Honda HR-V Fahrbericht – Die Nagelprobe

SUV, SUV und nochmal SUV. Wo man nicht hinsieht nur SUV. Und dann auch noch in allen Größen. Honda ist in diesem Bereich eigentlich ein alter Hase, wenn man an die lange Historie des CR-V zurückdenkt. Um jenen geht es aber nicht, sondern um seinen kleinen Bruder, den Honda HR-V. Was kann das B-SUV mit seinem 1.6 Liter Diesel mit 120 PS im Alltag?

Design – Zurückhaltung mit Pfiff

SUV? Ja! Auf den ersten Blick kann man dem Honda HR-V attestieren, dass er in diese Kategorie passt. Ein hoher Aufbau, Kunststoffbeplankung rundum und bauchige Radhäuser: Allesamt Zutaten, wie sie im Handbuch des SUV-Baus zu finden sind. Gerade der hohe Aufbau hat den Vorteil, dass man entspannt in den Honda HR-V einsteigen kann. Dazu aber mehr im Innenraum-Kapitel.

Äußerlich gibt sich der Honda HR-V dynamisch

Außer seines SUV-Looks wirkt der Japaner der aktuellen Honda-Linie entsprechend und ist damit durchaus etwas anders, etwas spezieller und eigenständiger, als man sich ein B-SUV unbedingt vorstellen würde. Die Front wirkt etwas zerklüftet, aber massiv. Dieses Gefühl unterstützt besonders der schwarze Kühlergrill mit seiner wenig filigranen Chrom-Strebe. Auffällig auch, dass F-H 1609 mit gewöhnlichen Halogenscheinwerfern vorfuhr und nicht über die optionalen LED-Scheinwerfer verfügte. Sie bieten nachts nicht nur eine wesentlich bessere Lichtausbeute – nicht, dass die Serienlichtanlage schlecht wäre – und schärfen den Blick des Honda HR-V ungemein.

Beim Betrachten der Seitenpartie gibt es den „Sowohl-als-Auch-Effekt“. Zum einen wirkt der Japaner hier wieder recht massiv und schuldet diesen Eindruck dem kleinen Greenhouse. Zum anderen wird die Massivität vom vorderen Kotflügelschwung und der dynamisch ansteigenden Hüftlinie aufgelockert. Schade nur, dass die 16-Zoll-Leichtmetallfelgen (Serie) recht verloren wirken. Die 17-Zoll-Felgen der höheren Ausstattungsvarianten passen da schon besser, die stets optionalen 18-Zoll-Felgen am besten.

Überrascht ist man als Unwissender, wenn man nach den hinteren Türen sucht. “Da sind ganz eindeutig Türfugen, aber wo ist der Griff?” Wer den Blick in Richtung der C-Säule richtet, wird diese schließlich finden. Ein Trick, der allerdings nicht zum ersten Mal in der Geschichte des Automobil-Designs aufgegriffen wurde. Und auch nicht bei Honda: Wer sich an den Honda Civic (BJ 2005 – 2011, Modellreihe FK/FN) erinnert, weiß wovon die Rede ist.

An der flächigen Front sticht das Markenzeichen selbstbewusst hervor

Am Heck zeigt sich der Japaner wiederum unauffällig, aber durchaus gefällig. Ein Dachspoiler überdacht die kleine Heckschieie und sorgt so für einen leicht sportlichen Eindruck. Überraschend sind hier die Rückleuchten, die für ein Fahrzeug dieser Kategorie recht groß ausfallen.

Innenraum – Klipp-Klapp, Sitze flach

Groß ist noch etwas: Die Überraschung, wenn man einsteigt. Man erwartet, dass man SUV-typisch hoch sitzt. Doch stürzt man beim Einsteigen etwas in den Sitz und ist zunächst verwundert. Natürlich kann man eine hohe Sitzposition einstellen (nur der Fahrersitz ist höhenverstellbar), dann aber ist die Sitzposition beim Fahren nicht optimal. Ohnehin ist dies ein Problem für großgewachsene Fahrer: Sitzt man hoch, müssen die Beine stark angewinkelt werden, man erreicht das Lenkrad dafür aber gut. Sitzt man tief, ist das Lenkrad zu weit entfernt. Ein Teufelskreis.

Geschuldet ist dies dem, für sich genommen, äußerst cleveren Sitzkonzept. Im Honda HR-V ist der Kraftstofftank unter den Vordersitzen installiert und bedingt damit eine gewisse Kompromissbereitschaft bei den vorn Sitzenden. Zumal diese oftmals mit den Hacken an den Kanten des Tanks anstoßen, wenn die Vordersitze weit zurückgeschoben sind. Andererseits ergibt sich hierdurch ein sehr variabler Laderaum. Anfänglich glaubt man, dass die Rücksitzlehne – wie man es von den meisten anderen Fahrzeugen gewohnt ist – ausschließlich im Verhältnis von 40/60 teilbar ist. Und auch das wäre kein Beinbruch, da der Laderaum bei umgeklappten Sitzlehnen eben und groß ist. Maximal stehen 1.533 Liter bereit. Werden alle fünf Plätze genutzt, stehen immer noch 431Liter bereit, was für diese Fahrzeugkategorie ein guter Wert ist.

