In Wolfsburg brennt der Baum: Die Abgas-Affäre kann nun teuer werden!

Da feiert man in Deutschland die IAA 2015, feiert dort auch die Weltpremiere vom neuen VW Tiguan und von weiteren attraktiven Fahrzeugen und kommt trotzdem negativ in die Schlagzeilen. Damit hat man wohl nicht gerechnet, trotz positiven Um- und Absätzen rutscht die VW Aktie die Erfolgstreppe hinunter als gäbe es unten Freibier. Die Abgas-Affäre von Volkswagen!

Was ist eigentlich passiert? Die US-Umweltbehörde EPA hatte bereits am Freitag mitgeteilt,  dass Volkswagen eine Software entwickelt habe. Okay, das ist nichts ungewöhnliches, aber die Software hat es in sich. Das Steuergerät soll die Vorgaben zur Luftverschmutzung bei Tests erfüllen. Im normalen Betrieb aber nicht und genau das ist natürlich ein Problem.

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Stellt euch das so vor: Wird der Diagnose-Stecker eingesteckt, schreibt der Schüler nur noch Einsen, erfüllt also die Bestwerte. Ist der Stecker abgezogen, verschläft er auch schon mal und mogelt sich mit einem 3er Schnitt durch das Abitur. Die Vorschriften in den USA  wurden also umgangen, die Fahrzeuge stoßen scheinbar mehr Schadstoff aus als erlaubt und in den USA (was gar nicht so als Diesel-Land bekannt ist) sind es fast 500.000 Fahrzeuge die nun ein Update bekommen müssen. Neben den Kosten für die Rückrufe, neben den Kosten für das Softwareupdate (falls möglich) steht noch eine Strafe ins Haus.

Das kann teuer werden! Bis zu 18 Milliarden Euro könnten hier aufgerufen werden, selbst wenn man die Strafe minimiert, steht der Kursfall der VW Aktie ins Haus. Aktuell kann man hier von einem Minus von 17 % (Stand 21.09.2015) sprechen, wer hier auf fallende Kurse gesetzt hat, kann sich nun vermutlich einen Lamborghini kaufen.

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Ich gehe stark davon aus, dass dieses nun nur die Spitze des Eisberges war, da werden in Deutschland nun auch noch andere Automobil-Hersteller zittern, denn machen wir uns nichts vor, die gleichen Motoren kommen z.B. auch bei Audi zum Einsatz und ich könnte mir auch gut vorstellen, dass andere Hersteller (nicht nur aus Deutschland) auch schon auf die “eigentlich ja sehr clevere Idee” gekommen sind. Die software-seitige Erkennung der Test-Zyklen ist meines Wissens nach ein alter Hut, dass die Fahrzeuge manipuliert werden ist aber – für mich – neu.

Die amerikanische Umweltbehörde EPA führt nun eine Untersuchung wegen des Verstoßes gegen das Klimaschutzgesetz “Clean Air Act”. Das US-amerikanisches Gesetz zur Luftreinhaltung trat 1995 in Kraft. Aus der Geschichte nun positiv wieder herauszukommen, das dürfte auch ein Akt werden bei dem man viel Kraft benötigt. Das Image ist nun erst einmal angekratzt. Loben möchte ich allerdings die Reaktion von Dr. Martin Winterkorn, der tut meiner Meinung nach das einzig Richtige. Erst einmal entschuldigen, dann die Aufklärung beauftragen:

Erklärung des Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Professor Dr. Martin Winterkorn:

Die US-Behörden CARB und EPA haben die Öffentlichkeit in den USA darüber informiert, dass bei Abgastests an Fahr‎zeugen mit Dieselmotoren des Volkswagen Konzerns Manipulationen festgestellt worden sind und damit gegen amerikanische Umweltgesetze verstoßen worden ist.

