Angetestet: Mercedes-Benz E 400 Cabrio Fahrbericht

Ja, es ist ein MOPF! Eine Modellpflege! Doch anstatt nur etwas an der Karosserie zu feilen hat Mercedes-Benz gleich noch die Assistenzsysteme der neuen S-Klasse (welche gestern Abend in Hamburg präsentiert wurde) mit eingepackt. “Intelligent Drive” nennt der Hersteller die zukunftsweisende Technologie die nicht nur die Insassen sondern auch andere Verkehrsteilnehmer schützt. Unfälle mit anderen querenden Fahrzeugen oder aber mit Fußgängern sollen vermieden werden, der aktive Spurhalte-Assistent hilft dem Fahrer in seiner Fahrspur zu bleiben und dazu greift das Fahrzeug gerne auch mal aktiv ein. Gute Sicht? Nicht immer gewährleistet. Bei der Mercedes-Benz E-Klasse gibt es ein blendfreies Dauerfernlicht, welches durch eine ausgeklügelte Technik dafür sorgt das andere Verkehrsteilnehmer blendfrei entgegen kommen (oder vorwegfahren) können.

Was ist sonst neu? Unter der Motorhaube finden sich neue (und effizientere) 4-Zylindermotoren, behutsam wurde das Fahrzeug (sprich das Mercedes-Benz Cabriolet) an die neue Formensprache des Herstellers herangeführt. Die neue Front mit den neuen Scheinwerfern, die neue Stoßstangen, die lange Motorhaube und die gestreckte Seitenlinien. Tradition trifft moderne, markante Linien. Die neue E-Klasse wirkt dynamischer, sportlicher und jünger. Im Innenraum hingegen ist das Fahrzeug ein typischer Mercedes: Tür auf, wie Zuhause fühlen! Die E-Klasse zeigt sich exklusiv und luxuriös und erlaubt sich im Innenraum keine Mängel.

Mit dem E-Klasse Cabriolet macht Mercedes alles richtig, denn man versucht dieses Fahrzeug nicht als fünfsitziges Cabrio zu verkaufen. 4 Personen haben ausreichend Platz, also ist das Fahrzeug auch für vier Personen gedacht.

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Die Seitenscheiben sind voll versenkbar, alles andere wäre für mich auch ein No-Go gewesen. Dank des Akustik-Verdecks, welches laut Hersteller mit einer besonders hochwertiger Dämmung ausgestattet wurde, erreicht die E-Klasse das niedrigste Geräuschniveau seiner Klasse. Bei Geschwindigkeiten über 40 km/h fährt im Rahmen der Frontscheibe das sogenannte AIRCAP-System automatisch aus. Mercedes weiß vermutlich, dass diese “Windlamelle” nicht sonderlich zur Attraktivität des Fahrzeuges beiträgt und lässt dieses bei Geschwindigkeiten unter 15 km/h wieder automatisch einfahren. Ich gestehe: Ich mag diese Lamelle nicht, die Tatsache, dass die im Stand nicht zu sehen ist gefällt mir daher sehr. Intelligent gelöst ist die Technik allerdings, merkt das Fahrzeug, dass hinten Personen sitzen (geschlossene Gurte im Fond) passt sich die Windlamelle automatisch an und auch das Windschott zwischen den Kopfstützen reagiert auf die Sitzsensoren. Optional gibt es eine Kopfraumheizung, AIRSCARF genannt. Über die hätte man sich vermutlich bei dem langen Winter den wir nun hatten sehr gefreut.

Kommen wir kurz zu den Assistenzsystemen: Durch die Stereo-Kamera im Bereich des Innenspiegels kann das Fahrzeug ca. 50 Meter weit “räumlich” sehen. Die Steuergeräte der E-Klasse errechnen dann aus diesen, und den Daten der Radarsensoren, die Positionen von anderen Fahrzeugen, Fußgängern etc. und kann so ggf. Gefahrensituationen vermeiden. Bei der Sicht nach vorne schränkt dieses System etwas ein, die Technik muss schließlich in der Windschutzscheibe untergebracht werden, mich hat das bei meiner Größe (1,75m) und meiner Sitzposition allerdings nicht gestört!

In Deutschland ist das E-Klasse Cabriolet mit einem adaptivem Bremsassistenten und einem Aufprallwarner ausgestattet. Ebenfalls gibt es die berühmte Kaffee-Tasse, die durch eine ausgefeilte Sensorik ermittelt ob der Fahrer langsam Ermüdungszustände zeigt oder noch fahren kann. Dabei greift das Fahrzeug auf zahlreiche Sensoren zurück und vergleicht diese mit den “normalen” Werten.

Optional gibt es die Distronic Plus mit Lenk-Assistent. Damit beherrscht das Fahrzeug ein Staufolgefahren. Sprich es wird automatisch gebremst und auch wieder beschleunigt. Gerade für Vielfahrer sicherlich ein Feature mit Mehrwert. Mit der Pre-Safe Bremse kann das Fahrzeug Fußgänger erkennen und durch eine autonome Bremsung (bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h) den Aufprall vermeiden. Ausprobiert haben wir das allerdings nicht. Viele Hersteller bieten inzwischen aktive Park-Assistenten an, auch die E-Klasse kann automatisch in Längs- und Querparklücken einparken wenn diese ausreichend groß sind und vom System erkannt werden.

