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Wollen LKW Fahrer eigentlich Assistenzsysteme?

Ich habe gelernt: Hat man keine Ahnung, dann hält man einfach seine Klappe. Von LKWs habe ich keine Ahnung, nun habe ich aber dennoch darüber etwas geschrieben, aber ich denke es kam gut genug raus, dass es da draußen bessere Fachleute gibt, oder? Es ging ja um die neuen Assistenzsysteme, die kenne ich aus dem Automobil-Bereich und die werden nun nach oben skaliert.

Meinungen sind mir wichtig, vor allem Meinungen von Leuten die tagtäglich mit den Themen zu tun haben. Ich habe also ein paar (befreundete) LKW-Fahrer gebeten meinen Beitrag zu den LKW Assistenzsystemen zu lesen, das Video sich anzusehen und mir ein paar Fragen zu beantworten.

Den Anfang macht Sven Kempe, Sven kenne ich gefühlt (leider immer noch rein virtuell) seit Jahren und ich weiß natürlich, dass er LKW fährt. Also, hier sind meine Fragen und seine Antworten:

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Sven, erzähl mal: Seit wann fährst du LKW und vor allem was für ein LKW fährst du?

Ich fahre seit 2004 LKW, die meiste Zeit davon auf einem Wechselbrücken-Hängerzug mit Drehkranz.

Wechselbrücken kenne ich, die gab es damals auch schon. Was hat sich in den letzten Jahren im LKW Bereich verändert?

Technisch hat sich einiges getan. Saß man früher noch in einer kargen Hütte und hatte abends ein dickes Knie von der schwergängigen Kupplung und einen steifen Arm von der Doppel-H-Schaltung, fährt man heute in einer hochtechnisierten Kanzel. Getriebe vollautomatisch, Sitze komfortabler als im Pkw, und jede Menge technischer Schnickschnack.

Ich kann mich ja nicht reinversetzen, worüber ärgert man sich als LKW Fahrer am meisten?

Nervig ist das Deutsche Denken, dass Lkw-Fahrer von irgendwelchen Schmalspurhirnis im Verkehr gemaßregelt werden müssen, nur weil sie sich benachteiligt fühlen. Bei solchen Idioten mache ich immer in Bruchteilen von Sekunden eine gedankliche Pro&Contra-Liste, entscheide mich aber bisher immer für weniger Papier Krieg und für ein schadenfreies Weiterkommen der Pappnase. Aber mit jedem Male steigt die Wut auf solche für die am Straßenverkehr teilnehmenden und ungeeigneten Ochsen!

Also ich lasse ja LKW Fahrer immer hinein, aber erzähl doch mal: Was war dein schlimmstes Erlebnis mit dem LKW?

Ganz klassisch … Staunende und alles steht. Aber das kennt wohl jeder Fernfahrer, irgendwann erlebt auch der bis dato sicherste und besonnendste Fahrer den Sekundenschlaf. Bei mir ging übrigens alles gut, ich konnte mich auf letzter Rilke auf den Stand Streifen retten und war froh, dass der Deutsche zu egoistisch für die Bildung einer Rettungsgasse ist.

Dabei haben wir doch schön erklärt wie das funktioniert. Wie findest du als LKW-Fahrer die Assistenzsysteme aus meinem Video?

Also, ausweichen halte ich für extrem gefährlich! Der Computer kennt zwar bestenfalls die Achslasten, aber nicht den Schwerpunkt und auch nicht die Aggregatzustand der Ladung. Bei flüssiger Ladung oder bei loser Schätzung, genau wie auch bei Holztransporten ist das Ausweichen meist Auslöser für schwere Unfälle. Ich bin bei Assistenzsystem eh der Kritiker, denn je mehr Systeme für Entspannung sorgen, umso mehr verleitet es zum einen zu dämlichen Aktionen, und zum anderen schaltet man seinen Verstand ab. Ich fahre lieber Lkw ohne jegliches System, das hält wach und geistig fit!

Nun, der Assistent würde in dem Fall ja nur eingreifen, wenn der Fahrer nicht reagiert, dann das ganze vermutlich dennoch verbessern und hoffentlich Menschenleben retten. Welche Assistenzsysteme würdest du dir denn wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass mit dem Einschalten der NSL Pkw automatisch auf 50 km/h gedrosselt werden. Diese bei Regen Blender nerven gewaltig.