Der Vorstand der Volkswagen AG nimmt die festgestellten Verstöße sehr ernst. Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben. Wir arbeiten mit den zuständigen Behörden offen und umfassend zusammen, um den Sachverhalt schnell und transparent vollumfänglich zu klären. Hierzu hat Volkswagen eine externe Untersuchung beauftragt. Klar ist: Volkswagen duldet keine Regel- oder Gesetzesverstöße jedweder Art.

Das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit ist und bleibt unser wichtigstes Gut. Wir bei Volkswagen werden alles daran setzen, das Vertrauen, das uns so viele Menschen schenken, vollständig wiederzugewinnen und dafür alles Erforderliche tun, um Schaden abzuwenden. Die Geschehnisse haben für uns im Vorstand und für mich ganz persönlich höchste Priorität.

Quelle: Pressemitteilung Volkswagen Deutschland

Machen wir uns nichts vor, mit dieser Geschichte wird auch an dem Stuhl von Dr. Martin Winterkorn gesägt, der Stuhl der ja bereits wackelte könnte nun noch ein Stuhlbein verlieren. Ich bin da übrigens gegen, ich würde bei einer Fussballmannschaft auch nicht den Trainer oder den Vorstand auswechseln, sondern diejenigen die nicht bereits sind alles zu geben. Ich glaube schon, dass Dr. Martin Winterkorn alles gibt, eventuell gibt er so viel, dass er nicht mehr alles mitbekommt. Ich bin gespannt wie es weiter geht, mit Herrn Dr. Martin Winterkorn und vor allem mit der Abgas-Affäre von Volkswagen.

Für diejenige die es verwundert, warum es bis dato hier noch nichts darüber zu lesen gab: Ich war nach der IAA auf der creme21 youngtimer rallye und habe das erst heute so richtig mitbekommen. Von daher werde ich diesen Beitrag in regelmäßigen Abständen updaten, denn ich habe noch um ein paar Stellungnahmen und Einschätzungen gebeten.

Meine besten Freunde von der Deutschen Umwelthilfe, dass sind die Kollegen die sagen, dass die Verbrauchswerte falsch sind, aber auf der anderen Seite darauf (auch gerichtlich) bestehen, dass die “falschen” Verbrauchswerte angegeben werden hauen natürlich wieder drauf.

DUH veröffentlicht dreiseitiges Originalschreiben der EPA – VW und Audi haben das Vorhandensein rechtswidriger Abschalteinrichtungen der Abgaskatalysatoren am 3.9.2015 gegenüber der EPA eingestanden – DUH kündigt schnelle gerichtliche Durchsetzung von Fahrverboten für schmutzige Diesel-PKW in deutschen Städten sowie den Widerruf von Typengenehmigung für Euro 6 Diesel-PKW mit erhöhten Abgasemissionen im Realbetrieb an.

Quelle: Presseportal

Welche Fahrzeuge sind von der Volkswagen Abgas-Affäre betroffen?

Wie man der nachfolgenden Liste entnehmen kann alle Fahrzeuge mit einem 2.0 Liter Diesel Aggregat. Somit also der VW Jetta, der VW Golf, der VW Beetle, das VW Beetle Cabriolet, der VW Passat und natürlich auch der Audi A3. Hier in Deutschland kommt der Motor auch noch in anderen Fahrzeugen zum Einsatz, die gibt es aber auf den amerikanischen Markt nicht, somit fallen die “dort” nicht ins Gewicht.

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Quelle: epa.gov

Update:

Natürlich habe ich direkt meine Ansprechpartner bei Audi kontaktiert und wollte eine Stellungnahme, man verwies mich hier allerdings darauf, dass dieses ein Konzern-Thema ist. Sprich, hier spricht der Konzernsprecher und zu welchem Konzern gehört Audi, Seat und Skoda? Natürlich zu Volkswagen! Lamborghini darf sich glücklich schätzen, wird hier doch (noch) nicht der 2.0 Liter Diesel verbaut und auch im Porsche kommt dieser nicht zum Einsatz.

