Ich war bei der Formel 1, ich war bei der DTM, ich habe das 24-Stunden-Rennen Nürburgring erlebt und ich war selbst auf ziemlich vielen Rennstrecken unterwegs. Benzingeruch, Gänsehaut beim Start, dieses Gefühl im Brustkorb, wenn ein Feld loslegt, all das gehört für mich zum Motorsport dazu. Und dann kommt da diese Formel E.
Ehrlich gesagt für mich bisher eher ein Thema aus der zweiten Reihe. Wahrgenommen, aber nie wirklich verfolgt. Zu leise, zu technisch, zu weit weg von dem, was Motorsport für mich lange ausgemacht hat. Bis ich mir das Video von Olli und Steffen aus Berlin angeschaut habe.
Man merkt ziemlich schnell, dass da mehr passiert als ein paar leise Runden auf Beton. Die Eindrücke aus der Boxengasse, die Gespräche mit Ingenieuren, der Blick auf die Technik und das Drumherum im Fan Village zeigen eine Seite des Motorsports, die man so aus anderen Serien kaum kennt. Das wirkt nahbar. Weniger Hochglanz, mehr Inhalt. Und genau das macht neugierig.
Warum hier nicht einfach nur Vollgas zählt
Was in dem Video besonders klar wird, ist der grundsätzliche Unterschied zur klassischen Rennwelt. In der Formel E geht es nicht darum, wer am längsten Vollgas fährt. Hier geht es darum, wer am klügsten fährt. Okay, das könnte man falsch verstehen, denn natürlich ist es bei der Formel 1 kompliziert und es geht um Taktik etc. aber bei der Formel E ist wird die Energie begrenzt und genau das verändert alles. Rekuperation spielt eine zentrale Rolle. Also das Zurückgewinnen von Energie beim Bremsen. Rund 60 Prozent der im Rennen genutzten Energie entstehen genau dadurch.
Das bedeutet, dass Fahrer permanent entscheiden müssen. Wann angreifen, wann Energie sparen, wann bewusst anders fahren als der Gegner. Das ist nicht weniger Motorsport, das ist einfach eine andere Form davon.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Attack Mode. Zusätzliche Leistung steht zur Verfügung, aber nicht ohne Gegenleistung. Fahrer müssen eine spezielle Zone auf der Strecke durchfahren und dabei eine andere Linie wählen. Das kostet zunächst Zeit und bringt später den Vorteil.
Der richtige Zeitpunkt entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Genau solche Elemente sorgen dafür, dass die Rennen nicht einfach nur durch reine Leistung entschieden werden, sondern durch Strategie und Timing. Das erinnert stellenweise eher an Schach mit 300 km/h.
Warum das Ganze plötzlich relevant wirkt
Was das Video ebenfalls gut transportiert, ist die Nähe zur Realität. Viele der Themen, die dort angesprochen werden, kennen Elektroauto Fahrer aus dem Alltag. Effizienz, Reichweite, Rekuperation, Ladeleistung und Temperaturmanagement. Der sogenannte Pit Boost zeigt, wie schnell Energie nachgeladen werden kann. Die Diskussion rund um Software macht deutlich, wie entscheidend die Steuerung des gesamten Systems ist. Und auch das Thema Reifen, also Rollwiderstand und Grip, spielt eine größere Rolle, als man zunächst denkt. Das alles sind keine reinen Rennsport-Themen, sondern Dinge, die direkt in Serienfahrzeuge einfließen.
Warum die Gen4 Generation spannend wird
Am meisten hängen geblieben ist der Ausblick auf die kommende Generation. Die Gen4 Fahrzeuge sollen einen weiteren großen Schritt machen. Allradantrieb, mehr Leistung und ein noch stärkerer Fokus auf Effizienz. Gerade der Allradantrieb ist spannend, weil sich damit die Kraft noch präziser verteilen lässt. Das verbessert nicht nur die Performance, sondern auch die Kontrolle und Effizienz.
Wenn man das mit der aktuellen Entwicklung bei Serienfahrzeugen vergleicht, passt das Bild ziemlich gut zusammen. Auch dort geht der Trend in genau diese Richtung.
Von Skepsis zu echtem Interesse
Das Video von Olli und Steffen schafft etwas, was die Formel E alleine bisher bei mir nicht geschafft hat. Es weckt Interesse. Die Serie fühlt sich nach wie vor anders an als klassische Rennformate. Sie klingt anders, sie wirkt anders und sie funktioniert anders. Aber genau das macht sie inzwischen spannend.
Aus einem Thema, das man nebenbei wahrgenommen hat, wird plötzlich etwas, das man aktiv verfolgen möchte. Vor allem mit Blick auf das, was da mit der nächsten Generation kommt. Die Gen4 Fahrzeuge könnten genau der Punkt sein, an dem aus Interesse echte Begeisterung wird und wenn nächstes Jahr Opel bei der Formel E an den Start geht, könnte ich mir sogar vorstellen mir das Spektakel auch mal live anzusehen, Opel Motorsport fully reloaded, quasi! Ihr wollt mehr über die Formel E in Berlin 2026 erfahren? Hier gibt es einen 1A Bericht quasi aus erster Reihe!
