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Fahren und Fahren lassen: Verkehr im Ausland

Der Urlaub ist vorbei und die Energiereserven wieder aufgeladen. Doch auch im Urlaub lässt mich das Thema Auto nicht los: Der Blick geht natürlich auch beim  Verkehr im Ausland immer auf die Straße und schaut, was sich so auf dem Weg tummelt. In diesem Jahr war es die Türkei – ja ja, jetzt werden manche aufschreien, wie man aktuell nur in dieses Land fahren kann. Aber darum geht es hier nicht. Sondern um Autos. Um das Fahren. Und um das Verhalten im Straßenverkehr. Denn wie so häufig gilt: Andere Länder, andere Sitten.

Die Türkei ist ein Land, in dem es heiß ist – das ist nicht neu. Und so verwundert es auch nicht, dass das Gros der Fahrzeuge mit weißem Lack überzogen ist. Klar, schließlich ziehen dunkle Farben besonders die Sonne an und lassen die Innenräume stärker heiß werden, als bei hellen Autos. So zumindest die Mär. Dass an diesem Punkt nicht viel dran ist, wurde schon mehrfach gezeigt. Und so liegt es auch nicht unbedingt am Klima, dass in der Türkei viele weiße Fahrzeuge unterwegs sind.

Vielmehr ist es die Vegetation, die die Käufer zur Wahl dieser Farbe veranlasst. Das Land ist oft staubig und trocken. Die Erklärung vieler Fahrer weißer Fahrzeuge: Man sieht den Dreck und vor allem Staub auf der „Nicht-Farbe“ schlicht nicht so stark, wie auf anderen Lacken. Außerdem ist weiß oftmals nicht mit einem Aufpreis belegt – schließlich ist die Käuferschaft in der Türkei größtenteils recht preissensibel.

So wundert es auch nicht, dass man ein Fahrzeugmodell besonders oft antrifft. Bei uns ist es nicht erhältlich, sondern war auf den Osten Europas bzw. Südeuropa und auf Südamerika beschränkt: Der Renault Symbol. Als Basis dient der Renault Clio, dem ein kleiner Rucksack angehängt wurde und den Kleinwagen damit zur Limousine machte. Warum aber ein anderer Name? Wieso nicht Clio Limousine. Die Antwort ist naheliegend: Mit einem bedeutungsschweren Namen soll das Fahrzeug eine Höherpositionierung erfahren und so einen höheren Preis rechtfertigen. Auch aktuell ist wieder ein Symbol unterwegs: Der Dacia Sandero ist als Limousine unter dem Markenzeichen Renaults im kontrovers diskutierten Land wiederzufinden.

Aber warum ausgerechnet eine Limousine? Nun, im Großteil des Auslands sind Limousinen schlicht beliebt. Klar, Deutschland ist Kombi-Land, aber das ist längst nicht überall so. Mit der klassischen Linienführung eines sogenannten „Sedan“ können sich die Käufer hinter unseren Landesgrenzen schlicht besser anfreunden, als wir. Meine Sache ist eine Limousine auch nur selten. Vor allem im Fall des Renault Symbol.

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Die Basis für den Renault Symbol Mietwagen: Der alte Renault Clio

Ich buchte einen Mietwagen und bekam ebenjene Kleinwagen-Limousine aus den französischen Landen. Der weiße Symbol hatte wackere 116.000 KM auf der Uhr, stammte etwa saus dem Jahr 2005 und wirkt auch sonst nicht sehr taufrisch. Ein Beifahrerairbag? Nur für eine höhere Ausstattung vorgesehen. Die Klimaanlage? Immerhin funktionstüchtig. Der allgemeine Zustand? Lieber nicht darüber nachdenken. Der deutsche TÜV hätte hier nur verhalten gelacht. Besonders spaßig wurde die magere (Sicherheits-)Ausstattung beim Fahren.

Der Verkehr im Ausland hat schließlich seine Tücken. So gibt es natürlich auch Vorfahrtsregeln in der Türkei. Aber interessieren sie jemanden? Nein. Und so kam es, wie es kommen musste, als ein Landwirt mit seinem Pritschenwagen aus einem uneinsehbaren Feldweg auf die Straße einbog: Ich musste zur Vollbremsung ansetzen. Die heruntergefahrenen Reifen gaben ihr Bestes, aber der Schreckmoment, in dem man merkt, dass man ohne ABS unterwegs ist, macht einen plötzlich wach. Glücklicherweise passierte nicht weiter, doch für die Weiterfahrt war man mit Vorsicht unterwegs.

Der Verkehr im Ausland erdet ungemein

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Einfach laufen lassen: Der Verkehr in der Türkei ist langsam, aber er fließt

Und so kommt es auch, dass man den Ratschlag der Einheimischen für voll nimmt: „Achte auf die Straßenschilder und richte dich danach!“. Der erste Gedanke: Naja, wird schon nicht so schlimm sein. Ein 70 Schild vor eine Kurve in Deutschland? Das nimmt man dann und wann als gut gemeinten Ratschlag. Aber in der Türkei? Man hält sich tatsächlich lieber daran. Eine Warnung vor Schlaglöchern nimmt man außerdem besser wahr und schaut besonders gut hin. Vor allem, da der Mietwagen aus allen Ecken ächzte und knackte. Zudem sind die Straßen nachts teilweise so dunkel, dass man sich selbst mit dem besten Licht vorkommt, wie mit einer Taschenlampe im All.

Der Verkehr im Ausland ist also immer wieder ein Abenteuer. Zweispurige Ampelkreuzungen werden gerne drei- oder vierspurig genutzt, der Standstreifen mitbefahren und die Lichthupe als freundliches Überholsignal genutzt – was übrigens auch in Deutschland erlaubt ist… Alles in allem war das Fahren aber viel entspannter als in unseren Gefilden. Die Teilnehmer sind viel relaxter und nicht so verbissen. Das Fahren gleicht keinem Kampf um jeden Millimeter, die linke Spur ist nicht auf Dauer gepachtet und alles immer locker im Fluss. Und die Beschränkung auf maximal 120 km/h kann sogar ganz entspannend wirken. Vor allem dann, wenn man froh ist, dass der Mietwagen seine 90 km/h gerade so erreicht.

Natürlich möchte ich unsere Autobahn ohne Tempolimit, was mittlerweile auch recht selten geworden ist, nicht missen. Doch der Verkehr im Ausland erdet einen. Dahingehend, dass man heute mit Autos unterwegs ist, die vollgestopft sind mit Technik, Sicherheit und Assistenz. Dahingehend, dass man nicht immer möglichst schnell von A nach B kommen muss. Und auch dahingehend, dass man seine Ellbogen im Straßenverkehr nicht stets abgespreizt haben muss. Also: Einfach locker bleiben.

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