Update (22.09.2015):

Alles viel schlimmer als gedacht? Die Aktie ist weiterhin im freien Fall und man munkelt sogar, dass Winterkorn bald seinen Platz räumen muss. Hier ist die offizielle Pressemitteilung von Volkswagen:

Volkswagen treibt die Aufklärung von Unregelmäßigkeiten einer verwendeten Software bei Diesel-Motoren mit Hochdruck voran. Die aktuell in der Europäischen Union angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb EU 6 aus dem Volkswagen Konzern erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen. Die beanstandete Software beeinflusst weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen. Somit besteht für Kunden und Händler Klarheit.

Weitere bisherige interne Prüfungen haben ergeben, dass die betreffende Steuerungssoftware auch in anderen Diesel-Fahrzeugen des Volkswagen Konzerns vorhanden ist. Bei der Mehrheit dieser Motoren hat die Software keinerlei Auswirkungen.

Auffällig sind Fahrzeuge mit Motoren vom Typ EA 189 mit einem Gesamtvolumen von weltweit rund elf Millionen Fahrzeugen. Ausschließlich bei diesem Motortyp wurde eine auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb festgestellt. Volkswagen arbeitet mit Hochdruck daran, diese Abweichungen mit technischen Maßnahmen zu beseitigen. Das Unternehmen steht dazu derzeit in Kontakt mit den zuständigen Behörden und dem Deutschen Kraftfahrtbundesamt.

Zur Abdeckung notwendiger Service-Maßnahmen und weiterer Anstrengungen, um das Vertrauen unserer Kunden zurück zu gewinnen, beabsichtigt Volkswagen, im 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres rund 6,5 Milliarden Euro ergebniswirksam zurückzustellen. Aufgrund der laufenden Untersuchungen unterliegt der angenommene Betrag Einschätzungsrisiken. Die Ergebnisziele des Konzerns für das Jahr 2015 werden entsprechend angepasst.

Volkswagen duldet keinerlei Gesetzesverstöße. Oberstes Ziel des Vorstands bleibt es, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen und Schaden von unseren Kunden abzuwenden. Der Konzern wird die Öffentlichkeit über den weiteren Fortgang der Ermittlungen fortlaufend und transparent informieren.

Update 23.09.2015 – Winterkorn ist zurückgetreten!

Das Präsidium des Aufsichtsrates der Volkswagen AG hat in seiner Sitzung am Mittwoch, 23.09.2015, die Vorgänge in Zusammenhang mit der Manipulation von Abgaswerten bei Dieselmotoren des VW Konzerns eingehend beraten und ist zu folgenden Feststellungen gelangt:

1. Das Präsidium nimmt die Vorgänge mit großer Betroffenheit zur Kenntnis. Seine Mitglieder sind sich nicht nur des eingetretenen wirtschaftlichen Schadens bewusst, sondern vor allen Dingen auch des Verlustes an Vertrauen bei vielen Kunden weltweit.

2. Die Mitglieder des Präsidiums sind sich darin einig, dass mit aller Entschlossenheit die Vorgänge aufgeklärt werden und dafür Sorge getragen wird, dass Verfehlungen geahndet werden. Zugleich sind die Mitglieder des Präsidiums entschlossen, dafür Sorge zu tragen, dass ein glaubwürdiger Neuanfang mit aller Entschiedenheit angepackt wird.

3. Mit großem Respekt haben die Mitglieder des Präsidiums das Angebot des Vorstandsvorsitzenden, Professor Dr. Martin Winterkorn, zur Kenntnis genommen, von seinem Amt zurückzutreten und um eine Aufhebung des Vertrages zu bitten. Die Mitglieder des Präsidiums stellen fest, dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten. Seine Bereitschaft, die Verantwortung zu übernehmen und damit ein deutliches Signal in das Unternehmen hinein und nach außen zu senden, wird von dem Präsidium mit größter Hochachtung zur Kenntnis genommen.

