Wohin geht es mit den Getrieben? 7-Gang, 8-Gang, 9-Gang?

Ein Leser hat mir vor ein paar Tagen eine interessante Frage gestellt: Es geht um das Automatik-Getriebe. Warum bieten noch nicht alle Hersteller ein Automatikgetriebe mit acht oder neun Gängen an? Alle Automobilhersteller reden schließlich immer von Energiesparen und hier würde, so schrieb mir mein Leser, die Möglichkeit von der weiteren Drehzahlreduzierung verschlafen. Er sprach von weiteren Drehzahlsenkungen von 700-1200 Touren. Damit könnte man den Verbrauch nochmals senken.

Auf dem Blatt Papier und unter idealen Testbedingungen wird er damit eventuell sogar recht haben, doch diese Bedingungen gibt es nun mal nicht immer. Ich hätte gedacht es liegt an der Tatsache, dass im Lastfall eventuell dann zwei Gänge übersprungen werden müssen um aus dem Drehzahlkeller herauszukommen oder das es einfach von der Bauart zu eng wird.

Doch ich wollte mich nicht auf Schätzungen, Mutmaßungen und eigene Meinungen beschränken sondern auch die Hersteller selber zu Wort kommen lassen. Kurze Mail an meine geschätzten Ansprechpartner von Audi, BMW, Mercedes, Volkswagen und natürlich ZF. Audi und BMW haben hier den Vorteil, dass bereits Achtstufen-Automatikgetriebe verbaut werden, dort geht es dann also um die Frage, warum das Getriebe nicht noch weiter gespreizt wird, sprich – warum nicht der 9. Gang?

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Bei Audi gibt es in diversen Motor-Varianten der Modelle A6, A7 und A8 wie gerade schon erwähnt optional ein Achtstufen-Automatik-Getriebe. Eine weitere Getriebespreizung auf neun Gänge würde, so meine Ansprechpartnerin bei Audi, nicht zwangsläufig eine Drehzahlabsenkung in der angesprochenen Größenordnung nach sich ziehen. Eine starke Senkung des Verbrauchs ist nicht zu erwarten. Dagegen steigt zwangsläufig die Komplexität der Getriebe-Hard- und Software, die das betroffene Modell verteuern würde.

Der Automobilhersteller BMW bietet ebenfalls 8-Gang Automatik-Getriebe im Portfolio an, diese stammen vom Hersteller ZF. ZF, so weiß man, hat demnächst auch schon ein 9-Gang Automatik Getriebe im Sortiment. Ein Planetengetriebe mit neun Gängen, vier Radsätzen, sechs Schaltelementen. ZF selbst spricht von einem hohen Wirkungsgrad und die intelligente Steuerung soll extrem kurze Reaktions- und Schaltzeiten ermöglichen. Doppel- und Mehrfachschaltungen sollen somit kein Problem darstellen (die man unter Last vermutlich dann auch benötigen könnte).

Das 9-Gang Automatik-Getriebe von ZF bringt auch direkt die Start-Stopp Automatik mit, die ohne weitere Komponenten ermöglicht wird. Nun 2013 geht es wohl los, in welche Fahrzeuge das 9-Gang Getriebe von ZF verbaut wird? Steht bestimmt nicht in den Sternen, doch in meiner Glaskugel kann ich es auch gerade nicht entdecken! Man spricht von drei Kunden, darunter befindet sich auf jeden Fall auch Chrysler. Die Kommunikation zu den Fahrzeugen und Modellen ist seitens ZF nicht möglich, da diese dem OEM (dem Fahrzeughersteller) vorbehalten sind. Mehrkosten schließt man bei ZF als K.O. Kriterium übrigens aus, in der Regel ist es auch eine Vorgabe in etwa den gleichen Preis hinzubekommen. Die Gangzahl stand übrigens nie im Fokus der Entwicklung, d.h. das 9-Gang Getriebe ist nicht unmittelbar teurer oder gar besser als das 8 Gang Getriebe. Das 9 Gang Automatik Getriebe ist entstanden aus der Suche nach der optimalen Kraftstoffeinsparung. Der kompakte Bauraum wurde dabei nicht ausser Acht gelassen, gerade bei Getrieben die vorne quer angeflanscht sind. Zur Zeit spricht man von zwei verschiedenen Baureihen die einen Drehmomentbereich zwischen 280 und 480 Nm abdecken. Dank seines Baukastenprinzips kann das Basisgetriebe je nach Bedarf ergänzt werden. So lassen sich auch in den engen Bauraumverhältnissen bei Front-Quer-Pkw verschiedene Anfahrelemente, Hybrid- und Allrad-Anwendungen kostengünstig umsetzen. Bei einer Baulänge von ca. 350 mm darf man da von einem technischen Meisterwerk sprechen. Weitere Informationen gibt es noch nicht, die stehen noch in den Sternen, doch ich bin mir sicher, dass man in der Zukunft noch viel von den ZF-Fahrwerken hören wird.

