Fahrbericht: 2015 Audi Q7 3.0 TFSI – der 333 PS Brocken!

Knapp zehn Jahre ist es her, da brachte Audi den ersten Audi Q7 auf den Markt und nun kommt ein würdiger Nachfolger. Ich muss erneut gestehen, dass ich kein Fan bin von den SUVs, vor allem dann nicht wenn Sie vor Schulen oder Kindergärten bzw. als Fortbewegungsmittel von Spielerfrauen zum Einsatz kommen. Ich muss aber auch gestehen, dass man in so einem Gefährt vorzüglich sitzt und die Welt von oben sieht und ich muss wahrlich meine eigene Einstellung überdenken. Das merke ich nun nicht erst beim Audi Q7, aber auch bei dem überdenke ich meine eigentliche Abneigung und finde immer mehr positive Punkte die mich begeistern.

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Ich versuche gerade mich etwas gesünder zu ernähren und auch etwas mehr Sport zu treiben. Mein Ziel, neben der Fitness und der erhöhten Leistungsfähigkeit, ist natürlich die Gewichtsabnahme. Das hat beim neuen Audi Q7 auch geklappt. Je nach Ausstattung und Motor hat der neue Q7 bis zu 325 Kilogramm abgespeckt, der wiegt nun zwar immernoch zwei Tonnen aber das ist schon mal ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung, denn das geringere Gewicht, das verbessert nun spürbar die Fahr- aber auch die Bremsleistungen. Der 3.0 Liter TFSI z.B., der beschleunigt den Koloss innerhalb von 6,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und dank Luftfahrwerk fühlt man sich als würde man über der Fahrbahn schweben.

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Der optionale 7-Sitzer braucht, auf Grund des etwas höheren Gewichts, 0,2 Sekunden länger, die kann man verschmerzen. Auf die hinteren Sitzplätze (Platz 6 und 7) sollten aber nur Personen bis zu einer Größe von 1,70 klettern, denn sonst wird es schon etwas eng. 3 Kindersitze passen auf die normale Rücksitzbank, alleine damit hat der Audi Q7 schon das Prädikat: “Familienfahrzeug” verdient.

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Der NEFZ-Verbrauch, der soll bei 8,1 Liter liegen, bitte verlangt nun nicht von mir, dass ich in der Schweiz den überprüft habe, dafür gibt es hier viel zu viele Berge und Kurven. Am Kurveneingang, da muss man natürlich rechtzeitig vom Gas gehen, ansonsten wird man halt von der Elektronik geweckt, die dann die unmanierliche Fahrweise wegbügelt.

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Mit einer Länge von 5,05 Meter ist er ein wahrlicher Klopps, der braucht schon seinen Freiraum im Straßenverkehr und den verschafft er natürlich auch den Insassen. Viel Platz vorne, viel Platz auch hinten und der Kofferraum ist auch nicht zu verachten. 890 Liter – Stich! 2090 Liter bei umgeklappten Sitzen – Trumpf! Kritikpunkt – der Bauform geschuldet – die Ladekantehöhe ist 78 cm hoch und verlangt von mir schon sportliche Bestleistungen um den Q7 ordnungsgemäß zu beladen.

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Sprechen wir über den Innenraum. Wir haben das neue digitale Cockpit, eine neue breite Mittelkonsole mit einem riesigen Touchscreen und die verbauten Materialien sind ein Traum. Leder, Aluminium, Holz – das garniert mit ein paar Applikationen und untermalt mit etwas Klavierlack. Ein Traum. Allein die Haptik ist schon ein Stern wert, die Optik den zweiten und ich habe ehrlich gesagt mich nich getraut am Lack zu lecken, das wäre dann vermutlich der dritte Michelin-Stern. Wäre der Audi Q7 ein Restaurant, er hätte 3 Sterne. Als Hotel bekommt er nur 4, denn ihm fehlt der SPA-Bereich mit Swimmingpool, dabei hat er doch sogar Massage-Sitze.

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Dank der Klimaanlage kann man sich natürlich seine eigene Sauna machen bzw. die eigene Eiskammer, aber in dem 75 Liter großen Tank kann man nicht baden. Kleiner Scherz! Leider kein Scherz: Audi lässt sich den Audi natürlich auch erstklassig bezahlen, schnell erreicht man sechstellige Werte, somit ist denjenigen meine Anerkennung sicher, die sich so ein SUV leisten können und von mir aus darf der Audi Q7 dann demnächst auch vor dem Kindergarten, vor der Schule oder vor dem Fitnesstudio parken.