Herr Professor Dr. Winterkorn hat sich um Volkswagen unschätzbare Verdienste erworben. Mit seinem Namen ist der Aufstieg des Unternehmens zu einem Weltkonzern verbunden. Die Mitglieder des Präsidiums danken Herrn Professor Dr. Winterkorn für seine überragende Leistung in den vergangenen Jahrzehnten und für die Bereitschaft in der derzeit kritischen Situation Verantwortung zu übernehmen. Diese Einstellung ist beispielhaft.

4. Vorschläge zu personellen Neubesetzungen werden bis zur Sitzung des Aufsichtsrates am kommenden Freitag vorliegen.

5. Die Mitglieder des Präsidiums erwarten in den nächsten Tagen weitere personelle Konsequenzen. Die konzerninternen Untersuchungen laufen derzeit auf Hochtouren. Alle Beteiligten an diesen Vorgängen, die einen unermesslichen Schaden für Volkswagen angerichtet haben, werden mit aller Konsequenz belangt.

6. Die Mitglieder des Präsidiums haben beschlossen, durch das Unternehmen Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Braunschweig zu erheben. Es steht nach Ansicht des Präsidiums fest, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die auch strafrechtlich relevant sein können. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden seitens des Volkswagen Konzerns in aller Form unterstützt.

7. Die Mitglieder des Präsidiums schlagen dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG vor, einen Sonderausschuss zu bilden, unter dessen Leitung die weitere Aufklärung erfolgen wird sowie die notwendigen Konsequenzen vorbereitet werden. Der Sonderausschuss wird sich hierzu externer Beratung bedienen. Nähere Einzelheiten hierzu sollen in der Aufsichtsratssitzung am Freitag entschieden werden.

8. Den Mitgliedern des Präsidiums ist bewusst, dass es sich bei der Bewältigung der entstandenen Vertrauenskrise um eine längerfristige Aufgabe handelt, die hohe Konsequenz und einen langen Atem erfordert.

9. Die Mitglieder des Präsidiums werden sich gemeinsam mit der Belegschaft und dem Vorstand dieser Aufgabe engagiert stellen. Volkswagen ist ein großartiges Unternehmen, das auf der Leistung von hunderttausenden Menschen beruht. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, dass dieses Unternehmen in jeder Hinsicht wieder das Vertrauen seiner Kunden zurückgewinnt.

Erklärung von Prof. Dr. Martin Winterkorn:

Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.

Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.

Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei.

Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.

Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden.

Meiner Meinung nach geht da gerade der Falsche, aber meine Meinung zählt hier vermutlich nicht.

3 Kommentare zu “In Wolfsburg brennt der Baum: Die Abgas-Affäre kann nun teuer werden!

  1. Auf jeden Fall ein starkes Stück, dass sich VW da geleistet hat. Mich wundert ein wenig das diese “offensichtliche” Manipulation so spät aufgefallen ist. Ich meine man hat doch auch schon öfters von Software gehört die Leistungsprüfstände erkennt und dem Motor dann ein wenig mehr erlaubt. Im Prinzip dürfe dass bei der Abgasuntersuchung ähnlich sein.

    Bleibt für VW nur zu hoffen, dass die Strafe für VW geringer ausfällt als bisher kommuniziert. Das ach so wichtige Vertrauen der Kunden von dem Winterkorn spricht dürfte aber in jedem Falle einen deutlich Schäden genommen haben.

  2. “Lamborghini darf sich glücklich schätzen, wird hier doch (noch) nicht der 2.0 Liter Diesel verbaut und auch im Porsche kommt dieser nicht zum Einsatz.”

    Wer sagt denn, dass es nur Diesel triff ?!

    Einen DI-Benziner erkennt man doch bereits am Endrohr !
    (Wieso wohl ?)

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