Oh ja, das kann ich nachvollziehen. Mit der eingeschalteten Nebelschlussleuchte darf man offiziell nicht schneller fahren als 50 km/h, auf der Autobahn muss man mindestens 80 km/h schnell sein. Folge: Mit eingeschalteter NSL – darf man nicht auf der Autobahn unterwegs sein. Das wäre wirklich etwas für die Liste der Assistenzsysteme. (Update von meinem persönlichen Wikipedia-Power-User: „Ähm, sorry, aber auf Autobahnen muss man technisch fähig sein, schneller als 60 km/h zu fahren. Bei Sichtweite bis 50m gilt auch auf Autobahnen Tempo 50!“) – wenn die mich dann aber mit eingeschalteter NSL bei Tempo 100 überholen machen die definitiv etwas verkehrt. 

Welche Frage möchtest du mir denn stellen?

Wie stehst Du zu Lkw, wenn diese Dich durch das Rangieren zum Anhalten nötigen?

Ich hab das im Video ja schon zum Ausdruck gebracht. Ich weiß die Arbeit der LKW Fahrer zu schätzen, ich lasse LKWs auch im Straßenverkehr immer einscheren – auch wenn ich dafür mir manches mal den Unmut der anderen PKW Fahrer zu ziehe. Wer selber mal LKW gefahren ist (bei mir war es nur ein 7,5 Tonner mit Anhänger), der kann das schon besser einschätzen. Also wenn ein LKW-Fahrer mal wenden muss und er hat mich hinter seinem Lastzug, dann kann er durchaus mit gutem Gewissen seine Arbeit vollenden, denn schließlich möchte ich auch morgen noch meine Waren bekommen.

2 Kommentare zu “Wollen LKW Fahrer eigentlich Assistenzsysteme?

  1. Schade, ich hatte mich nun wirklich auf eine Meinung gefreut, aber alles was ich lese ist die übliche Überheblichkeit langjährger Führerscheininhaber in der sich zwischen den Zeilen ergibt, solange sich die anderen Benehmen habe ich genug Erfahrung und brauche die ganze Technik nicht.
    Aber genau diese Einstellung führt doch erst dazu das es zu den massiven Unfällen kommt.
    Irgendwer, ob nun LKW,PKW oder Möpi macht einen Fehler. Dieser könnte ggf. durch eine elektronische Hilfe verhindert oder wenigstens abgemildert werden.
    Hier nun eine Aussage zu treffen, die in meinen Augen überheblich dumm ist, nämlich DER PKW Fahrer muss gemaßregelt werden zeigt einfach nur wie wenig sich der Aussagende tatsächlich um das wohl der anderen schert.
    Wenn der elektronische Helfer in der Lage ist auch nur ein einziges Leben zu retten macht er Sinn. Ob nun bei einem 10tkm/Jahr oder 300tkm/Jahr Fahrer.

    Aber anstatt sich einzugestehen Fehler zu machen und diesen auch mit Rückgrat zu begegnen wird lieber direkt die Schuld bei anderen gesucht. Hier könnte man auch einfach böswillig behaupten, hättest nen ordentlichen Job gemacht wäre die Rettungsgasse überflüssig gewesen.

    Ich bin jemand der seine Freiheit auf dem Möpi liebt, und ja, ich fahre auch gerne mal 300+ wenn es gefahrlos möglich ist, aber ich fahre auch lange genug um einschätzen zu können das locker 50% der Fahrer unkonzentriert im Straßenverkehr unterwegs sind. Genau aus diesem Grund bin ich auch davon überzeugt das eine elektronische Hilfe (Notbrems- Spurhalte, Nachtsicht-, und was sicher auch nicht mehr lange dauern wird ein virtuelles Cockpit) unbedingt notwendig sind, und zwar erst recht für Menschen die denken sie bräuchten sowas nicht.

  2. ich halte das ähnlich wie Jens mit den LKWs, wenn sich irgendwie die Möglichkeit ergibt dann gebe ich meistens den LKWS die Möglichkeit sei es zu rangieren, bei Fahrbahnverengung lass ich sie vor (auch wenn ich eig vorfahrt hätte). Vll liegts dran das ich auch in der Transportbranche tätig bin ;)

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