Daimler und Geely – ist das smart?

Der Markenname smart ist ein Kunstgebilde. Eine Zusammensetzung aus Swatch, Mercedes und Art. Das soll smart sein. Der Markenname wird klein geschrieben, übersetzt aus dem Englischen wäre smart also sowas wie pfiffig, modern, modisch, schick, clever oder aber auch klug.

Das war damals smart…

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, es muss 1998 gewesen sein. Ich hatte gerade meinen Führerschein, in Münster entstand ein smart-Turm und somit ein smart-Autohaus. Die erste Generation vom smart stand in diesem gläsernen Turm und ich wollte ihn unbedingt einmal Probe fahren.
Der smart war anders, ganz und gar nicht artig. Ein Nicht-Auto. Ein Querdenker. Ein Auto gegen alle Konventionen. Zwei Sitzplätze, Motörchen im Heck, Hinterradantrieb. Fertig! Mit ihm hätte man quer zur Fahrbahn parken und somit Platz sparen können.

Der erste smart war gerade einem 2,5 Meter lang und ungefähr genauso breit wie hoch. Das gilt heute für mich, also das mit der Breite und der Höhe. Mit meiner Körperlänge von 1,75 passte ich perfekt in den smart. Erfreute mich bei der Probefahrt über das frische Interieur. Ich war damals 19 Jahre jung, fuhr einen Opel Corsa B (mit sagenhaften 90 Pferdchen unter der Haube) und erfreute mich wahrlich an der Optik vom smart. Die ersten Modelle hatten wenig Leistung und kein ESP. Dazu kommen wir gleich noch mal.

Kopfnicker-Stratmann auf Probefahrt

Bei der ersten Probefahrt quälte ich den 0,6 Liter Motor wahrlich. 45 Pferdchen müssen schließlich bei Laune gehalten werden. Das wahnsinnige Drehmoment von 75 Nm an der Kurbelwelle rief förmlich: Ich gebe alles… und ich wusste: Selbst meine Winterräder ziehe ich mit 110 Nm an, sprich der Motor kann nicht viel. Konnte er auch nicht: Von 0 auf 100 ging es innerhalb von einer gefühlten Ewigkeit. Doch das musste der smart ja auch gar nicht schnell können. Er sollte bei wenig Platzbedarf auf der Straße, ausreichend Platz bieten für zwei Personen und etwas Gepäck. Das klappte und es hätte auch mit mir und dem smart geklappt. Wäre da nicht dieses automatisierte Getriebe gewesen. Dieses sorgte nämlich für eine Kraftunterbrechung die mich bei Schaltvorgängen zum Kopfnicker machte. Ende der 90er Jahre. Ich hörte Eurodance, Techno, Rave und Gabber – nickte dabei aber wie auf einem Heavy Metal Konzert. Ne, das ging nicht. So wurde die “Liebe auf dem ersten Blick” nachhaltig zerstört.

Der erste smart hatte noch nicht einmal ESP!

Doch es sollte eine zweite Chance geben. Ein paar Jahre später fuhr die Dame aus unserer Buchhaltung als Firmenwagen einen smart. Etwas mehr Leistung, etwas tiefer, breitere Räder, Spoiler hier, Scheinwerferabdeckung dort, andere Endrohre. Sah ganz niedlich aus. Irgendwann bin ich den dann auch mal gefahren. Im Winter. Ohne ESP. Auf einen zugeschneiten und vermutlich auch angefrorenen Parkplatz. Ich hätte es wissen müssen. Das funktionierte nicht. Ich kreiselte quasi eine halbe Stunde bis wir den Parkplatz wieder verlassen hatten. Ohne smart! Den schleppte ich später mit Hilfe von einem Kollegen da runter.

Im späteren Verlauf bin ich häufiger smart gefahren, doch das automatisierte Getriebe hat meine Fahreindrücke dabei immer begleitet. Es kam ein Facelift, es kam ein neues Modell und erst mit dem ganz neuen smart – der gar nicht mehr so kompakt war – eliminierte man “mein Problem”. Inzwischen sind die Jahre vergangen. Die Welt dreht sich weiter. Mir reicht das Platzangebot nicht mehr und demnächst gibt es den smart nur noch rein elektrisch angetrieben.

