, ist der Punkt mit den Reifen. Ich bin der Meinung, dass der Hersteller die schlechteste Rad-Fahrzeug-Kombination wählen muss, die der Kunde kaufen kann. Das müsste ich aber nochmal in der Testvorschrift durchlesen. Oft sieht man ja jetzt auch unterschiedliche Verbrauchsangaben mit verschiedenen Reifen – bspw. bei Volvo.

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