Volkswagen holte sich den Rekord: Pikes Peak Hill Climb 2018

Von Deutschland (Bielefeld)  nach Colorado (USA) zum Pikes Peak Rennen ist es eine Distanz von ca. 8.000 km. Das sogenannte Race to the clouds ist aber nicht nur deswegen interessant, sondern weil es bereits seit 1916 ausgetragen wird. Die Rennstrecke ist 19,99 km lang (12,42 Meilen) und umfasst exakt 156 Kurven.

Volkswagen holt sich Elektroauto-Rekord - Pikes Peak Hill Climb 2018

Pikes Peak 2018, auf Höhe der Startlinie war es zum Rennstart (es starten die Motorradfahrer als erstes) leicht bewölkt mit einer Temperatur von 62 Fahrenheit – umgerechnet ca. 16,66 Grad Celcius. Der Wind kam hier aus dem Westen mit einer Geschwindigkeit von 4 mph, sprich – Wind aus dem Westen 4 mph (6,43 km/h). Die Startlinie liegt auf einer Höhe von 2.8662 Meter.

Volkswagen holt sich Elektroauto-Rekord - Pikes Peak Hill Climb 2018

Auf der Höhe vom Ziel, die Motorräder, Quads und Autos überwinden 1439 Höhenmeter auf dem Weg nach oben) haben wir eine Temperatur von 35 Fahrenheit, das sind 1,66 Grad Celcius. Der Wind kam beim Pikes Peak International Hill Climb 2018 Ziel, also oben auf dem Gipfel, aus Süd-Südost mit einer Geschwindigkeit von 20 mph – umgerechnet also 32,18 km/h.

Volkswagen holt sich Elektroauto-Rekord - Pikes Peak Hill Climb 2018

The Summit (der Gipfel) liegt auf 4.301 Meter, dort verlieren die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gut 30% der Leistung, da die Luft dort oben so dünn ist. Ein gutes Feld also für Elektrofahrzeuge, denn die brauchen keinen Sauerstoff für den Vortrieb. Elektroautos wiegen zwar mehr, machen aber diesen Nachteil durch die Unabhängigkeit vom Sauerstoffgehalt wieder wett.

Da Elektrofahrzeuge keinen Krach erzeugen, fuhren diese mit Soundgeneratoren zu den Wolken, der Rennwagen von Volkswagen hatte z.B. eine Polizeisirene verbaut. Das hat man vor allem installiert, damit die Wildtiere nicht auf die Straße rennen, aber natürlich auch um die Rennstrecken-Mitarbeiter und die Medienvertreter vor Ort nicht zu überraschen. Allein Volkswagen hat 130 Medienvertreter zum Pikes Peak gebracht, so vermeldetete es der offizielle Streaming-Anbieter Matchsports beim Live-Stream den ich für 4,99 $ aktiviert hatte um mir die Rekordfahrt anzusehen.

Ich habe mich vor allem auf die Rekordfahrt vom 500 kW (680 PS) starken Volkswagen I.D. Pikes Peak gefreut und das obwohl ich ihn selbst zuvor noch nicht einmal gesehen habe. Ich habe die Vorberichterstattung verfolgt und das Fahrzeug hat mich gefesselt. Der I.D. Pikes Peak ist angetreten um den Rekord für Elektrofahrzeuge einzustellen, der bis zum Pikes Peak Hill Climb 2018 bei 8:57,118 Minuten stand. Romain Dumas überzeugte beim 96. Climb to the Clouds und startete direkt als erster. Beim Qualifing werden nur 8,3 Kilometer der Komplettdistanz gefahren. 64 Teilnehmer starteten und Romain Dumas sicherte sich mit einer Zeit von 3:16,083 Minuten die “Pole Position” übrigens vor zwei weiteren Rennfahrer aus Europa und das obwohl Bergrennen hier eher eine Sprintdistanz haben. Der Hill Climb in Colorado dürfte ca. 6 fach länger sein als klassische Bergrennen hier in Europa. Wie schon erwähnt ist der Pikes Peak Hill Climb etwas ganz besonderes.

Kommen wir noch einmal zu den Grundvoraussetzungen. Der Pikes Peak findet nicht auf einer Rennstrecke statt, es sind ganz normale Straßen. Diese werden nur am Rennsonntag für die Veranstaltung gesperrt. Sprich: Man kann hier nicht einfach mal so trainieren. Man munkelt auch, dass nicht nur der Sonnenaufgang dort oben atemberaubend sei, sondern auch die Tatsache, dass man oben durch die Wolken fährt.

