Was spricht eigentlich gegen ein Tempolimit von 120 km/h auf der Autobahn?

Tempo 120 km/h auf der Autobahn? Eine Forderung der DUH! Okay, dann muss man das ja mal pauschal scheisse finden, oder? Das ist ja nur die Sperrspitze der Forderungen! Der Olymp. Denn nun geht es um ein Grundrecht der Deutschen. Wir dürfen so schnell fahren wie wir wollen. Okay, nur noch auf 2% der Straßen in Deutschland bzw. auf knapp 40% der Autobahnen, gefühlt noch viel weniger. Aber das geht doch nicht. Die Deutsche Umwelthilfe kann doch nun nicht das fordern, was die Grünen schon lange versuchen umzusetzen. Tempo 120 km/h auf der Autobahn. Das ist doch… das ist doch… wie soll ich sagen? Das ist doch… …eigentlich gar nicht so dumm!

Werfen wir einen Blick auf die Nachbarländer, da läuft das mit einem Tempolimit rund um 110-120-130 km/h doch auch ganz gut. Schauen wir auf den Verbrauch, in dem Geschwindigkeitsbereich verbraucht ein Fahrzeug signifikant weniger als bei Geschwindigkeiten rund um 200 km/h. Das liegt vor allem auch an dem größeren Luftwiderstand, an der höheren Drehzahl und und und…

…die Automobil-Industrie dürfte es auch freuen, denn die Sensoren – die ja nun noch für Geschwindigkeiten bis 250 km/h und darüber entwickelt werden müssen – können günstiger hergestellt werden. Das gilt für Radar-Sensoren, Kamerasysteme und und und…

…die Anwohner dürften sich auch freuen, denn nicht nur der Ausstoß reduziert sich, sondern auch die Lärmbelästigung. Dazu kommt noch, dass ich selten im Ausland im Stau stand, da dort ein stets gleich hohes Geschwindigkeitsniveau gefahren wird.

Was spricht eigentlich gegen das Tempolimit? Es ist vermutlich besser für die Umwelt und schont auch den Geldbeutel. Okay, man benötigt etwas länger von A nach B – aber Hand aufs Herz, wer fährt schon immer am Anschlag?

Keiner, aber es ist doch schön zu wissen, dass wir es können und teilweise auch dürfen, oder? Außerdem sind es doch vor allem die Hersteller in Deutschland, die Traumfahrzeuge auf die Räder stellen. Traumfahrzeuge waren schon immer schnell!

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Als Kind hatte ich einen Ferrari F40 (okay, nicht aus Deutschland), einen BMW E30 M3 (hach) und einen Porsche 911 als Poster an der Wand. Als Spielzeugautos waren es immer die Sportwagen die zuletzt in der Kiste landeten…

…genau für die Autos sind wir doch auch über die Grenzen bekannt, oder habt ihr in den USA schon mal gehört: Oh, der neue VW up! Das ist aber ein geiles Auto? Nichts gegen den VW up! Den mag ich sogar wirklich, vor allem als VW up GTI.


Es gibt einen Autobahn-Tourismus. Es kommen Leute zu uns, die auf der Autobahn fahren wollen. Einmal über Tempo 200. Bei Nacht vielleicht auch über Tempo 250 km/h. Das gibt vielen Menschen einen Kick. Da wird dann plötzlich Benzin durch die Adern transportiert. Da setzt das kribbeln im Bauch und das temporäre Gesichtslifting ein. Der Mensch, der die Maschine kontrolliert.

Okay, inzwischen unterstützen uns immer mehr Assistenzsysteme bei der Fahraufgabe, inzwischen fühlt sich Tempo 200 km/h im richtigen Wagen an wie eine gemütliche Fahrt auf der Landstraße. Die Geschwindigkeit nimmt man nicht mehr so wahr wie damals in den 70er Jahren als ein VW Golf 1 GTI ein richtig schnelles Auto war. Mein erstes eigenes Auto schaffte laut Tacho übrigens 200 km/h. Das war wie fliegen! Gefühlt wie eine Reise auf einer Kanonenkugel. Ein richtig sicheres Gefühl war das hinterm Volant übrigens nicht, aber das ist eine andere Baustelle.

 

Denken wir mal weiter: Wir reduzieren in Deutschland nun wirklich die Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 120, von mir aus auch auf die aktuelle Richtgeschwindigkeit von Tempo 130 km/h. Wir könnten die Fahrzeuge leichter machen, die Sicherheitsreserven reduzieren, die Technik vereinfachen. Okay, am Ende wird das keiner von uns im Geldbeutel merken, aber die Automobil-Industrie könnte hier Geld einsparen. Auf der anderen Seite wird die Industrie verlieren, denn wer kauft dann noch die PS-Boliden? Die Traumwagen?

Nur für die Rennstrecke? Nun, das vermag ich nicht zu beurteilen, ich habe auch leider keine Glaskugel.

Wir haben unsere Welt nur geliehen von unseren eigenen Erben. Astro-Alex – also Alexander Gerst – unser Mann im All (wieviel Kraftstoff braucht eigentlich ein Raumschiff?) – hat einen ganz anderen Blick auf die Welt. Von oben! Den Überblick! Er hat ein interessantes Video online gestellt, was mich immerhin hat nachdenken lassen.

Auch der von mir sehr geschätzte Witzbildzeichner Ralph Ruthe hat heute morgen die Frage gestellt was eigentlich gegen ein Tempolimit von 120 km/h spricht? Bei einer kleinen Umfrage bei Facebook mit inzwischen fast 500 Teilnehmern, sind es 88 % die ein generelles Tempolimit ablehnen. Ist es die Gewohnheit? Der Ruf der Geschwindigkeit und Freiheit? Ist es der Kick? Ich weiß es nicht, denn ich – Baujahr 1979 – fahre nur noch sehr selten über Tempo 140 km/h und hole mir den Kick wenn, dann bei der Beschleunigung. Klar ist es witzig, mal temporär über 250 km/h oder an der 300 km/h Grenze unterwegs zu sein. Aber das wird auch schnell anstrengend und andere Verkehrsteilnehmer können diese Geschwindigkeiten doch auch gar nicht mehr richtig einschätzen.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich nun richtig unbeliebt mache: Ich fände ein Tempolimit von 130-140 km/h auf den Autobahnen – gar nicht so schlimm. Dann aber überall, sprich die Tempo 80 und Tempo 100 Zonen müssen dann auch hochgesetzt werden. Unterm Strich kommt man dann vermutlich sogar schneller von A nach B.

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