Fahrbericht / Test: Chevrolet Cruze Station Wagon

-3°C und ich befinde mich auf der Straße. Der Grund: Ich hab den Chevrolet Cruze Station Wagon auf Herz und Nieren getestet, allerdings bis dato versäumt Fotos zu machen. Das habe ich nun nachgeholt und tippe nun mit eiskalten Fingern den Chevrolet Cruze SW Testbericht. Dieses mal halte ich mich an die “Angestestet-Formatierung”, denn ein paar Fragen über den Chevrolet Cruze müssen schließlich beantwortet werden.

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Was ist das für ein Typ? Schon mal einen aktuellen Opel Astra gefahren? So ein Typ ist auch der Chevrolet Cruze Station Wagon. Das ist kein Wunder, denn es sind zahlreiche Teile vom Opel verbaut. Unter der Haube bewährte Opel Technik, im Innenraum zahlreiche Opel Teile und ansonsten? Kein typischer Opel! Während Opel mit einer Fülle von optionalen Assistenzsystemen und Sonderausstattungen wie Xenon-Scheinwerfern oder einem Flexride (verstellbares Fahrwerk) glänzt gibt sich Chevrolet dort etwas bescheidener.

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Wie fährt er sich? Das Fahrwerk ist straff, gibt eine direkte Rückmeldung. Diese Rückmeldung vermisst man beim Lenkrad etwas. Man darf nicht vergessen: Man sitzt in einem Kombi und in keinem Sportwagen. Der 1.4 Liter Turbo-Motor zieht mit seinen 140 PS keinen Hering vom Teller aber den Station Wagon gut durch die Stadt und über Land. Auf der Autobahn kann man mit einer Höchstgeschwindigkeit von ca. 200 km/h gut mithalten, sollte sich dann aber auch nicht über höhere Verbräuche wundern. Richtig sparsam ist der Cruze Station Wagon mit der Motorisierung nur im Teillastbereich. Das manuelle 6-Gang Getriebe lässt sich leicht und exakt schalten.

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Kann ich mich darin sehen lassen? Es ist keine Frage des Images, denn über ein richtiges Image verfügt der Hersteller in Deutschland ja noch nicht. Seit ein paar Jahren will der amerikanische Automobilkonzern General Motors die Herzen der europäischen Autofahrer im Sturm erobern, international hat das ja schon längst funktioniert. Chevrolet ist eines der Zugpferde von GM. Zweitklassig war die Daewoo-Zeit, Haptik & Qualität passten einfach nicht in europäische Bild. Anspruchslose Technik, günstig verarbeitete Fahrzeuge die unter dem “großem Logo” verkauft wurden. Doch das war einmal! Der Chevrolet Cruze Station Wagon wirkt mit dem zweigeteiltem Kühlergrill und dem großen Markenemblem (heißt übrigens Bowtie) alles andere als zweitklassig. Im Innenraum geht es europäisch zur Sache, technisch und antriebstechnisch auf aktuellem Stand, da können die Nachbarn auch nichts gegenteiliges behaupten.

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Ist er praktisch und familientauglich? Definitiv! Auf die Rücksitzbank passen ohne Probleme zwei Kindersitze, in den Kofferraum ist dann noch ausreichend Platz für das Gepäck. Genug Platz also für Kind & Kegel. Reichlich Ablagefächer, ein großes Handschuhfach und große Türtaschen runden das Platzangebot ab. Dank Keyless-Go Funktion kann der Schlüssel in der Tasche bleiben, die Türen öffnen sich per Tastendruck. Der Motor vom Chevrolet Cruze Station Wagon lässt sich natürlich auch per Knopfdruck starten. Dank der Reiling bietet das Dach noch mehr Zuladungsmöglichkeiten (Dachbox, Fahrradträger…) damit wird aus dem Lastenschlepper auch ein idealer Freizeitbegleiter.

