2015 Opel Karl – Fahrbericht / Test / Meinung / Kritik!

Autos mit Vornamen gab es schon immer, Alfa Giulia, die Giuletta, der Ferrari Dino, den Toyota Carina, die Lotos Elise, die Borgward Isabella, der VW Fridolin. Aber auch ganz aktuelle Bespiele gibt es, so z.B. die Renault Zoe, den Opel Adam und nun halt auch der Opel Karl. Karl, mit K geschrieben. Der Namensgeber war einer der Opel-Söhne, der hieß halt so. Tradition verpflichtet, der nächste Opel wird also bestimmt Fritz heißen.

Doch schauen wir uns nun mal den Opel Karl etwas genauer an. Den neuen Opel Karl kommt in drei verschiedenen Ausstattungslinien. Der Einstieg in die Welt des Opel Karl ist der Selection ab einem Preis von 9.500 Euro. Darüber positioniert ist der Opel Karl Edition (den es ab 10.650 Euro gibt) und das Beste bringt der Opel Karl Exklusiv mit sich. Der kostet mindestens 12.900 Euro. Was für einen Karl würde ich nehmen? Natürlich den mit der besten Ausstattung, den Opel Karl Exklusiv.

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Unter der Motorhaube gibt es allerdings keine großen Unterschiede, denn da gibt es Einheitsbrei, besser gesagt einen 1.0 Liter 3-Zylinder mit einer Leistung von 75 PS. Die Kraftübertragung erfolgt über ein manuelles 5-Gang Getriebe über die Vorderachse. Hier gibt es keinen Turbolader, sondern einen kernig klingenden 3-Zylinder der den Opel Karl beschleunigen darf.

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Beschleunigungswunder darf man natürlich nicht erwarten, schließlich liegt hier nur ein maximales Drehmoment von 95 Nm an der Kurbelwelle an, aber untermotorisiert ist der 939 kg schwere City-Flitzer mit dem EU6-Antrieb auch nicht. Mein 90 PS Opel Corsa B (den hatte ich im Jahre 1998) war auch nicht wirklich schneller und vor allem war er a) teurer und b) nicht so gut ausgestattet.

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Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Opel Karl innerhalb von 13,9 Sekunden. Von 80 km/h auf 120 km/h benötigt der City-Flitzer 22,9 Sekunden im 5. Gang – ihr merkt schon, sein Revier ist die Stadt, eventuell auch mal die Landstraße aber sicherlich nicht die Autobahn. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h und ist dann vermutlich Lichtjahre später auch endlich erreicht, ich habe vorher – auch aus Gründen der Verkehrsrichtlinien hier in den Niederlanden und aus Angst vor Blitzern – aufgegeben.

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Der kombinierte NEFZ-Verbrauch wird mit 4,5 – 4,3 Liter Kraftstoff auf 100 km angegeben. Der Tank verfügt über ein Fassungsvermögen von 32 Liter, die maximale Zuladung liegt bei 375 kg! Reichweiten von 500 km sind also möglich. Mein meiner, zugegeben kurzen, Probefahrt hatte ich einen Durchschnittsverbrauch von 6,8 Liter auf 100 km, dafür habe ich aber auch einen Ampelsprint gegen Moritz Nolte gewonnen.

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Man muss nicht groß sein um groß zu sein, der Opel Karl ist 3,67 Meter lang, inkl. Außenspiegel 1,87 Meter breit und 1,47 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,38 Meter und vorne, aber auch hinten kann man gut einsteigen, denn der Opel Karl verfügt immer über 4 Türen und über eine Heckklappe.

Keine große Klappe, denn dahinter versteckt sich ein frei verfügbares Volumen von nur 206 Liter, legt man die Rückbank um (beim 4 Sitzer komplett, beim 5 Sitzer im Verhältnis 60/40 möglich) dann steht ein Volumen von bis zu 1013 Liter zur Verfügung. Die Ladekante ist 71 cm hoch. Das Dach darf man nicht belasten, das ist gerade wegen dem kleinem Kofferraum ein Kritikpunkt für diejenige die den Opel Karl ggf. als alleiniges Fahrzeug im Auge haben.

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Ein Lademeister ist er aber nicht, der Opel Karl überzeugt eher durch seinen kleinen Wendekreis von ca. 10 Meter (hier kann man auch noch mal die Servolenkung in einen “noch leichtgängigeren City-Modus” schalten) und seinem durchaus hochwertigen Eindruck zum minimalen Einstiegspreis.

