Mercedes-Benz – Auf dem Prüfstand!

AIZ! Nein, das ist keine neue Deutsch-Rap-Gruppe und auch keine Abkürzung für eine neue Steuer oder ähnlich. Nein, hier geht es um das Antriebsintegrationszentrum in Sindelfingen. Im Mercedes-Technologie Centre gibt es nun noch moderne Prüfstände, die der Feinabstimmung der Antriebsstränge und deren Komponenten dienen. Die Prüfung geschieht hinsichtlich des Komforts und der Agilität und bezieht Situationen wie Lastwechsel, Vollgas-Schübe oder beispielsweise Hybrid-Motorstart mit ein. Wir haben uns die hochmodernen Prüfstände von Mercedes-Benz einmal genauer angesehen.

Neue Prüfstände für noch bessere Autos

Hauptaufgabe der neuen Prüfstände ist die Koordination aller Signale. Klingt nicht sehr aufschlussreich, stimmt. Im Einzelnen geht es darum, einen möglichst dynamischen und reibungslosen Motorenlauf zu gewährleisten, der heutzutage von vielen Faktoren abhängt. Dazu zählen Nebenaggregate genauso, wie die Motoren selbst. Zudem sollen die Fahrzeuge so wirtschaftlich, wie nur irgend möglich arbeiten und so immer weniger Emissionen ausstoßen. Dazu haben die Schwaben also die nächste Generation an Prüfständen entwickelt.

Die heiligen Hallen: Modernste Technik für moderne Fahrzeuge
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Und so sind die verschiedene Baugruppen und Elemente im Fahrzeug auch über die Prüfstände selbst steuerbar. Zündzeitpunkt, Einspritzmenge, der Zeitpunkt der Einspritzung, Drosselklappenstellung, die Turbinen-Geometrie des Turboladers und vieles mehr lässt sich einfach so von außen steuern. Auch die Getriebeeigenschaften oder etwas die Arbeitsweise des Allradantriebs können von hier gesteuert werden. Zu guter Letzt können selbst die Fahrassistenzsysteme geregelt und an viele Situationen angepasst werden.

Warum das Ganze?

Die Frage nach dem Warum lässt sich recht schnell beantworten: Die Variantenvielfalt steigt einfach sehr schnell. Dadurch ist es nicht mehr möglich die Fahrzeuge langwierigen Tests zu unterziehen, die bei verschiedenen Testern unterschiedliche Ergebnisse zu Tage bringen. Außerdem lassen sich bei Testfahrten nicht immer dieselben Bedingungen reproduzieren, wie etwa Nässe auf Asphalt oder bestimmte klimatische Bedingungen. Auf den neuen Prüfständen ist das indes sehr wohl möglich. Dennoch werden auch weiterhin Tests außerhalb der Halle durchgeführt. Das Messgerät bei der Fahrt: Das Popometer.

Insgesamt bauten die Stuttgarter zehn neue Prüfstände im neuen Mercedes-Benz Technologie Centre. Solch ein modernes Test-Centre benötigt natürlich viel Strom. Um aber nicht nur mit den Endprodukten – also den Fahrzeugen – sondern auch mit dem Gebäude selbst umweltfreundlich zu sein, wurden spezielle Verfahren entwickelt. So wird etwa die Bremsenergie der Prüfstände konsequent zurückgewonnen. Ganze 98 Prozent der Bremsenergie werden wieder in das Stromnetz eingespeist. Außerdem erfolgen zwei Drittel des Energiebedarfs für die Klimatisierung energieneutral.

Ganz ohne Menschen lässt sich ein Mercedes aber trotzdem nicht erproben
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Völlig von der Rolle

Auf den Prüfständen selbst fahren die Testfahrzeuge aber nicht mehr – wie gewohnt – über die Rolle. Stattdessen werden die Tests mit speziellen Radnaben durchgeführt, die direkt mit dem Prüfstand verbunden sind. So können Fahrtwiderstände und Straßenbedingungen besser dargestellt werden. Sogar die fiesesten Bedingungen können über die Prüfstandsnaben abgebildet werden, schließlich entwickeln die Prüfstände 270 kW Leistung und bis zu 4.000 Nm Kraft. Pro Rad, wohlgemerkt! Für die Kühlung stellten die Sindelfinger Windgebläse auf, die mit einem Wind von bis zu 180 km/h aufwarten.

Daneben gibt es aber auch Rollenprüfstande. Jene sind nicht von der gewöhnlichen Sorte, sondern verfügen über eine leistungsfähige Klimahöhenkammer. So können Antriebe unter den unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen im kompletten Fahrzeug getestet werden. Und die haben es wahrlich in sich: Von -30° Celsius bis zu maximal + 42°C lassen sich abbilden. Und auch Gebirgsfahrten lassen sich darstellen. In höheren Lagen ist die Luft schließlich recht „dünn“, was bedeutet, dass hier weniger Sauerstoff verfügbar ist. Die Folge: Die Motoren können weniger Kraftstoff verbrennen und sind nicht so leistungsfähig. Die Prüfstände können das simulieren, indem die Luft per Unterdruck herausgepumpt wird. Bis zu 250 Höhenmeter pro Minute saugt die Anlage ab und schafft es, Gebirge von einer maximalen Höhe von 5.000 Metern abzubilden. Dafür braucht es natürlich auch besondere Tore: Die Pforten zur Klimahöhenkammer sind genau 25 cm dick, da sie sonst dem möglichen Unterdruck nicht standhalten könnten.

Auf den insgesamt zehn Fahrzeugprüfständen findet unter anderem die Feinabstimmung von Motor und Getriebe statt – Komfort, Dynamik und Agilität werden aufeinander abgestimmt.
Bis zu 180 km/h Fahrtwind lassen sich darstellen – allerdings nicht für dieses Foto

Rock around the clock

Getestet wird übrigens rund um die Uhr. Mögliche machen es automatisierte Prüfständen. Damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen kann man lange und ausgiebig testen und zum anderen muss man die Ingenieure und Mitarbeiter den starken Temperaturschwankungen nicht aussetzen. So werden die Autos von außen elektronisch angesteuert. Im Klartext: Beschleunigung, Verzögerung, Gänge wechseln – alles läuft hier von selbst ab. Die Tester sitzen außerhalb des Prüfstands an einer Art Mischpult und messen mit den neuesten Tools. Sogar eine automatisierte Betankung gibt es. Das hätte ich an meinem Auto auch gern.