2021 VW Golf 8 GTI Fahrbericht

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Der VW Golf 8 GTI hätte der Star vom Autosalon in Genf auf dem VW Stand werden können, doch es sollte anders kommen. Genf fand in diesem Jahr nicht statt und wird auch 2021 nicht stattfinden. Die Premieren erfolgen inzwischen digital oder in Fotostudios und ich sehe heute zum ersten Mal endlich den VW Golf 8 GTI.

Kleiner Disclaimer: Dieses Fahrzeug ist ein Vorserien-Fahrzeug, zum jetzigen Zeitpunkt sind nicht alle Daten zugänglich und ich fahre dieses Fahrzeug auch nicht auf meiner Stammstrecke. Aus Zeitgründen verwende ich eigenes, aber auch Video-Footage Material von Volkswagen. Ich selbst würde mich als GTI-Fan titulieren, war etliche Male beim GTI-Treffen am Wörthersee und und und… aber nun geht es aber endlich los mit meinem VW Golf 8 GTI Fahrbericht.

Klar ist: Ein Golf ist ein Golf. Zwar strafften die Niedersachsen das Blechkleid des Bestsellers deutlich, aber man erkennt auf den ersten Blick, was für ein Fahrzeug da gerade gerade angerollt kommt. Kein anderes Auto hat seine eigene Fahrzeugklasse, eine komplette Generation wurde nach dem Golf benannt und kein anderes Auto aus Europa wurde häufiger verkauft.

Werfen wir noch mal einen ganz kurzen Blick auf die Geschichte. Von 1976 bis 1983 war es der VW Golf 1 GTI der die Massen begeisterte. Die beiden runden Scheinwerfer, die typische GTI-Lippe und natürlich die 110 Pferdchen unter der Haube! Die haben schon gezogen. Von 1984 bis 1992 lief der VW Golf 2 GTI vom Band, erst mit dem VW Golf 3 GTI, den es dann auch als 150 PS starken 16V gab,zogen die neuen breiten Scheinwerfer ein. Das Fahrzeug wurde größer und auch etwas runder. Geblieben ist die GTI-Lippe. Mit dem VW Golf 4 zog die Ausbuchtung für das VW Logo in der Motorhaube ein. Tuner hassen diesen Trick. Die Blinker zogen von der Stoßstange in die Scheinwerfer. Der Vollständigkeit halber werfen wir nun noch schnell einen Blick auf den VW Golf 5 GTI, der nur für vier Jahre gebaut wurde, der VW Golf 6 GTI sogar nur für drei Jahre. Der VW Golf 7 GTI lief von 2013 bis 2019 vom Band und nun ist er endlich da: Der neue VW Golf 8 GTI.

Es sind, wie immer, die Details, die das große Ganze ergeben. So wuchs der Volkswagen Golf 8 um zwei Zentimeter auf insgesamt 4,28 m. Es gibt größere Vertreter in der Kompaktklasse, es gibt auch schnellere Fahrzeuge als den GTI – es gibt sicherlich auch emotionalere Fahrzeuge und ja, das war mal anders.

Ein VW Golf 1 GTI – das war damals ein Statement, das gilt auch für den VW Golf 2 oder 3 in der sportlichen GTI Version. Danach kam die Ablösung der sportlichen Sperrspitze! R32, R… damit konnte der GTI nicht mehr mithalten, geblieben ist aber der Mythos. Das Fahrzeug mit Wabengittern, Golfball-Design und Karo-Muster auf den Sitzen präsentiert sich nun in der 8. Version.

Typisch GTI: Ein offener Frontstoßfänger mit GTI-Wings und natürlich Wabengitter. Optional gibt es jeweils fünf LEDs die zusammen die Nebelscheinwerfer darstellen. Der cw-Wert vom Grundmodell liegt bei 0,275. Dazu haben auch die Außenspiegel, die Aeroecken und der Dachkanten-Spoiler beigetragen. Mich begeistert vor allem die vollflächige Unterbodenverkleidung und die kleinen Details in den Radhausschalen. Vorne gibt es Verdrängungskörper, hinten kleine Spoiler.

An der Front sind es z.B. die LED-MATRIX Scheinwerfer welche dafür sorgen dürften, dass die Nacht zum Tag wird.