Worin aber liegt der Clou? Durch die Neupositionierung des Tanks entstand Raum unter den Rücksitzen und dieser lässt sich sehr praktisch nutzen. Einfach die Sitzfläche hochklappen und mit der Stütze arretieren, schon ergibt sich ein weiteres Ladeabteil für Sperriges. Das ist besonders für solche Gegenstände sinnvoll, die stehend befördert werden müssen, wie etwa Topfpflanzen. So wird der Honda HR-V zum beliebten Begleiter, wenn es am Samstagmittag zum schwedischen Möbeldiscounter gehen soll.

Ansehnliches und übersichtliches Cockpit mit ein paar Bedienungseigenheiten

Den Weg dahin kennt natürlich das Infotainmentsystem. Grundsätzlich gibt es nicht viel am Gerät auszusetzen. Das immer wiederkehrende Bestätigen der Warnung, dass man nur in sicheren Verkehrssituationen damit hantieren soll, ist zwar löblich, aber mit jedem erneuten Dreh des Zündschlüssels lästig. Außerdem ist der Verzicht auf den Drehregler für die Lautstärke nicht der Weisheit letzter Schluss, das hat jüngst auch Volkswagen über sein neues 9,2-Zoll-Infotainment-System zu hören bekommen.

Fahreindrücke – Ein Diesel, daran besteht kein Zweifel

Hören ist überhaupt ein gutes Stichwort. Sobald man den 1.6 D-CT zündet bleiben über die Antriebsart nur wenig Fragen: Hier werkelt ein Diesel. Der Selbstzünder ist per se kein rauer Geselle, könnte aber besser gedämmt sein. Dafür weiß er mit anderen Talenten zu überzeugen, wie etwa mit seiner Power. Als Leistungsoutput gibt Honda 92 kW/120 PS an, die sich beim Einsetzen des maximalen Drehmoments allerdings weitaus kräftiger anfühlen. Bei relativ späten 2.000 U/min stehen satte 300 Nm parat, es den 215/60R16 Michelin-Pneus so richtig zu zeigen. Diese neigen beim forschen Krafteinsatz zum Durchrutschen und rufen die sanftmütige Traktionskontrolle auf den Plan. Ein Umstand, der mit den 17-Zoll-Felgen und der entsprechenden Bereifung eventuell nicht auftreten würde.

Das schnörkellose Heck gibt keinen Hinweis auf den Diesel – nicht einmal ein Endrohr

Dennoch tut dies dem Fahrspaß nur wenig Abbruch. Man ertappt sich dann und wann bei einem zügigen Zwischenspurt und flippert die sechs Gassen des knackigen Schaltgetriebes durch. Dabei freut man sich besonders über den kurzen Schaltknauf, den man sich auch gut im Honda S2000 vorstellen könnte. Anders als in diesem sind die Schaltwege im Honda HR-V allerdings eine Spur zu lang. Schwamm drüber, da der wirklich akzeptable Verbrauch des Japaners mehr als entschädigt. Im Testzeitraum stellte sich ein Konsum mit einer Sechs vor dem Komma ein – einer durchweg niedrigen Sechs! Bei konstanter Fahrt auf der Autobahn im Bereich zwischen 120 und 140 sind zwischen 4,5 und 4,7 Liter kein Problem – beachtlich! Zumal der Honda HR-V kein verschlafenes Kerlchen ist, sondern durchaus zügig bewegt werden kann. Den Spurt auf 100 km/h absolviert man in 10,2 Sekunden und ist mit 192 km/h auch nicht zu langsam für die linke Spur.

Die 16-Zoll-Bereifung mit ihrem breiten Querschnitt ist dem Fahrkomfort zuträglich – der Optik weniger

Insgesamt ist der Honda HR-V mit dieser Auslegung ein guter Reisewagen, der Reichweiten von über 800 km zur Regel werden lässt. Was braucht es sonst noch für eine Langstrecke? Guten Komfort! Und den bietet der Japaner. Angenehmerweise wurde die Feder-Dämpfer-Abstimmung so gewählt, dass man zwar mitbekommt, was unter einem passiert, doch in dem Maß, dass Störendes herausgefiltert wird. Taumelig oder schaukelig ist der Honda HR-V dadurch aber keineswegs. Unterstützung findet man bei der komfortabel ausgelegten Lenkung. Sie gibt sich weder zu leichtgängig, noch zu schwerfällig, könnte aber eine Spur direkter sein.

Fazit – Nicht der Klassenprimus, aber eine Alternative

Deutlich vernehmbarer, aber kräftiger 1.6 Liter Diesel

Der Honda HR-V ist kein gewöhnliches SUV. Nein, er entzieht sich – was das Fahren angeht – dem Trend der dynamischen Härte. Und das schadet ihm nicht, sondern macht ihn zum gern gewählten Begleiter im ohnehin schon stressigen Alltag. Hier möchte man nicht ständig von einem harten Fahrwerk zusätzlich genervt werden, oder? Entsprechend gibt sich der Honda zuvorkommend. Das lässt sich auch über das clevere Sitz- und Laderaumkonzept sagen, das den Großeinkauf im Möbelmarkt nicht scheuen muss. Konzeptionell ergeben sich daraus ein paar kleine Schwächen, wie etwas das Finden einer guten Sitzposition. Preislich zeigt sich der Honda HR-V nicht gerade als Schnäppchen, passt mit seinen 20.390 Euro aber gut, zumal die Ausstattung mehr als nur den Standard bereithält.