Blogger & Cars? Wer steckt eigentlich hinter den Autoblogs? Heute: Jan Gleitsmann / auto-geil.de

Wer Jan nicht kennt, hat die Welt verpennt. Damit meine ich nicht das Druckerzeugnis aus dem Axel Springer Verlag. Durch (un-)glückliche Umstände haben Jan und ich irgendwie zu einander gefunden und arbeiten seit dem zusammen. Das funktioniert prächtig, vermutlich auch aus dem Grund das wir beide versuchen eine richtige Freundschaft zu vermeiden. Befreundet sind wir aber trotzdem – denn ansonsten würden wir das vermutlich alles gar nicht alles miteinander aushalten. Teilweise sehe ich Jan häufiger und länger am Stück als meine Familie. Wer Jan kennt, der weiß, dass das nicht immer einfach ist – aber wer hat schon behauptet, dass der Weg nach oben nicht steinig sei? Mit Jan habe ich viele großartige Momente in meinem automobilen Leben verbracht. Oft standen wir uns gegenseitig im Weg bei Foto- bzw. Filmaufnahmen und trotzdem ging es für uns beide stets in die gleiche Richtung.

Ausfahrt.TV – unser gemeinsames Projekt – feierte nun den 1. Geburtstag. Inzwischen freuen wir uns dort über 8100 Abonnenten, 3,7 Millionen Videoabrufe (innerhalb von einem Jahr) und 117 (mehr oder weniger) gemeinsame Videos. Mit Sarah Sauer wird das dynamische Duo aus Bielefeld zum Trio Infernale doch darüber demnächst noch mehr.

Kommen wir zum Interview:

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Jan, komm – hau raus – was war dein erstes Auto?

Mein erstes Auto war ein blauer 1972 Fiat 500. Der war damals schon mit seinen 18 Jahren quasi ein Klassiker und nur ein Jahr jünger als ich. Leider hat die Freude nicht allzu lange gehalten. Bei einem Auffahrunfall gab es einen Totalschaden. Die Liebe zum Fiat 500 ist geblieben, ich habe mittlerweile ein älteres Baujahr – 1960 – den ich wieder komplett aufbauen werde, sobald die Kinder aus dem Haus sind.

Ich kann euch versichern, das Fahrzeug steht “im Vorgarten”. Jan, was fährst du aktuell (privat)?

Ich habe eigentlich kein eigenes Auto mehr. Mittlerweile bewege ich fast ausschliesslich Testwagen. Wir haben als Familienauto einen alten Ford Mondeo, der trotz seiner 280.000 km rennt und rennt und rennt. Zudem besitzen wir noch einen Familien-Oldtimer – eine Citroen DS.

Was war dein schönstes Autoerlebnis?

Das ist in meine Richtung eine ziemlich sinnbefreite Frage. In etwa wie “Was ist Dein Lieblingsauto?” oder “Was ist Deine Liebelingsband?”. Damit der Jens aber nachher nicht rummeckert, ich habe nicht antworten wollen, werde ich ein paar meiner Highlights herauspicken, die allerdings wirklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. Ich fahre seit 24 Jahren Auto … Mein erstes positives Auto-Erlebnis fand in einem alten Benz statt. Wir waren früher an den Wochenenden regelmäßig auf dem Segelflugplatz und dort hatten sie immer alte Fahrzeuge, welche als Lepo zum Rückholen der Seile von der Winde genutzt wurden. Ich war damals so um die 10 Jahre alt und durfte das erste Mal in meinem Leben selbst Autofahren (naja, Lenken). In dem Örtchen, in dem ich aufgewachsen bin, hatten wir eine italienische Familie, die zwei Eisdielen hatten. Eines Tages waren wir in meinem Fiat 500 unterwegs. Wir waren ich und noch drei weitere Jungs. An der oberen Eisdiele hatten wir uns die Eisfahne ausgeliehen und sind diese aus dem Faltdach schwenkend durch die Stadt an der zweiten Eisdiele vorbeigefahren. Da is der Italiener aber gerannt. Wir hatten Spass. Als ich meinen Alfa Spider Gummilippe noch recht frisch hatte, bin ich eines Tages aus der Heimat nach Bielefeld gefahren. Offen. Es fing dann an zu regnen. Und ich bin weiter offen gefahren. Das war ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit. Die erste Winterfahrt mit meinem Citroen CX Break war auch fantastisch. Ich habe damals noch in Osnabrück gearbeitet. Am Vormittag hatte es angefangen zu Schneien und bis Feierabend nicht wieder aufgehört. Auf dem Heimweg bewegten die Autos auf der A33 im Schneckentempo. Irgendwann bin ich auf die linke, schneebedeckte Spur gezogen. Der CX fuhr sich wie auf Schienen. Unglaublich spassig. Seit ich als Autoblogger tätig bin, habe ich ja zahlreiche wunderschöne Fahrzeuge in wunderschönen Umgebungen gefahren. Auf den Bergstrassen rund um Nizza und rund um Barcelona kann man eine Menge Spass haben und hat dazu noch ein unglaubliches Panorama um sich herum. Wirklich bewegt haben mich allerdings zwei Fahrten in Amerika. Auf dem ersten Roadtrip mit Mercedes #mbrt13 sind wir ein Teilstück von Los Angeles über Las Vegas nach Amarillo gefahren. Die Wüste vor Vegas, der Grand Canyon und die Weite des mittleren Westens haben mich bewegt. Ähnlich ging es mit dieses Jahr beim #mbrt14 auf dem Wegstück zwischen Houston und New Orleans, wo die Interstate quasi auf Stelzen durch ein Sumpfgebiet gebaut ist. Das sind wundervolle Erinnerungen, die ich in meinem Herzen trage.