Detail: Einen effektstarken Kontrast zur Lichtlinie bildet beim Golf 8 GTI die schwarz glänzende Zierleiste. Diese ist aus Plexiglas Hi-hergestellt und verläuft parallel zur LED-Querspange. GTI typisch gibt zieht sich die rote Linie, wie ein roter Faden durch den GTI.
Auch der schwarze Hintergrund der Embleme an Front und Heck ist aus einer Formmasse der Hi-Gloss Reihe gefertigt.

Was ich persönlich großartig finde: Der Splitter vorne ist in mattschwarz lackiert.

Ab Werk rollen 7,5×17″ Alu-Felgen im Radkasten, gegenüber dem serienmäßigen VW Golf 8 präsentiert sich der GTI durch sein Sportfahrwerk um 15 mm tiefer. Optional bleibt das Zauberwort! Der GTI-Pilot hat aber auch weiterhin die Möglichkeit die Räder zu vergrößern: 7,5×17, 7,5×18 oder 8×19″. Wir hatten die 8×19 mit 235/35 R19! Die Kenner wissen jetzt schon, dass beim Vorgänger 225er montiert waren.
Optional gibt es auch ein regelbares DCC-Fahrwerk. Gelenkt wird über eine Progressivlenkung.

340x30er Bremsscheiben an der Vorderachse und 310×22 Bremsscheiben an der Hinterachse sorgen für die Verzögerung. Natürlich sind die Bremsscheiben vorne und hinten innenbelüftet.

Schwarze Seitenschweller bilden eine Linie zwischen Frontsplitter und dem Heckdiffusor.

Typisch Golf – Breite C-Säule! Das schränkt zwar die Rundumsicht und vor allem die Sicht nach hinten etwas ein, aber gehört zum Golf genau wie die Sicken auf der Motorhaube übrigens. Der typische GTI-Diffusor wird von den beiden Endrohren links und rechts in Szene gesetzt und der schöne Klang? Der ist natürlich Geschichte, denn die Abgase werden auch durch einen Otto-Partikel-Filter gesäubert.

Kommen wir also zu den Abmessungen vom VW Golf 8 GTI

Der VW Golf 8 GTI ist maximal 4,28 Meter lang, inkl. Außenspiegel 2,07 Meter breit und 1,44 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,62 Meter.

Achtung: Die Werte sind teilweise noch vorläufig: Das Leergewicht liegt bei 1.460 kg, das maximal zulässige Gesamtgewicht bei 1.959 kg.

Unter der Motorhaube findet man einen 180 kW also 245 PS starken Benziner. Die Höchstleistung erreicht der Motor bei 5.000-6.500 Umdrehungen in der Minute. Interessanter: Der EA888 evo4 leistet ein maximales Drehmoment von 370 Nm auf dem Drehzahlplateau zwischen 1.600 und 4.300 Umdrehungen. Der Motor gibt seine Leistung über ein manuelles 6-Gang Handschalt- oder über ein 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe ab.
Wir haben hier also ein 4-Zylinder Turbo-Benziner, ein guter alter Bekannter, der EA888 – im Vergleich zum Vorgänger soll hier ein neuer Turbolader verbaut worden sein.

Angetrieben wird stets die Vorderachse, die verfügt über eine elektronisch geregelte Quersperre. Das soll die Handlingseigenschaften perfektionieren. Ob das der Fall ist? Erfahrt ihr im Fahreindruck! Schnell noch die anderen Quartett-Werte: Von 0-100 km/h geht es innerhalb von 6,3 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 250 km/h erreicht. Der Tank fasst 50 Liter, die offiziellen Verbrauchswerte und weitere Details gibt es erst zum Bestellstart im Herbst 2020.

Doch zunächst steigen wir mal ein! War der VW Golf eigentlich immer der Klassenprimus in Sachen Bedienbarkeit, ist in der 8. Generation die Digitalisierungswelle übergeschwappt.

Tastenfelder hier und dort, große Displays, Slider… alle die ein Smartphone bedienen können, kommen mit der Bedienung klar. Alle andere schauen in die Röhre, sorry, auf das LED-Display. 8,25 oder 10″ groß wird nun fast alles darüber gesteuert. Ich kann das, aber bin ich der typische Golf-Käufer? Auch wenn man vermutlich mit dem VW Golf 8 “die jüngere Zielgruppe” ansprechen möchte, sehen die Zulassungszahlen immer noch anders aus. Ist der Golf 8 am Ende zu kompliziert für die erreichte Zielgruppe? Gut, beim GTI ist die Frage egal, denn da geht es nicht in der ersten Linie um das Bedienkonzept vom Infotaiment-System, da geht es um den Fahrspaß und man kann auch die Sprachbedienung nutzen.
Die wichtigsten Bedienelemente im VW Golf 8 GTI sind immer noch so wie sie immer waren. Ein Lenkrad was sich gut anfühlt und zwei bzw. drei Edelstahl-Pedale. Beherrscht der Fahrer hier die Fußmaschine von diesem Schlagzeug, dann katapultiert die Schießbude nach vorne.
Platz gibt es ausreichend vorne und hinten, doch bevor wir gleich losfahren, schauen wir uns noch ganz kurz den Kofferraum an.