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Höhepunkt? Definitiv der Kofferraum. 500 Liter Fassungsvermögen, große Klappe, leichte Beladungsmöglichkeit. Im Familientest heißt das: Einkauf, Kinderwagen, Getränke-Kiste und sogar noch die vergessenen Sportschuhe vom letzten Fitness-Studio Besuch. In der Heckklappe versteckt sich optional eine Rückfahrkamera mit Weitwinkel, ideal zur Einsicht in den fahrenden Straßenverkehr wenn man mal quer zur Fahrbahn geparkt hat.

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Tiefpunkt? Die Mittelarmlehne! Entweder habe ich zu kurze Beine oder die Mittelarmlehne ist zu klein dimensioniert. In meiner Sitzposition kann ich diese auf jeden Fall nicht nutzen.

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Kann ich ihn mir leisten? Der Chevrolet Cruze Station Wagon ist ein Fahrzeug für eiskalte Rechner, wer nicht jeden erdenklichen Luxus haben muss und auf einige Assistenzsysteme verzichten kann, der findet hier zu Preisen von ca. 22.000 Euro ein familientauglichen Begleiter, den man nicht an jeder Ecke sieht. Die Verbrauchswerte dürften zwischen 6-8 Liter auf 100 km liegen, dank Euro 5 liegt die steuerliche Belastung (Stand 2012) bei 50 €.

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Was sagen die anderen? “So einen hab ich ja noch nie gesehen!” hab ich am häufigsten in der Nachbarschaft gehört, einen Opel Astra SportsTourer sieht man dann schon häufiger in unseren Breitenkreisen! “Der ist bestimmt teuer, oder?” – das liegt natürlich im Auge des Betrachters, den günstigsten Benziner gibt es schon ab 15.990 Euro, den LT+ mit Start / Stop und Klimaautomatik für ca. 22.000 Euro – dann schon mit einer recht guten Ausstattung. “Ist das ein Amerikaner?” Die Marke schon, klar! Hergestellt wird dieses Fahrzeug allerdings von GM in Korea, doch das sieht man dem Fahrzeug nun wahrlich nicht mehr an.

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Was sage ich? Die Daewoo-Zeiten (ich erinnere mich da noch an einen umgemodelten Opel Kadett E) sind wahrlich vorbei. Der Chevrolet Cruze Station Wagon bietet viel Ausstattung, viel Platz für einen Preis der in der Mittelklasse durchaus akzeptabel ist und einige andere Hersteller die Butter vom Brot nehmen könnte. Ja: Es gibt günstigere Kombis in dem Segment, doch bereinigt man mal die Ausstattung – dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Neben dem hohen Nutzwert haben mir die Sitze (beheizbar) gefallen, die bieten einen guten Seitenhalt. Das Lenkrad, die Bedienung, die Haptik ist mit aktuellen Opel Modellen vergleichbar und auf einem gutem Niveau. Ich mochte schon den direkten Vorgänger, den Chevrolet Nubira – im direkten Vergleich hat der Hersteller hier aber mehr als nur eine Schüppe draufgelegt.

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Beim Infotainmentsystem bin ich mir selbst noch nicht sicher. Auf der einen Seite mag ich die iPhone- bzw. iPad-typische Bedienung (man kann sogar die Lautstärke lauter und leiser “swipen”) auf der anderen Seite finde ich die Umstellung der Heizung etc., etwas zu kompliziert gestaltet. Der Radioempfang ist gut, die Lautstärke ausreichend, macht euch am besten selber ein Bild bzw. hört selber mal Probe! Wer eine Probefahrt mit dem Chevrolet Cruze Station Wagon unternehmen möchte, wird sich schnell an diese Sicht hier gewöhnen:

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Fazit: Wer auf der Suche nach einem Kombi in der Mittelklasse ist, der sollte dem Chevrolet Cruze Station Wagon durchaus mal eine Chance einräumen sich zu beweisen. Im Verhältnis von Preis und Leistung zieht der Korea-US-Kombi alle Register. Wer mehr Assistenzsysteme benötigt bzw. sich den Luxus gönnen möchte, der sollte mal beim Konzernbruder Opel ins Portfolio schauen.

Fotos & Text: Jens Stratmann

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