LKW-Fahrer damals und heute – Was hat sich verändert?

Hach, merkt ihr das? Ich habe richtig Bock auf das Thema. Nach dem Global-Press Event von ZF und der Fahrt mit dem Liebherr 1300-6.2 hatte ich ja Sven Kempe gefragt, ob LKW-Fahrer sich eigentlich Assistenzsysteme wünschen. Seine Antworten könnt ihr hier nach lesen. Heute spreche ich mit Maik Erdmann und auch da habe ich richtig Lust drauf, denn virtuell kenne ich Mail schon eine ganze Zeit lang und obwohl ich mit LKWs ja sonst nicht ganz so viel am Hut habe, lese ich in seinem Blog mit. Maik schreibt unter truckonline.de/blog und hat mir schnell ein paar Fragen beantwortet:

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Maik, wie lange bist du schon ein LKW-Fahrer?

Seit 25 Jahren. Die ersten anderthalb Jahre im Nahverkehr, danach ein Jahr als Militärkraftfahrer bei der Bundeswehr und seitdem im Fernverkehr.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Wo liegt der Unterschied zwischen LKW fahren „früher“ und heute?

Schon ziemlich viel. Angefangen habe ich auf einem Daimler mit 330 PS, der nicht mal einen luftgefederten Fahrersitz hatte. Da musste das Gewicht des Fahrers noch per Drehrad am Sitz eingestellt werden. Das Teil hatte weder Klimaanlage, noch Standheizung. Für das Lenkrad brauchte man lange Arme, so einen Durchmesser hatte das Ding.

Vergaß man im Winter die Luftkessel zu entwässern, fror die Bremsanlage ein. Und das sind nur einige Beispiele.

Also kein Vergleich zu heute. Da meine ich nicht mal die neuen aktuellen Assistenzsysteme. Nein, dass gesamte Arbeitsumfeld hat sich komplett verändert. Die meisten Fahrer und Fahrzeuge werden heute komplett überwacht. Ein Disponent sieht auf Knopfdruck, wo sich welches Fahrzeug befindet, der Arbeitgeber erhält sämtliche Daten des Lkw. Also z.B. die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit, den aktuellen Spritverbrauch, Leerlaufzeiten des Motors u.s.w.

Demnächst können Kontrollbeamte die aktuellen Fahrzeiten des Fahrers während des Vorbeifahrens an einem Lkw ablesen. Lkw oder auch Busse können dann gezielt kontrolliert werden.

Aber zurück zum Fahrzeug. Momentan fahre ich einen Scania mit V8-Motor. Euro6 natürlich. Selbst eine Standklima ist da obligatorisch. Um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Ich hatte es Sven auch schon gefragt, man kann sich als PKW Fahrer ja so schlecht hineinversetzen. Worüber ärgert man sich als LKW Fahrer am meisten?

Wo soll ich anfangen? Nein, kleiner Scherz. Natürlich gibt es Dinge, die mich stören. Wenn ich nach neun Stunden Fahrzeit keinen geeigneten Parkplatz finde. Eben weil der seit langen bekannte Mangel an Park- und Rastplätzen von der Politik schlichtweg verschlafen wurde. Oder wenn Brücken wegen Bauwerkschäden für den Schwerverkehr gesperrt werden müssen.
Schäden ist ein gutes Stichwort. Warum verlegt man nicht mehr Kurzzeitbaustellen in die Nachtstunden? Nicht jedes Schlagloch muss am Tag ausgebessert werden. In anderen Ländern klappt das besser. Aber gut, da werden die Autobahnen auch teilweise privat betrieben.

Über das Verhältnis zwischen Pkw und Lkw will ich mich hier nicht auslassen. Nur so viel. Es werden von allen Seiten Fehler begangen. Genauso wie es genügend Sturköppe gibt. Was aber viele vergessen: Der Verkehr auf den Straßen ist mittlerweile so dicht, dass es nur gemeinsam geht. Sich selber mal zurück nehmen oder über Fehler von anderen hinweg sehen, ist gar nicht so schwer. Und es schont die eigenen Nerven.

Ein guter Tipp, sich selber mal zurück nehmen, den sollten viele beherzigen. Sag mal, was war dein schlimmstes Erlebnis als LKW-Fahrer mit dem LKW?

Och nee. Warum fragst Du nicht nach schönen Erlebnissen? Also, ich wurde mal in einen Unfall verwickelt. Ist aber schon 18 Jahre her.

