Puh. Ich lese viele Pressemitteilungen. Viiiele. Mehr als gesund ist. Nicht aus Lust, sondern aus journalistischer Notwendigkeit. Und jedes Mal hoffe ich: Vielleicht ist heute eine dabei, die einfach nur sagt, worum’s geht. Technisch, nüchtern, informativ. Stattdessen krieg ich wieder diese synthetisch parfümierte Textsoße serviert, die irgendwo zwischen LinkedIn-Coaching-Motivation und Influencer-Zitatwand pendelt.
Und man hört sie schreien, diese Texte – nicht wegen ihrer Botschaft, sondern weil sie mit aller Macht versuchen, nicht wie von einer KI geschrieben zu wirken. Spoiler: Es klappt nicht. Es ist ein literarischer Zirkus, bei dem jeder Satz eine Pirouette dreht, bevor er rückwärts in ein Meer aus Buzzwords plumpst.
Gedankenstriche?
Oh, Gedankenstriche haben wir. Ganze Armeen! Da wird unterbrochen, gestottert, gezögert, als hätte der Text eine Panikattacke – nach jedem zweiten Halbsatz! Und dabei wollte der Leser doch nur wissen, ob das Ding jetzt 350 oder 400 Kilometer Reichweite hat. Stattdessen bekommt man das schriftliche Äquivalent eines Menschen, der beim Sprechen ständig „äh“ sagt, aber in hübscher Typografie.
Was ist der verdammte Plan? Man möchte Menschen erreichen. Mit Informationen. Über ein Produkt! Aber statt Klartext gibt’s den Versuch, eine Brochüre wie ein Gedichtband klingen zu lassen. Die KI wurde offensichtlich darauf trainiert, aus jedem USB-Anschluss ein Gefühl zu machen.
Aus „Das Auto lädt in 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent State of Charge“ wird dann sowas wie:
„In nur einem Augenblick, fast so schnell wie ein Gedanke fliegt, ist die Energie zurück – bereit, das nächste Abenteuer zu starten.“
HALLO?! Ich wollte keine Pilcher-Verfilmung! Ich wollte Daten!
Und dann kommt das Sahnehäubchen: Irgendein armer Mensch muss diesen KI-Text nehmen, redigieren, und dann nochmal durch den Konjunktiv ziehen. Sicherheitshalber, weil niemand mehr Verantwortung übernehmen will für eine Aussage, die eventuell vielleicht unter gewissen Bedingungen auch einfach mal zutreffen könnte.
Am Ende steht da ein Text, der sich so sehr bemüht, niemandem auf die Füße zu treten, dass er sich rückwärts aus der Aussage windet wie ein PR-Ninja im Schleudergang.
Ich sag’s euch: Diese Pressemitteilungen sind nicht mehr für Menschen gemacht, die was wissen wollen . Sie sind für Vorstände geschrieben, die nach dem zweiten Absatz nicken und sagen: „Klingt innovativ.“ Aber klingt halt nur so und ich lege noch mal einen drauf: Der Informationsgehalt ist durch die KI-Waschmaschine mit extra viel Weichspüler so gering, aus den guten alten Pressemitteilung wird ein 1A-Marketing-Text.
Inhalt in Pressemitteilungen? Fehlanzeige.
Und ja, ich weiß schon: Vielleicht bin ich der Letzte, der sich noch über sowas aufregt. Der letzte Trottel, der sich nicht mit einem hübsch formulierten Text zufrieden gibt, wenn darin keine verlässliche Zahl, keine präzise Info und kein verdammter Mehrwert steckt. Vielleicht – vielleicht vielleicht – ist das heute zu viel verlangt. Vielleicht bin ich da auch einfach allein.
Allein allein.
Durch ein Facebook-Posting (ich alter Boomer) habe ich übrigens festgestellt: Bin ich nicht! Und auch die Kollegen Jan und Eckart, Eckart und Jan vom AusfahrtTV Podcast geben mir da durchaus Recht, doch hört da doch einmal selber rein, relativ am Ende wird das Thema noch einmal angesprochen!
P.S.: Das Vorschaubild hab ich natürlich mit KI gemacht. Ich hab einfach den Text reingeschmissen und gesagt: „Mach mir ein Bild dazu, das so nichtssagend ist wie die Pressemitteilung und selbst da hat sie verkackt…“