Daimler ist nun ein Joint-Venture eingegangen. Mit den Chinesen. Dort soll der nächste smart dann ab 2022 gebaut werden. Ob das klug war? Das steht in den Sternen. Das sollen Wirtschaftsanalysten beurteilen, da halte ich mich raus. Wenn ich einen Wunsch frei hätte? Dann wünsche ich allen Mitarbeitern in Hambach und in Slowenien eine Jobgarantie, denn nichts ist schlimmer als die Ungewissheit was kommen wird. Was Daimler zusammen mit Geely auf die Räder stellen wird, werden wir ja sehen.

So, genug der Vorworte. Nun nehmen wir mal Teile der Pressemitteilung und einem Blogbeitrag von Dieter Zetsche auseinander:

“Die Joint-Venture-Partner haben vereinbart, dass die neue Generation von smart Fahrzeugen vom weltweiten Mercedes-Benz Design Netzwerk entworfen und von den globalen Engineering Centers von Geely entwickelt wird. Der Produktionsstandort wird künftig in China sein.”


Das lässt vielleicht noch die Hoffnung übrig, dass von der letzten smart-Studie bzw. vom Concept etwas in die Serie wandert, ich traue den Chinesen übrigens nicht nur die Antriebstechnologie sondern auch ein besseres Infotainmentsystem zu.

“Als Teil des Fahrzeugentwicklungsprogramms soll das smart Produktportfolio auch in das wachstumsstarke B-Segment ausgeweitet werden.”

Okay, also wird ein künftiger smart-Bruder / eine künftige smart-Schwester / ein künftiger smart-Irgendwas also noch größer werden. B-Segment ist VW Polo / Opel Corsa Größe. Gehen wir bald noch einen Schritt weiter und lassen die Chinesen auch die Elektrifizierung von A- und B-Klasse übernehmen?

“Bis zur Markteinführung der neuen Modelle ab 2022 wird Daimler die aktuelle Generation von smart Fahrzeugen weiterhin am Standort Hambach in Frankreich (smart EQ fortwo) und am Standort Novo Mesto in Slowenien (smart EQ forfour) produzieren. Unsere aktuelle smart Baureihe läuft wie geplant bis zum Ende ihres Lebenszyklus. Dafür investieren wir weiter in dieses erfolgreiche Produkt: In diesem Jahr rollt ein Facelift des smart zu unseren Händlern. “

Das war klar, doch was passiert dann mit den Werken?

“Parallel dazu wird das Werk Hambach eine zusätzliche neue Rolle im Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz Cars übernehmen und in Zukunft ein Elektrofahrzeug der Kompaktklasse von Mercedes-Benz unter der neuen Produkt- und Technologiemarke EQ produzieren. Mercedes-Benz investiert 500 Millionen Euro in das Werk Hambach und wird die Expertise seiner erfahrenen und motivierten smart Belegschaft nutzen.”

Bis wann wird denn das Joint Venture (hat übrigens nichts mit berauschenden Mitteln zu tun sondern bedeutet Zusammenschluss) über die Bühne gehen und was fließt an Kohle?

“Das Joint Venture wird voraussichtlich bis Ende des Jahres 2019 gegründet. Die finanziellen Konditionen des smart Joint Venture werden nicht kommuniziert. Dieses Joint Venture folgt auf die im vergangenen Jahr angekündigte, separate Vereinbarung zwischen Daimler Mobility Services und Geely Technology Group, mit der sich die beiden Unternehmen auf eine Kooperation bei einem neuen Premium Ride-Hailing-Dienst in China verständigt hatten.”

Clever haben die Chinesen sich gleich ne Marke für ihren Ride-Hailing Dienst geschnappt und beliefern diese nun auch selbst. Was ist denn mit den anderen smart-Mitarbeitern und vor allem mit der neuen Chefin?

“Die Daimler-Kollegen aus smart Entwicklung, Vertrieb und Marketing werden entweder im neuen Joint Venture weiterarbeiten, oder mit ihrem Know-how andere Aufgaben in unserem Konzern übernehmen. Das gilt genauso für unsere smart Chefin Katrin Adt, unter deren Regie die gesamte Transformation von smart in den letzten Monaten vorangetrieben wurde.”

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