Mit 9500 Euro steigt der Kleinstwagen günstiger als die Mitbewerber ins Geschäft ein, er ist der günstigsten Einstieg in die Opel-Welt und hält auch die Mitbewerber hinter sich. Der VW Up zum Beispiel kostet mindestens 9975 Euro und für einen Hyundai i10 müssen auch 9950 Euro bezahlt werden. Einen Nissan Micra gibt es erst ab 11.400 Euro. Günstiger wäre z.B. der Skoda Citigo, denn der startet mit einem 60 PS Antrieb ab 8970 Euro, aber mit einer gleichwertigen Ausstattung, wird der dann auch schnell wieder teurer.

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Was gibt es für unter 10.000 Euro? Der Opel Karl verfügt serienmäßig bereits über ein Antiblockiersystem, über eine elektronische Stabilitätskontrolle, über eine Traktionskontrolle und über einen Berganfahrassistenten. Wer, und ich glaube das werden viele tun, eine exklusive Version nehmen dann gibt es auch eine Klimaautomatik, einen Spurhalteassistenten (so einen nervigen Piepser, den man auch abschalten kann), elektrische Fensterheber vorne und hinten (sogar vom Fahrersitz bedienbar – eat this Volkswagen Konzern), ein Lederlenkrad mit Fernbedienung, ein Infotainmentsystem und in die Radkästen ziehen 15″ Räder ein wo sich in der Basis 14 Zöller drehen. Optional gibt es hier auch 16″ Felgen, das steht dem Karl dann auch ausgesprochen gut.

Wie fährt er sich? Überraschend gut! Ehrlich gesagt, habe ich den Opel Karl unterschätzt. Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung macht einen guten Job, das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt und das Fahrverhalten ist wirklich gut. Richtig gut sogar. Die beheizbaren Sitze vorne sind bequem und für Personen mit meinen Abmaßen (ich bin 1,75 groß) auch für längere Strecken geeignet. Auch hinten habe ich ausreichend Platz, wobei ich hier eher Kinder sehen würde. Zwei Kindersitze passen ohne Probleme, die Gurtlänge ist ausreichend lang, leider mangelt es dem Opel Karl an einer ausreichenden Beleuchtung im Fond.

Was ist mir ansonsten negativ aufgefallen? Es gibt keine Gurthöhenverstellung, das Lenkrad lässt sich nicht axial, also nur in der Höhe verstellen, die Fensterheber hinten gehen nicht komplett runter und obwohl der Opel Karl eine Frontkamera hat (für den Spurhalte-Assistenten) hat er keine Schildererkennung. Gerade hier in den Niederlanden wäre das schon ein Highlight gewesen. Die H4 Scheinwerfer sind sicherlich auch nicht mehr State of the Art, da merkt man dann, dass unbedingt gespart werden musste. Aber unter uns? Ich suche hier gerade die Nadel im Heuhaufen, der Karl ist – für den Preis – ein richtig gutes Auto und meiner Meinung nach Preisverdächtig.

Ab dem 20. Juni steht der Opel Karl beim Händler, wer alle Kreuze macht in der Aufpreisliste der wird derzeitig maximal 15.395 Euro bezahlen, dafür bekommt man eine ganze Menge Auto, ordentliche Materialien und eine wahrlich gute Verarbeitung und auch das Thema Konnektivität wird beim Opel Karl groß geschrieben.

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Opel OnStar, Mirror-Link, Apple CarPlay, hier mangelt es an nichts, wer mag kann en Opel Karl zum mobilen W-Lan Router machen und bis zu sieben Endgeräte ins LTE Netz bringen, wenn die Netzabdeckung denn passt. Zum ersten Mal habe ich nun mehrere Strecken via Apple Car-Play (Android Auto geht auch) navigiert und meine Begeisterung dafür hält sich immer noch nicht in Grenzen, genau so muss die Verbindung zwischem dem iPhone und dem Auto funktionieren. Plug-In & Drive!

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Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, auch KTN genannt, bringt es eigentlich auf den Punkt: “Kurz, knackig, charaktervoll – der Name Karl spiegelt seine Stärken wider. Er ist das ideale Auto für preisbewusste Kunden, die Alltagstauglichkeit mit Komfort und modernen Technologien verbinden möchten.” und dem kann ich nichts hinzufügen. Kurz: Der Karl ist gut, für den Preis sogar sehr gut.

2 Kommentare zu “2015 Opel Karl – Fahrbericht / Test / Meinung / Kritik!

  1. Und dann gibts natürlich noch den Smart forfour ab 10.990 in der Einstiegsversion.

  2. Den Vgl. mit dem Corsa-B fand ich interessant, hatte auch mal einen (1.4 6o PS).
    Der aus Adam+Corsa bekannte 3-Zylinder wurde ja schon ziemlich zusammengespart, die Ausgleichswelle fehlt ja auch noch. Merkt man ihm im Vgl. das an ?!?

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