Wie bei jedem Rennen gibt es auch beim Pikes Peak International Hill Climb den Sicherheits-Check. Es werden die Überrollkäfige, das Gewicht und vieles weitere was der Sicherheit dient kontrolliert. Wer den Test nicht schafft, bekommt keinen Aufkleber und darf noch mal nachbessern, klappt das nicht, dann wird nicht gestartet. Der Volkswagen I.D. Pikes Peak hatte kine Probleme bei der Abnahme. Nach dem Sicherheitscheck werden die Transponder angebracht. Die Transponder sind notwendig für die exakte Zeitnahme.

Man kennt die von allen Renn- und Teststrecken. Es gibt bei diesem Bergrennen allerdings einen großen Unterschied zu den Rundrennen: Man hat nur einen Versuch! Wenn man z.B. bei einem 24h Rennen nach einem Fehler oder einem Problem noch viele weitere Stunden hat, hat man hier nur den einen Versuch, geht der in die Hose, kann man wieder ein Jahr warten und unter diesem Druck muss man den Berg bezwingen, der wirklich atemberaubend aussieht.

Pikes Peak Hill Climb 2018 Rekord: 7:57.148

Atemberaubend muss es auch für Romain Dumas gewesen sein, er bezwang mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 90.538 mph in 7:57.148 in dem Volkswagen I.D. Pikes Peak und holte sich somit den Rekord. Der Helikopter vom Livestream hatte Schwierigkeiten den Rekordjäger zu folgen. Er hat nun also nicht nur den Elektro-Auto-Rekord eingestellt, sondern auch den Rekord von Sébastien Loebs Rekordfahrt. Er fuhr damals auf einem Peugeot 208 T16 Pikes Peak, wobei er die vorherige Bestzeit mit 8:13.878 min einfuhr. Sprich fünf Jahre später fuhr Romain Dumas 15 Sekunden schneller als Sébastien Loeb. Ein guter Beweis, dass Elektromobilität im Rennsport durchaus Sinn macht.

Der schnellste Elektrowagen der den Pikes Peak bezwungen hat ist nun also der Volkswagen I.D. Pikes Peak. Die Startnummer 94 brachte ihm wohl Glück. Das Fahrzeug welches zunächst als kleines Modell, anschließend im Maßstab 1:2 überzeugen musste. Über 2.000 Teile kamen für das Modell aus dem 3D-Drucker. Nichts sollte dem Zufall überlassen sein und man arbeitete unter hohem Zeitdruck und konnte zum Schluss sich auch auf die große VW-Familie verlassen, denn zuletzt war der VW I.D. Pikes Peak im Windkanal von Porsche zur abschließenden Abstimmung. Die Mühen haben sich gelohnt und ich freue mich, den VW I.D. Pikes Peak demnächst auch mal selbst zu sehen, eventuell klappt das ja beim Goodwood Festival of Speed 2018.

Bedeutet das nun den Durchbruch der Elektromobilität?

Natürlich nicht, zum einen wurde der Volkswagen I.D. Pikes Peak nun wirklich nicht mit “sauberen Strom” geladen, zum anderen konnte er auch nicht so rekuperieren wie ein normales Elektrofahrzeug. Man munkelt, dass der IDPP ca. 15-18% rekuperieren konnte. Das Fahrzeug war so abgestimmt, dass Romain Dumas ihn wie ein normalen Rennwagen fahren konnte. Sprich Vollgas, Bremsen, Anker werfen, einlenken, rum um die enge Kurve und wieder drauf aufs Gaspedal (Elektropedal). Hier spielte man die Vorteile der Elektromobilität in Sachen Drehmoment und fehlende Zugkraftunterbrechung natürlich komplett aus, ließ aber alles was für Otto Normal wichtig ist weg: Reichweite, sauberer Strom und natürlich auch der Kostenrahmen, denn der I.D. Pikes Peak dürfte unbezahlbar sein – und ich glaube keiner von uns wird jemals den Pikes Peak in unter 8 Minuten hochfahren wollen.

Bei den Motorradfahrern holte sich Carlin Dunne mit einer Zeit von 9:59.102 die Topplatzierung auf seiner 2018er Ducati MTS-1260 Pikes Peak. Schöne Grüße gehen auch raus an unsere Deutsche Lucy Glöckner, die sich in der Rockie-Wertung in der PP-Heavyweight Klasse mit einer 10:21.932 sehr gut schlug. Sie fuhr auf einer 2015 BMW S 1000 R.

Fotos: © Volkswagen 2018

Anzeige|Werbung