E-408 Facelift Test-Video - Fremdgefahren!E-408 Facelift Test-Video - Fremdgefahren!

Also eines muss man Peugeot ja nun wirklich lassen, die Franzosen trauen sich was. Während viele Hersteller ihre Elektroautos möglichst stromlinienförmig in bekannte Konzepte pressen, kommt da plötzlich ein Peugeot E-408 um die Ecke, der einfach mal alles ein bisschen anders macht. Limousine? Nicht wirklich. SUV? Auch nicht. Kombi? Schon gar nicht. Irgendwo dazwischen, und genau das macht ihn spannend und ich bin den Vorgänger gefahren und war sehr positiv vom geringen Verbrauch angetan.

Und bevor hier jemand fragt: Nein, ich bin den neuen E-408 selbst noch nicht gefahren. Neu? Na gut, Facelift! Ich habe mir stattdessen sehr ausführlich das Video von „einfach elektrisch“ angesehen und mich darauf basierend durch den dazugehörigen Artikel gearbeitet. Mein Eindruck entsteht also aus genau dieser Perspektive, ein Blick in den Rückspiegel im wahrsten Sinne, mit etwas Abstand, aber durchaus mit einem kritischen Auge auf das, was dort gezeigt und erzählt wird. Überspitzt könnte ich auch sagen: Ich hab heute mal einen fahren lassen, genauer gesagt Oliver Bornemann und Steffen Völkerling von einfach elektrisch:

Ein erster Eindruck? Den gab es im Video rund um Marseille. Also einmal quer durch Südfrankreich, vorbei an Flughafen, Schnellstraße und Küstenabschnitten. Kein klassischer Roadtrip, eher ein komprimierter Blick auf das, was der E-408 kann und was eben auch nicht.

Ein Franzose mit Haltung?!

Optisch muss man schon sagen: Der E-408 hat Charakter. Die Front mit dem beleuchteten Peugeot-Logo, die markanten LED-Tagfahrlichter, das zieht sich durch bis zum Heck, wo die Rückleuchten und der Schriftzug für einen ziemlich selbstbewussten Auftritt sorgen.

Die Silhouette ist das, worüber man spricht. Flach abfallende Dachlinie, leicht erhöhte Karosserie, große Heckklappe. Das ist kein Auto für Menschen, die einfach nur von A nach B wollen, sondern für diejenigen, die bewusst etwas anderes fahren möchten. Ich mag sowas. Auch wenn ich genau weiß, dass diese Bauform hinten ihren Preis hat.

Wo ich gerade beim Heck bin…

Das Heck ist beim E-408 nicht nur optisch gelungen, sondern auch praktisch. 468 Liter Kofferraumvolumen stehen zur Verfügung, bei umgelegten Sitzen sind es bis zu 1.542 Liter. Das ist ordentlich und macht den Franzosen durchaus familientauglich.

Die große Heckklappe öffnet elektrisch, der Ladeboden ist variabel, es gibt eine Durchlademöglichkeit und sogar eine 12-Volt-Steckdose im Kofferraum. Also alles da, was man im Alltag braucht.

Was fehlt? Ein Frunk. Gerade bei einem Elektroauto hätte man vorne ruhig noch Platz für das Ladekabel schaffen können. Denn wer schon mal bei Regen ein schmutziges Kabel im Kofferraum verstaut hat, weiß genau, warum das sinnvoll gewesen wäre.

Der große Wermutstropfen?

Kommen wir zu dem Punkt, der sich sowohl im Video als auch im Artikel immer wieder durchzieht: der Akku. 58,2 kWh netto. Für ein Auto mit 4,68 Meter Länge. Für ein Auto, das sich optisch und vom Komfort her ganz klar Richtung Langstrecke orientiert. Das passt irgendwie nicht ganz zusammen.

Ja, im Alltag wird das reichen. Ja, in der Stadt kann man ihn effizient bewegen. Aber sobald es auf die Autobahn geht oder die Urlaubsfahrt ansteht, wünscht man sich einfach mehr. Eine zweite Batterievariante mit 80 oder 90 kWh hätte diesem Auto richtig gut gestanden.

Und wenn wir schon dabei sind: Keine Dachlast, keine Anhängelast, keine Stützlast. Das ist für ein Fahrzeug mit diesem Format und Anspruch schon eine Ansage. Fahrradträger, Dachbox, kleiner Anhänger? Alles schwierig bis unmöglich. Genau das wurde im Video auch kritisch angemerkt und das ist ein Punkt, der hängen bleibt.

Innenraum: typisch französisch anders

Innen zeigt der E-408 genau das, was man von Peugeot erwartet. Eigenständiges Design, ein bisschen verspielt, aber durchaus hochwertig. Das hoch positionierte Fahrerdisplay ersetzt quasi das klassische Head-up-Display. Im Video wird deutlich, dass das erstaunlich gut funktioniert, weil der Blickweg kurz ist und die wichtigsten Infos direkt im Sichtfeld liegen.

