Fahrbericht / Video: Mercedes-Benz S63 AMG – Wer braucht einen AMG?

“Jens, wer braucht einen AMG?” – die Frage stellte mir ein TV-Journalist. Tja, ich würde sagen, diejenigen die sich noch etwas von dem “normalen S-Klasse” Fahrer abheben wollen. Nicht nur durch die Leistung, sondern auch durch die Optik. Die Leistung? 585 PS, 900 Nm und selbst die lange Version kann, dank 4MATIC, innerhalb von 4,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Schluss ist entweder bei 250 km/h oder wenn der Kunde es ausdrücklich wünscht bei 300 km/h. Der S63 AMG Käufer bekommt ein sehr hochwertiges Fahrzeug, alleine die AMG Logos die unterbracht wurden sind so hochwertig in Szene gesetzt, dass ich alleine darüber einen Beitrag schreiben könnte. Dennoch ist es AMG nicht gelungen aus der S-Klasse einen Sportwagen zu zaubern. Das Prädikat AMG steht bei mir immer für “Loud and proud!” – so richtig laut ist der S63 nicht geworden. Wer schon mal mit einem Elektromobil gefahren ist, der kennt das Problem, dass man die Geschwindigkeit nicht richtig einschätzen kann. Das ist beim S63 AMG nicht anders. Auch wenn der 5.5 Liter Motor die Abgase durch eine Duplex-Anlage in die Freiheit entlassen darf klingt der S63 AMG nicht wie ein typisches Fahrzeug aus Affalterbach.

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Kritisiere ich hier tatsächlich gerade das Flagschiff von Mercedes-Benz? Erlaube ich mir hier gerade Kritik zu äußern an ein Fahrzeug, welches über 150.000 Euro kostet? Mitnichten, ich kritisiere das gar nicht, denn es war so gewollt. AMG bzw. Mercedes-Benz ist sich sicher, dass die Zielgruppe den S63 AMG genauso zu schätzen weiß. Ich gehöre nicht zur Zielgruppe, daher vermag ich dieses auch nicht zu beurteilen bzw. zu verurteilen. Aber vorstellen kann ich euch das Fahrzeug ja mal, oder? Hier ist das deutsche Ausfahrt.TV Video vom neuen S63 AMG. Das englische findet ihr im YouTube-Channel.

Bei der Probefahrt ist mir aufgefallen, dass man die Geschwindigkeit kaum spürt. Die S-Klasse bleibt S-klassig leise. Die Fahrt durch die engen Bergstraße mit den zahlreichen Kurven hat mich aber davon überzeugt, dass das Fahrwerk sehr gut abgestimmt ist. Im Sport-Modus konnte man mit dem 2 Tonnen Panzer sogar Kurven räubern und wer ganz kräftig Gas gibt, der öffnet auch die Klappensteuerung der Auspuffanlage und verzaubert immerhin die Außenstehenden. Während man im Innenraum den Klang der Burmester-Anlage genießen kann, gibt es draußen doch etwas typischen AMG-Klang.

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Der Allradantrieb schiebt 67% der Kraft über die Hinterräder, der Rest verbleibt an der Vorderachse. Das sorgt für eine dynamische Fahrweise, solange bis man vor der nächsten Kurve bremsen muss. Dann merkt man das Gewicht der S-Klasse. Da hat AMG übrigens nun wirklich an fast jeder Ecke versucht Gewicht zu sparen: Die Batterie wurde ersetzt, die Reserveradmulde (wo ja nun eigentlich nur noch ein Kompressor und ein Dichtmittel drin verweilt) wurde aus Carbon gefertigt und selbst bei den Felgen wurde Gewicht eingespart. Downsizing bei der S-Klasse? Man muss halt (Gewicht) sparen wo man nur kann. Beim Verbrauch kommt das auch gut an, mit einem NEFZ-Wert von 10.3 wird der Mercedes-Benz S63 AMG 4Matic angegeben. Wir haben beim Test ca. 6 Liter mehr gebraucht. Bergstraße hoch… und wieder runter, kurzer Autobahnanteil, Stau, noch ein Pass… und und und.

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Viel Zeit hatten wir nicht, als Jan das Steuer übernommen hatte bin ich hinten kurz eingeschlafen. Luxus pur! Ein 20 Minuten Erholungsschlaf mit beheizten Armlehnen und einer ganz tollen Massagefunktion. Ich bleibe bei meinem Fazit: Der beste Platz in der aktuellen S-Klasse ist im Fond, nun fehlen mir also nicht nur ca. 150.000 Euro, sondern auch noch das Geld für ein Chauffeur. Man man man, meine Probleme müsste man haben, oder? Gut, geklärt hatten wir, dass der S63 AMG kein reinrassiger Sportwagen ist, aber er ist und bleibt die sportlichste S-Klasse, mit fantastischen Fahrwerten.

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Hätte ich das Geld, dann wäre meine S-Klasse weiß! Weiß mit schwarzen Felgen! Dazu das Burmester-Soundsystem. Das neue Command Online macht einen guten Job und sogar meine Spotify-App konnte ich ohne Probleme ansteuern. Das mobile Internet konnten wir auf Grund der schwachen Netzabdeckung im Hinterland von Kitzbühel nur bedingt testen. Hinten hat DVB-T Fernsehen ganz gut geklappt, selbst bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn. Das einzige was ich so richtig schade finde: Von hinten kann man zwar das Command Online System einstellen, aber die formvollendete IWC Uhr nicht so gut erkennen, die sitzt nämlich vorne und ist somit ein Augenschmaus für Fahrer und Beifahrer.

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Autobahn! Ja, das ist sein Revier! Der S63 AMG ist eine Langstreckenlimousine und vermutlich ist derjenige, der tagtäglich längere Strecken zurücklegen muss dankbar für den zurückhaltenden Klang. Vermutlich erfreut sich derjenige über das beheizte Lenkrad, die beheizte Armlehne oder die gut einstellbaren Sportsitze, die natürlich auch vorne über eine Massage-Funktion verfügen können. Eventuell ergötzt er sich aber auch an der Tatsache, dass die neue S-Klasse dank der Assistenzsysteme vieles besser kann als der Fahrer selbst. Einparken, ausparken, im Stau anderen Fahrzeugen folgen…

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Folgen? Es wird noch der ein oder andere Beitrag zur neuen S-Klasse folgen, da bin ich mir ziemlich sicher. Edelfeder Mechthild hat ja bereits zugeschlagen und irgendwie gehen wir beide in einigen Punkten ziemlich konform, auch wenn mir die S-Klasse scheinbar trotzdem noch besser gefällt als ihm. Denn wenn es derzeitig eine Oberklasse-Limousine gibt, die das Prädikat “Meilenstein” verdient hat, dann ist es meiner Meinung nach die neue S-Klasse. Abschließend möchte ich noch die Frage von oben beantworten: Wer braucht eine AMG Version der neuen S-Klasse? Derjenige der sich den Luxus leisten kann! Mir persönlich würde der S500 auch schon reichen, auch wenn ich gestehen muss, dass mir die aerodynamischen Veränderungen der AMG S-Klasse sehr gut gefallen.

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3 Gedanken zu „Fahrbericht / Video: Mercedes-Benz S63 AMG – Wer braucht einen AMG?

  1. Ein individuelleres Lenkrad wäre nicht schlecht gewesen (!?),
    während “Die Batterie wurde ersetzt…” durch ??!

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