Verkehrszeichenerkennung! “Wie schnell darf ich hier?” Dafür reicht ein Blick auf den Tacho, denn dort wird die Höchstgeschwindigkeit angezeigt (falls richtig erkannt). Bei Einfahrverboten mit entsprechender Beschilderung kann das Fahrzeug optisch und akustisch warnen, eigentlich müsste so ein Assistenzsystem in jedes Fahrzeug um ungewollte Falschfahrten zu vermeiden. So warnt das System und dank dem Wendekreis von gerade mal 11 Metern kann man dann noch schnell umdrehen. Begeistert war ich bei der Probefahrt wie gut inzwischen (ja, man muss gestehen, dass war nicht immer so) diese Technik funktioniert.

Für das Mercedes-Benz Cabriolet der E-Klasse steht ein breites Angebot an Benzin- und Dieselmotoren zur Wahl. Alle sind aus Effizienzsgründen mit dem ECO Start-Stopp-System ausgerüstet. Zur Verfügung stehen sechs Ottomotoren mit 135 kW (184 PS) bis 300 kW (408 PS) sowie drei Dieselmotoren mit 125 kW (170 PS) bis 195 kW (265 PS). Die neuen BlueDIRECT Vierzylinder-Benzinmotoren erfüllen bereits jetzt die EU6 Norm, die ab 2015 gilt.

“Ebenfalls zu den BlueDIRECT Benzinmotoren gehören die bereits bekannten V6- und V8-Motoren. Neu ist ein Sechszylinder, der zum ersten Mal auch als E 400 mit Biturbo-Antrieb angeboten wird. Dieser Motor setzt mit seinem Leistungspotenzial und seinem enorm hohen Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen neue Maßstäbe im Sechszylinderbereich und erfüllt ebenfalls die Abgasstufe EU6. Der Sechszylinder-Dieselmotor von Coupé und Cabriolet ist als BlueTEC Modell mit der bekannten SCR-Technologie (Selective Catalytic Reduction) ausgerüstet und erfüllt damit die Abgasnorm nach EU6.”

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Geschaltet wird im Mercedes-Benz Cabriolet entweder über ein 6-Gang Schaltgetriebe oder über die 7G-Tronic Plus, sprich der Automatik. Wer mag kann dann über die Schaltwippen schalten. Serienmäßig gibt es im Cabriolet das Agility Control Fahrwerk, welches mit einem selektivem Dämpfersystem ausgestattet ist. Das bedeutet: Die Stoßdämpfer passen sich an die jeweilige Beschaffenheit der Fahrbahn an. Wer mag kann optional auch ein Fahrwerk haben welches straffer abgestimmt ist und bei dem man ebenfalls noch in die Fahrdynamik eingreifen kann. Der Fahrer hat die Wahl, kann die Dämpfung elektronisch regeln und ebenfalls die Gaspedalkennlinie und die Schaltpunkte des Getriebes “schärfen”. Das Comand Online System, mit dem großen Farbdisplay, muss ich nicht mehr vorstellen, oder? Das hat es (allerdings auch preislich) in sich. Auch wenn Mercedes-Benz die Nutzer immer noch nicht “touchen” lässt, gefällt mir dieses Infotainmentsystem immer noch am Besten im Vergleich zu den Mitbewerbern. Ich kann es einfach “blind” bedienen und muss auch nicht nach rechts drehen um mich auf dem Display nach links zu bewegen ;).

Die Preise starten ab 47.600 Euro für das Cabriolet. Im Juni stehen die ersten Fahrzeuge bei den Händlern der Nation zur Abholung bereit. Ein E 500 (mit 4,7 Liter V8, 408 PS und 600 Nm beschleunigt innerhalb von 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h… und bringt mit einem Basispreis von 75.327 Euro gerade meine Traumblase zu platzen.  Der gefahrene E 400 V6 ist etwas günstiger, fährt sich sehr kultiviert und man könnte sogar “sparsam cruisen”. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 250 km/h und Beschleunigungswerten von ca. 5-6 Sekunden von 0 auf 100 km/h dürfte dieser Motor sich gerade im Cabrio sehr gut machen auch wenn ich sonst immer einen V8 nehmen würde (wenn ich das nötige Kleingeld hätte). Mit einem Kofferraumvolumen von 300-390 Litern reicht der Gepäckraum durchaus aus für eine Wochenend-Spritztour und mal Hand aufs Herz, mit einem Cabrio möchte man ja schließlich keine Umzüge unternehmen.

Die Ablageflächen im Innenraum sind etwas klein, in die Türtaschen bekommt man z.B. keine Liter-Flaschen hinein. Dafür hat Mercedes-Benz “Netze” am Mitteltunnel angebracht wo man diese verstauen kann. Ich kann mich nur wiederholen: Best Life is Cabrio Drive – da entscheidet oft noch das Herz und nicht der Verstand und oft wird auch der Weg zum Ziel. Unser Ziel war Sylt um dort das Mercedes-Benz Coupé der E-Klasse zu fahren, doch darüber berichte ich ein anderes mal! Heute gibt es hier nicht viele Fotos, sondern ein langes Video mit vielen Impressionen und natürlich haben Jan Gleitsmann und meine Wenigkeit euch auch viele Features der neuen E-Klasse erklärt:

…und die Angetestet-Fragen wird auch das Coupé beantworten, denn da werde ich dann noch mal auf die “Unterschiede” zum Cabrio eingehen!