Fahrbericht – Kritik – Test: Seat Ibiza Cupra – 2013

“Lasst uns mal einen Motor für ein Fahrzeug bauen was 1,2 Tonnen wiegt. Wie viel Leistung hätten wir gerne? Fast 200 PS? 180? Okay, nehmen wir 180! Dann muss der natürlich unten rum gut gehen, aber oben rum soll ihm auch nicht die Luft ausgehen. Wie wäre es mit einem BiTurbo? Ach ne, komm Kompressor ist schon irgendwie geiler! Also für den unteren Drehzahlbereich nehmen wir den Kompressor und für die höheren? Da darf der Turbolader die Ladeluft in die Verbrennungsräume schießen. Ach Mist! Der Umweltschutz, gut – Leistung, Kompressor und Turbo haben wir ja nun schon festgelegt, dann sparen wir halt am Hubraum. 1,4 Liter muss reichen und damit sich der Aufwand auch lohnt, bauen wir den gleich in mehrere Fahrzeuge ein!” – so ähnlich wird es wohl gewesen sein, das Gespräch um den Motor vom Cupra!

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Der Seat Ibiza Cupra hat wie seine Konzernbrüder 180 PS unter der Haube, wie auch schon beim Audi A1, beim VW Polo oder beim Skoda Fabia sorgt ein 1.4 Liter Benzinmotor für die Leistung. Im unteren Drehzahlbereich sorgt ein Kompressor für das Drehmoment, oben rum sorgt der Turbolader für die notwendige Zwangsbeatmung. Gerne dreht er bis 7.000 Umdrehungen in der Minute und wer dann ganz genau hinhört, der kann den Kraftstoff förmlich vom Tank in den Verbrennungsraum fließen hören.

Das 7-Gang DSG gibt die Kraft an die Vorderachse weiter, diese zeigte sich bei einigen Ampelsprints allerdings etwas überfordert, ist die Straße nass oder gar mit Laub bedeckt hat der zu viel Leistung. Klingt komisch, ist aber so. Die Räder quittieren dann jede Vollgasstellung mit mangelnder Traktion und neigen in Kurven dazu das Fahrzeug nach außen zu tragen, da hilft dann auch die elektronische Sperre nicht. Wer mit dem Gasfuß behutsamer umgeht kann allerdings viel Fahrspaß erzielen und die Kurven räubern. Halten wir fest: Wer unsauber fährt, lässt den Seat Cupra über die Vorderräder schieben, wer das Fahrzeug beherrscht kann äusserst viel Fahrspaß generieren.

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Der Motor klingt, für einen 4 Zylinder mit so wenig Hubraum, kernig, aber nicht übertrieben. Die Landstraße ist und bleibt sein Revier. Positiv: Keine Antriebsflüsse im Lenkrad, sprich man merkt keine Gierkräfte. Negativ: Mir ist die Lenkung etwas zu indirekt, das geht besser! Mit etwas über 230 km/h über die Autobahn (laut Tacho) geht, ist aber kein Vergnügen und wer es durchzieht, der wird den Tank schnell leeren. Positiv: Das, unten abgeflachte, Lenkrad liegt sehr gut in der Hand, auch wenn ich die Schaltwippen optischer ansprechender finde als sie wirklich sind.

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Seat gibt den Verbrauch mit 5,9 Liter an. Ich habe es geschafft! Auf einer Distanz von knapp 80 km (Autobahn, Landstraße, Stadtverkehr im Mix) habe ich den Verbrauch auf 5,9 Liter runterbekommen – sprich den NEFZ-Verbrauch erreicht! Fahrspaß sieht dann allerdings anders aus ;).

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Wer zügig unterwegs ist, der wird häufiger tanken müssen. Das Schöne ist: Man hat es selber in der Hand bzw. im Fuß! Mit ca. 23.500 Euro liegt der kleine Kraftzwerg aus Spanien im oberen Drittel bei den Kleinfahrzeugen, in 0 auf 100 km/h beschleunigt er innerhalb von 6,9 Sekunden und lässt sich dabei ganz gut beherrschen. Das etwas (15 mm) tiefergelegte Fahrwerk kann ich als sportlich, straff bezeichnen, die Sitze als bequem. Hat man die Kopfstützen in einer erhöhten Position kann es Probleme beim Sitz umklappen geben. Kindersitze kann man hinten montieren, allerdings ist das nicht zu empfehlen. Der Seat Ibiza Cupra ist halt kein Familienauto, er ist ein kleiner sportlicher Wagen der Spaß machen soll. Wer später bremst ist länger schnell! Vorne sorgen innenbelüftete Bremsscheiben für die Verzögerung, hinten sind es kleine “normale” die rein optisch hinter den 17″ Felgen eher “zu klein” aussehen, technisch ausreichend, optisch kein Leckerbissen!

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Von der Optik gibt es sonst nichts zu meckern! Spoiler vorne und hinten, Diffusor und 17″ Alufelgen. Rote Bremssättel machten schon in den 80er Jahren jeden Wagen sportlich und eine mittlere Auspuffanlage ist nicht erst seit dem VW Lupo GTI im Trend. Die Scheinwerfer, die Rückleuchten, alles wirkt harmonisch und auf das Fahrzeug abgestimmt. Die ganzen Kanten, Sicken und Linien dürfen spätestens nach dem ersten Parkplatzrempler für höhere Kosten beim Beulendoktor sorgen, aber das steht ja auf einem ganz anderen Blatt Papier.

Im Innenraum fehlt mir eine Mittelarmlehne und eine Rückfahrkamera. Sorry, im Jahr 2013 setze ich dieses Feature (in der Preisklasse) einfach voraus. Eine Gurthöhenverstellung habe ich ebenfalls vermisst, lobend möchte ich erwähnen, dass das Fahrzeug über einen Einklemmschutz bei den elektrischen Fensterhebern verfügt. Das Infotainmentsystem kann Bluetooth-Audio abspielen und das sogar über die Spotify App! Ja, so schnell sammelt der Seat Ibiza Cupra Pluspunkte! Das aufbauende Display kennt man ja auch vom Seat Mii (Skoda Citigo, VW up!) und auch dort mag ich das Feature mir z.B. den Drehzahlmesser anzeigen zu lassen:

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Fazit: Sportlich, kompakt und leider kein Schnäppchen. Dafür aber irgendwie anders, erfrischend anders! Die Lenkung ist mein Steckenpferd, die hätte ich gerne direkter gehabt, so kommt leider bei mir kein Go-Kart Feeling auf, was dem Fahrzeug meiner Meinung nach sehr gut gestanden hätte. Vorne ist für 2 Personen ausreichend Platz, hinten passen zwei Kinder hinein und in den Kofferraum? Der Einkauf oder halt 2 Reisetaschen, dann ist das Volumen von 235 Litern auch schon erschöpft! Aber das seht ihr oben im Video! Spaß gemacht hat er und der Tankwart wartet heute bestimmt auch noch auf ein Wiedersehen, denn kost Benzin auch 2,10 – Scheiß egal, es wird schon gehen! In den Seat Ibiza Cupra tankt man natürlich nur das “gute Super rein”.

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