Keine Überraschungen gibt es im Gepäckraum! 300-1.200 Liter Volumen werden es sein, je nachdem wie man misst. Volkswagen gibt ein Volumen zwischen 381 und 1.237 Liter an. Ein paar Messquader kann man wohl auch noch unter dem doppelten Ladeboden unterbringen.
Die Rücksitzlehnen sind im Verhältnis 60:40 umlegbar. Ein Meter Breite und maximal 75 cm lange Gegenstände passen in den Kofferraum. Man muss die Gepäckstücke ca. 65 cm hoch heben und anschließend wieder 6 oder 16 cm absetzen, das geht vollkommen in Ordnung, auch wenn es in der Kompaktklasse inzwischen größere Gepäckräume gibt, kann man den Kofferraum nun wahrlich nicht kritisieren. Wohl aber die schwache Ausleuchtung.

Der GTI bleibt Alltagstauglich, natürlich kann man ihn auch mit einer Anhängerkupplung bekommen. Anhänger bis zu 1,6 Tonnen kann man gebremst ziehen und die Stützlast – die ja auch wichtig ist für Fahrradträger – liegt bei 80 kg.

Lenkung, Bremsen, Fahrwerk und Schaltung sind wirklich top, da gibt es nichts zu bemängeln. Wenn ein Fahrzeug den Spagat zwischen komfortabel und sportlich schaffen muss, geht man eigentlich Kompromisse ein. Aber der Kompromiss fährt sich hier sehr, sehr gut. Im Comfort-Modus komfortabel, im Normal-Modus etwas sportlicher und im Sport-Modus richtig scharf. Für die adaptiven Dämpfer gibt es insg. 15 verschiedene Einstellmöglichkeiten.

Stellt man alles auf weich, dann bügelt der GTI sämtliche Straßenlöcher von Wolfsburg weg, stellt man ihn auf komplett hart – dann springt er gefühlt darüber.

Benny Leuchter hat mir versichert, dass er im Sportmodus mit ESP Sport die schnellsten Zeiten in den Asphalt bügelt. By the way, das ESP kann man zwar ausschalten, aber es bleibt noch ein kleines Netz mit doppelten Boden der kurz vor dem Einschlag noch helfen soll, also ganz komplett ausschalten geht nicht.

Auf der Landstraße schafft man es nicht den GTI in seine Grenzen zu bringen, zumindest dann nicht wenn man sich an die Höchstgeschwindigkeiten hält.

Kurz um, der GTI fährt sich richtig gut – fast zu gut. Zu perfekt, eventuell ist mir das auch inzwischen schon fast zu langweilig? Ich weiß es nicht, aber ich bin froh, dass es immer noch so Fahrzeuge wie den GTI gibt.

Der Klang vom Soundaktuator ist nett, aber nicht zwingend, sagen wir es mal so – der Klang wurde dem sauberen Abgase geOPFert. Der Otto-Partikelfilter verfügt über eine gesteigerte Filtration, der Kat über ein größeres Volumen.

Der GTI schafft den Spagat: Der kann sportlich, richtig sportlich sogar – aber auch komfortabel! Der zieht einen förmlich in die Kurven hinein und bleibt extrem neutral und natürlich kennt der EA888 das Wort Turboloch nur aus dem KFZ-Lexikon. Der hängt richtig gut am Gas, mit dem DSG kann man mehrere Gänge gleichzeitig runterschalten und handgerissen hat man die Gangauswahl ja sowieso in der Hand.

Der Preis ist offiziell noch nicht verkündet, aber um die 35.000 Euro wird man wohl investieren müssen und der Preis lässt sich dann, wie immer, optional nach oben treiben. Für den GTI mit DSG dürften also mindestens 37.000 fällig sein.

Schaue ich in die Glaskugel, dann sehe ich noch einen VW Golf R auf uns zu rollen, für diejenigen die Allrad-Antrieb und etwas mehr Leistung haben wollen.