Materialmix? Stimmig. Mikrofaser, Kunstleder, schöne Nähte. Das passt. Die Sitze wirken bequem, bieten guten Seitenhalt und laden definitiv zur längeren Strecke ein. Aber auch hier wieder kleine Details, die auffallen. Viele Ablagen ohne Filz, was im Alltag schnell zu Geräuschen führen kann. Und die Sitze? Nur manuell verstellbar. Das hätte man in dieser Klasse eleganter lösen können.

Und wie fährt er sich?

Ganz ehrlich: angenehm. Zumindest nach dem, was man im Video und aus den Eindrücken heraus beurteilen kann. Der E-408 ist kein Sportler und will es auch gar nicht sein. Er ist ein Cruiser. Ein Auto zum Gleiten, nicht zum Angreifen. Das Fahrwerk wirkt komfortabel abgestimmt, ohne schwammig zu wirken. Bodenwellen werden sauber weggebügelt, die Geräuschkulisse bleibt angenehm niedrig. Gerade die Doppelverglasung scheint hier ihren Job gut zu machen.

Bei 50 km/h rund 57 Dezibel, bei 100 km/h um die 62 bis 64 Dezibel. Das sind Werte, die im Video genannt wurden und die genau das unterstreichen: ein leises, entspanntes Reisen. Die Rekuperation über Lenkradwippen ist ebenfalls ein Detail, das im Alltag sinnvoll wirkt, weil man schnell zwischen verschiedenen Verzögerungsstufen wechseln kann.

Technik, die funktioniert… meistens

Das Infotainment wirkt modern, braucht laut Video aber manchmal einen kurzen Moment. Danach läuft es flüssig, ist gut animiert und bietet alles, was man erwartet, inklusive Apple CarPlay und Android Auto.

Die Assistenzsysteme machen einen ordentlichen Job. Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat, alles da. Was fehlt, ist die ganz große Raffinesse, etwa bei der vorausschauenden Geschwindigkeitsanpassung.

Die Kamera beim Einparken hingegen überzeugt. Gute Auflösung, hilfreiche Perspektiven, gerade beim Rangieren ein echter Vorteil. Auch das wird im Video positiv hervorgehoben.

Mein Ersteindruck?

Man hat ja keine zweite Chance auf einen ersten Eindruck, oder? Ich habe versucht, den E-408 für sich stehen zu lassen, basierend auf dem, was im Video von „einfach elektrisch“ gezeigt und im Artikel beschrieben wurde. Das ist natürlich nicht das gleiche wie ein eigener Test, aber es reicht, um ein Gefühl für das Fahrzeug zu bekommen. Was mich in der Tat stört ist immer noch die Klavierlack-Optik im Innenraum, die zieht Staub und Fingerdrücke an wie das Licht die Motten und die Mücken und die mag doch auch keiner, oder? Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, warum die Hersteller das Zeug scheinbar immer noch mit der Gießkanne in Autos kippen, vor allem bei einem Facelift, wo man doch “ganz einfach” darauf verzichten hätten könne. Soll das etwa immer noch luxuriös wirken?

Gehen wir einfach davon aus, dass man hier ein Auto bekommt, das optisch auffällt, komfortabel unterwegs ist und im Alltag vieles richtig macht. Dann passt das Gesamtbild. Aber: Der Akku ist zu klein für das, was das Auto sein will. Und die fehlenden Nutzwerte bei Dach- und Anhängelast tun ihr Übriges.

Der Peugeot E-408 ist kein schlechtes Auto. Ganz im Gegenteil. Er ist scheinbar ein richtig angenehmer Begleiter mit eigenständigem Charakter. Aber er ist auch ein Auto, bei dem man merkt, dass noch mehr drin gewesen wäre.

Und genau deshalb wäre es spannend, ihn irgendwann selbst zu fahren. Denn zwischen Videoeindruck und echtem Alltag liegen am Ende doch immer noch ein paar entscheidende Kilometer und damit melde ich mich hier auf rad-ab.com offiziell zurück, daher vielleicht noch ein Wort in eigener Sache:

Ich habe rad-ab.com viel zu lange liegen lassen. Ein Blog, das vor etlichen Jahren mal als Automobil-Blog Nummer 1 galt, einfach so im digitalen Dornröschenschlaf geparkt. Warum eigentlich? Gute Frage. Vielleicht, weil sich Formate verändert haben, weil Video immer größer wurde oder weil der Alltag dazwischenkam, dazu auch Problemstellungen die erst gelöst werden mussten und es gab auch ein Überangebot, was ich aber aktuell sehe ist, dass genau so etwas fehlt. Genau deshalb will ich rad-ab.com jetzt wiederbeleben. Für mich, weil mir diese Art des Schreibens gefehlt hat. Und für euch da draußen, die vielleicht genau das suchen: mehr Realität, weniger Hochglanz, ehrliche Einschätzungen, transparente Gedanken und auch mal ungefilterte Meinungen. Kein glattgebügelter Pressetext, sondern das, was man wirklich denkt, wenn man sich mit Autos beschäftigt.