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© Foto: ZF 2012

Apropos Sterne, bei Mercedes-Benz Nutzfahrzeugen gibt es bereits eine 8-Gang Automatik, diese wird (wenn sich der Blick in meine Glaskugel nicht täuscht) nicht den Einzug in die PKW-Modelle finden. Da wird dann wohl auch der nächste große Sprung von 7 auf 9 erfolgen, doch wie gesagt – das sind keine Fakten, das sind alles nur Gerüchte, denn bei Mercedes-Benz hab ich heute keinen so schnell erwischt. Die Gerüchteküche brodelt aber und ich bin mir ziemlich sicher, dass Mercedes-Benz den Trend nicht verschlafen wird. Schaut man sich allerdings mal die aktuellen Verbrauchs- und Emissionswerte an, dann steht Mercedes-Benz trotz 7-Gang Automatik nicht wirklich schlechter, sondern eher besser dar als Mitbewerber mit 8-Gang Automatik-Getrieben.

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Last but not least der Blick nach Wolfsburg: Dort wird ein Achtstufen-Wandlerautomat beim Touareg eingesetzt. Eine größere Spreizung wird es dort zunächst nicht geben. Denn bei VW achtetet man vor allem auf die konstruktive Realisierbarkeit. Darunter zählt neben der oben schon angesprochenen Größe auch das Gewicht, denn aktuell wird ja jedes Gramm gespart. Abgesehen davon steht die Spreizung der Getriebeabstufung nicht nur in Abhängigkeit von der Motorleistung und dem Drehmoment, sondern auch von den Vorgaben, wann geschaltet werden soll. Wer im Stadtverkehr bei ca. 50 bis 60 km/ h unterwegs ist, möchte sich ruhig und gleichmäßig fortbewegen und nicht durch Schaltvorgänge gestört werden. Das gleiche gilt für Geschwindigkeitsbereiche um Tempo 30, 100 und 130. Es stellt sich also die Frage: Wann sollen denn neun Stufen durchgeschaltet werden? Die zusätzlichen Fahrstufen des Achtstufen-Wandlerautomates setzen vor allem im oberen Geschwindigkeitsbereich, sprich bei Geschwindigkeiten über 140 km/h ein. Da muss die Frage gestattet sein ob es überhaupt Sinn macht, ein Getriebe zu entwickeln welches nur ab einem Geschwindigkeitsbereich von 140 km/h sinnvoll eingesetzt werden kann. Zum anderen haben wir ja gerade gesehen, dass bei der Entwicklung von ZF bei einem Drehmoment von 480 Nm erstmal “Schluss ist” – eventuell auch ein Grund? Wird da hinter den Kulissen noch geforscht? Man weiß es nicht, man munkelt nur!

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Wohin es mit der Reise der Planeten(getriebe) hingeht? Ich kann es euch beim besten Willen nicht sagen. Was ich euch sagen kann: Die Hersteller sind bemüht nicht nur Kraftstoff und Gewicht zu sparen sondern auch den Preis des Fahrzeuges dabei nicht komplett aus dem Blickwinkel zu verlieren, denn die Ersparnis muss man sich auch noch leisten können! Sind noch Fragen offen? Gerne in die Kommentare! Ich leite diese dann gerne weiter. In der neuen Kategorie: Automobile Fragen von A bis Z werde ich nun auch in Zukunft interessante Fragen beleuchten (lassen).

6 Gedanken zu „Wohin geht es mit den Getrieben? 7-Gang, 8-Gang, 9-Gang?

  1. Im Fahrradbereich gibt es ja die NuVinci-Nabe ! Eine interessanter CVT-Variante evtl. auch im Automobilbau.

    ZF sprach zuletzt von einer sog. “natürlichen Grenze” die man mit 9-Gängen erreicht habe. Nun ja, bis eine Kontrahent womöglich anderes/mehr vorsetzt ;o)

    Aber schon interessant, dass gerade diese Vielfachst-Gestufte gerade für den Frontantrieb/Quereinbau angedacht ist. Ob man damit womöglich insbesondere zukünftig BMW/MINI dienlich sein wollte ?!..;o)

  2. Fals sich das Elektroauto durchsetzen sollte ist die Diskusion hinfällig, da reicht ein Vorwärts und ein Rückwertsgang ;)

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