Ein Auto überholte mich auf schneebedeckter Fahrbahn, kam vor mir ins schleudern und blieb auf meiner Fahrspur stehen. Einige Sekunden später krachte es. Am Steuer eine junge Frau, gerade mal achtzehn. Sie hat es überlebt.

Das war auf der A7, nördlich von Hannover. Obwohl mich keine Schuld traf, hatte ich daran arg zu knabbern. Aber kommen wir zu den Assistenzsystemen, die ja auch so etwas verhindern sollen.

Na, die schönsten Erlebnisse kannst du mir ja beim nächsten Interview erzählen. Wie findest du die Assistenzsysteme aus meinem Video?

Schon heute sind in neu zugelassene Lkw eine elektronische Stabilitätskontrolle, automatische Notfallbremssysteme und Spurhalteassistenten Pflicht. Und zwar EU-weit. Das diese notwendig sind, liest und hört man beinahe täglich in diversen Medien. Du, Jens, wohnst und lebst an der A2, einer der unfallträchtigsten Autobahnen in Deutschland. Bist davon also auch betroffen. Zumindest indirekt.

Was ZF hier zeigt, ist ja bereits eine neue oder von mir aus auch nächste Stufe. Und da darf ich meinen „Vorinterviewer“ mal berichtigen: Der Hersteller verspricht, dass das System mit jedem Sattelzug bei allen Geschwindigkeiten, bei jedem Beladungszustand und mit jedem Auflieger ausweicht und den Lkw gleichzeitig bremst und stabilisiert.

Zumal das ausweichen nur auf eine freie Spur erfolgt. Eine Kollision mit dem Gegenverkehr ist demnach auch ausgeschlossen.

Ich finde diese Neuerungen prima und nützlich. Sie entlasten den Fahrer und retten Leben. Nur das zählt.

Ich finde die auch prima, mir geht es gar nicht um die Entlastung des Fahrers oder eine Bevormundung, mir geht es um das Thema Sicherheit und das kann man gar nicht hoch genug aufhängen. Welche Assistenzsysteme würdest du dir noch wünschen?

Einen wirkungsvollen Seitenabbiegeassistenten. Auch wenn es viele Fußgänger und Radfahrer nicht wahrhaben wollen, aber es gibt trotz zahlreicher Aussenspiegel noch immer einen „toten Winkel“. Ich glaube, Daimler entwickelt so etwas gerade. Nur habe ich keine Ahnung, wie weit die damit sind.

Stimmt, bei meinen Testrunden mit dem LKW, dem Kran und dem Linienbus ist mir das auch aufgefallen, der tote Winkel ist ein Thema was man unbedingt in den Griff bekommen muss, aber auch der Bereich direkt vor dem LKW, denn der LKW-Fahrer sitzt ja doch ein paar cm höher als im normalen PKW. Die letzte Frage gehört dir! Welche Frage möchtest du mir stellen?

Wann trinken wir endlich mal einen Kaffee zusammen?

Nie! Ich trinke doch keinen Kaffee und könnte allein aus dem Grund vermutlich nie in einer Agentur anfangen. Aber wenn du hier in der Nähe von Bielefeld bist und es zeitlich passt, lade ich dich gerne auf eine schöne kalte Cola ein, von mir aus auch auf einen Kaffee. Vielen Dank Maik für die Zeit die du dir genommen hast und allzeit gute Fahrt. 

2 Kommentare zu “LKW-Fahrer damals und heute – Was hat sich verändert?

  1. Was hier noch nicht erwähnt wurde, wir haben seit einiger Zeit den §21a im Arbeitszeitgesetz in dem besagt wird das wir insgesammt noch 8 Std (bzw. mit Überstunden 10) arbeiten dürfen. Find ich gut so. Weniger Stress längere Ruhezeit. Wenn das irgendwann auch mal praktisch durchgesetzt werden würde wäre das mal ne schöne Arbeitserleichterung. Aber viele disponieren immer noch als währen nur Lenk- und Ruhezeiten von 9 bzw. 10 Std. ausschlaggebend. Dh. die meisten arbeiten meist 10 bis 12 Std pro Tag, machen keinen Arbeitszeitausgleich nach spätestens 16 bzw 24 Wochen und lassen sich von ihren Chefs auf 40-Std-Basis bezahlen. Kommt man in ne Kontrolle, ist der Fahrer der Angeschissene. 12 Min Überschreitung laut Bußgeldkatalog 300€, jede weitere 6 min wieder 300€. Aber für solche Dinge interessieren sich unsere Medien eh nicht. Sonst gäb es kein Gründe mehr die Branche durch den Dreck zu ziehen.

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