Für diejenigen die übrigens bemängeln, dass der Innenraum moderner aussieht als die Äusserlichkeiten: Der Fahrer sitzt meistens hinterm Lenkrad und da sieht alles ziemlich modern aus.

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Modern ist auch die Sicherheits-Technik, optional gibt es auch eine Fülle von Assistenzsystemen. Die muss man sich zwar leisten können, doch sollte man, wenn man es kann, nicht gerade an der Sicherheit sparen. Serie sind die Einparkhilfe hinten, die Geschwindigkeitsregelanlage, der einstellbare Geschwindigkeitsbegrenzer, die Pausenempfehlung und das Sicherheitssystem Audi pre sense city. Bei Geschwindigkeiten um die 50 km/h warnt es den Fahrer vor drohenden Kollisionen mit anderen Fahrzeugen und Fußgängern, im Notfall veranlasst es eine autonome Bremsung. Meine Empfehlung: Die 360° Kamera, die lohnt sich bei dem Fahrzeug wirklich.

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Die adaptive cruise control hält den Audi Q7 durch Beschleunigen und Verzögern auf dem gewünschten Abstand zum Vordermann. In der Top-Version, die heißt dann ACC Stop & Go verfügt der adaptive Tempomat auch über einen Stauassistenten. Richtig toll, er erkennt nun Tempolimits und passt die Geschwindigkeit dementsprechend an. Gerade hier in der Schweiz ist das ideal, denn hier kosten Tempoverstöße ja schnell mal ein Monatslohn. Auf gut ausgebauten Straßen kann das Fahrzeug dann auch bei zähflüssigem Verkehr lenken, wenn die gefahrene Geschwindigkeit unterhalb von 65 km/h liegt.

Der Audi active lane assist unterstützt den Fahrer per Kamera und mit kleinen Lenkeingriffen beim Halten der Spur, das ist ganz hilfreich wenn man gerade etwas abgelenkt ist oder sich z.B. dem Apple Car Play gewidmet hat, denn das zieht auch in den Audi Q7 ein.

Geschaltet wird über eine tadelose 8-Gang Wandler-Automatik, die Kraftübertragung geht über alle 4 Räder auf die Fahrbahn und das Differenzial kann bis zu 85 % auf die Hinterachse schieben, wenn die Technik dafür einen Bedarf ermittelt.

Optional liefert Audi die Allradlenkung, ein Lenksystem mit elektrischem Spindelantrieb schlägt die Hinterräder je nach Situation bis zu fünf Grad ein. Bei niedrigen Geschwindigkeiten lenkt sie gegensinnig zu den Vorderrädern. Das soll die Fahrzeugagilität nochmals deutlich erhöhen und natürlich auch den Wendekreis verkleinern.

Serienmäßig rollt der Audi Q7 auf 18 Zöllern aus dem Werk, optional ziehen bis zu 21 ” große Räder in die Radkästen ein und in der nahen Zukunft gibt es unter der Motorhaube nicht nur einen Hybrid Antrieb, sondern auch noch einen 2.0 Liter 4-Zylinder. Der ist Gedacht für die USA und Fernost, habe ich da etwa dem Volvo XC90 unrecht getan? Ist das wirklich die Zukunft? Mehr Leistung, weniger Hubraum.

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Weniger Gewicht, weniger Verbrauch und trotzdem noch ein richtig großer Brocken. Der Audi Q7 ist toll, leider auch voll teuer, aber das steht auf einem anderen Blatt Papier. Los geht es ab knapp 61.000 Euro, dann fangen die – meiner Meinung nach unbedingt erforderlichen – Optionaliäten an und dann sind wir relativ schnell bei 100.000 Euro und mehr, ja dafür bekommt man schon eine schöne Eigentumswohnung, aber die ist nicht so schnell. Mit dem 3.0 Liter TFSI schafft der Q7 Tempo 250, der 3.0 TDI schafft immerhin 234 km/h. Das sind Sportwagen-Werte in einem Segment, von dem ich persönlich noch vor ein paar Jahren behauptet hätte, dass kein Mensch so ein Fahrzeug braucht.

Ein Gedanke zu „Fahrbericht: 2015 Audi Q7 3.0 TFSI – der 333 PS Brocken!

  1. Steh doch weiterhin dazu (!), so ein Ungetüm braucht man nicht, es ist längstens überholt. Seine jahrelange Verzögerungen zum Debüt, welch unbeholfene Quälerei.
    Für Hackenberg + Lichte, war der Zug dazu halt längstens abgefahren. Gute Miene zum Dinosaurier noch spielen…

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