IMG_1685So, so, sinnbefreit! Hattest du schon einmal einen Unfall? Wenn ja, was ist passiert?

Früher nannte man mich auch Quax. Mehr muss ich doch nicht sagen, oder? Bei meinem ersten Unfall habe ich mit der nötigen Portion Leichtsinn auf dem Weg zur Disco im Auto meiner Mutter nach eine Kassette in der Beifahrer-Türablage gesucht. Habe ich einfach nicht zu fassen bekommen, das dumme Ding. Ein paar Sekunden später hatte ich einen VW Golf, der arglos am Wegesrand parkte in eine Gartenmauer geschoben. Das große Programm eben – drei Mal Totalschaden.

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Wie würdest du deinen Fahrstil beschreiben?

Ich war früher ein Chaot. Jugendlicher Leichtsinn. Mit steigendem Alter und steigender Jahreskilometerzahl bin ich dann zum Choleriker geworden. Eine sehr anstrengende Zeit. Heute fahre ich – dem hohen Alter sei Dank – eher entspannt und vorausschauend. Die alten Tugenden blitzen kaum mehr auf.

Dann erzähl mal Quax, bist du ein guter Autofahrer?

Wer diese Frage mit “Ja” beantwortet, outet sich doch als schlechter Autofahrer. Ich habe 24 Jahre Fahrpraxis, wobei ich kaum ein Jahr hatte, in dem ich wenig gefahren bin. Seit dem Ewerb der Führerscheins fahre ich alles, was man mir gibt, weil ich Spass daran habe. Bedauerlicher Weise habe ich erst in den letzten 2 Jahren, ein paar Fahrsicherheitstrainings genossen. Zudem bin ich früher auch Motorrad gefahren, was mE die beste Schule für vorausschauendes Fahren ist. Ich würde mich allenfalls als erfahrenen Autofahrer bezeichnen.

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Ich weiß es ja, aber magst du das hier auch noch mal eben manifestieren? Kannst du gut einparken?

Nein. Ich habe zwar mal im direkten Vergleich unter den deutschen Autobloggern den zweiten Platz belegt, aber wenn ich mir vor Augen führe, wie wild ich doch immer noch manche Parklücken angehe, dann freue ich mich heute über jedes Fahrzeug mit einem aktiven Einpark-Assistenten.

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Wo siehst du selbst bei dir noch “Verbesserungsbedarf”?

Oach. Überall. Vor einem Weilchen war ich mal in Silverstone und durfte versuchen in einem Nissan 370Z auf einem riesigen Parkplatz zu driften. Ich habe kläglich versagt. Das würde ich gerne können. Auch reizt es mich sehr, einmal alle Fahsicherheitstrainings eines Herstellers zu absolvieren, da man sich so hervoragend für den Ernstfall vorbereiten kann.

IMG_2073Hast du schon mal Räder gewechselt?

Ja. Das mache ich aber nicht mehr. Das letzte Mal habe ich mir – Schuster bleib bei Deinen Leisten – einen Hexenschuss zugezogen. Ich möchte nicht weiter darüber sprechen.

Schraubst du noch oder gibst du in die Werkstatt?

Ich gebe alles in die Werkstatt. Mal von Kleinigkeiten abgesehen. Mir fehlen die Räumlichkeiten und zudem der gute Kumpel, mit dem mir das Ganze erst Spass macht.

Hast du Punkte in Flensburg?

Ja. Ich möchte nicht darüber reden.

Hehehe, dann erzähl mal warum du (ja gerade du) über Autos bloggst?

Weil ich es kann. Und es mir Spass macht. Ich habe 2004 mit dem Bloggen angefangen, damals noch über Apple Computer, später dann über alles. Seit 2012 schreibe ich regelmäßig über Autos.

Wo kann man deine Texte lesen?

Auto-geil.de Zudem mache ich mit dem Jens – wer weiss es, wer weiss es – auch Videos! Ausfahrt.tv, Baby!