Noch 6 Jahre bis 2020: Elektromobilität lohnt sich nicht!

Noch 6 Jahre bis 2020: Elektromobilität lohnt sich nicht. Nicht für Privatkunden. Nicht für diejenigen die nur zwei grüne Daumen haben. Warum ich darauf komme? Ich habe einmal kurz nachgerechnet:

„Die Mercedes-Benz Bank bietet die B-Klasse Electric Drive für Privatkunden ab 399 Euro/Monat an, bei einem Kaufpreis von 39.151,00 Euro mit einer Laufzeit von 36 Monaten, einer Gesamtlaufleistung von 30.000 Kilometern und einer Leasingsonderzahlung von 8.473,31 Euro.“ Quelle: MBPassion.de

Autsch! Ich werfe also 8.500 Euro in einen Topf, fahre dann drei Jahre lang monatlich 833 km und zahle dafür mindestens 399 Euro im Monat. 833 km im Monat? Das sind weniger als 27 km pro Tag. Unter uns? Wer soll das bezahlen? Wie viele grüne Daumen müssen denn einem dann wachsen? Wer ist seinem Geld denn so böse? Klar, ist ein „günstiges Angebot“, wer mehr bezahlt darf auch mehr fahren.

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Das gilt natürlich auch für den VW e-Golf. Auch den kann man leasen, ich hab mal versucht den Preis ungefähr auf 39.000 Euro zu konfigurieren und dann zahlt man bei gleicher Anzahlung nur 330 Euro im Monat.

Nehmen wir mal an, ihr hättet einen Strompreis von 0,288 Euro pro Abrechnungseinheit, dann würden bei genau 30.000 km ca. 1097 Euro Stromkosten entstanden sein. Da ist also das Einsparpotenzial versteckt. Rechnen wir das nun einmal runter kommen wir auf 3,65 Euro auf 100 km (zzgl. Abnutzung). Mit einem günstigen Benziner / Diesel sind wir bei 6-10 Euro auf 100 km, doch diese konventionellen Fahrzeuge kann man auch viel günstiger erwerben. Wenn jetzt noch die Steuerfreie Zeit für Elektrofahrzeuge gesenkt werden soll, obwohl man im Jahre 2020 ja sooo viele Elektrofahrzeuge auf der Straße sehen will, dann weiß ich nicht, warum ich mir so ein Elektromobil in die Garage stellen soll. Der Ladepreis ist übrigens geschönt, denn wer an mobilen Stromzapfsäulen nachtankt kann irgendwas zwischen kostenlos und 16 Euro pro 100 km „verbrauchen“ – je nach Tarif und Strompreis.

VW-e-Golf-Berlin-Fahrbericht-Vorstellung-8

Ich mag die Elektromobilität. Mag ich wirklich, allerdings falle ich nicht in das eingeschränkte Kunden-Raster, denn meine geforderte Mindestreichweite pro Tag wird nicht abgedeckt (aktuell). Meine Liebste könnte sich auch heute schon rein elektrisch fortbewegen und würde mit ausreichend Restreichweite Abends wieder in die Garage rollen. Lautlos. Allerdings käme sie mit den durchschnittlichen 27 km pro Tag nicht aus, die man mit dem Leasingvertrag fahren dürfte. Sie braucht das doppelte und würde somit dann auch wieder im Monat eine höhere Belastung haben. Wie man es rechnet, selbst wenn man es sich schön rechnet, kein Controller dieser Welt kann mir derzeitig die Elektromobilät für Privatpersonen schön rechnen.

Was muss also passieren? Die Steuerfreiheit muss weiterhin gewährleistet sein, die Inspektionskosten müssen weiterhin so günstig bleiben, das gilt auch für die Strompreise und dann muss der Akku-Preis sinken, denn nur so können die Automobilhersteller die Fahrzeuge auch günstiger anbieten.

Wer sich – Stand heute – übrigens ein Elektrofahrzeug kauft, weil er damit die Umwelt ja „ach so schützt“, der irrt gewaltig. Alleine bei der Produktion ist so ein Elektrofahrzeug schon ein CO2-Verschmutzer. Wer die Umwelt so richtig schützen möchte, der muss also auch weiterhin mit dem Fahrrad fahren (ohne Akku und Elektroantrieb) oder zu Fuß gehen. Fliegen, Bahn oder Bus fahren ist auch keine Alternative. Ich rechne im kommenden Jahr noch mal nach, eventuell hat sich bis dahin ja schon etwas getan.

6 Kommentare zu “Noch 6 Jahre bis 2020: Elektromobilität lohnt sich nicht!

  1. Den Premium-Hersteller Mercedes als Grundlage für eine rein monetäre Vergleichsrechnung zu nehmen ist zumindest etwas unglücklich. Den Nissan Leaf gibt es aktuell bei 10.000 km/Jahr für 249 EUR brutto monatlich ohne Anzahlung:
    http://www2.nissan.de/angebote/details/elektrik/leaf.html

    Für die Aussagen rund um die Produktion von Elektroautos habe ich schon länger Quellen gesammelt, um sich bei Interesse eine eigene Meinung bilden zu können:
    http://e-auto.tv/e-fakten

    Übrigens: Allein der in einer Raffinerie für die Benzinerzeugung benötigte Strom soll zwischen 1,5 und 1,8 kWh/Liter betragen. Statt den Strom für die Benzinerzeugung zu nutzen könnte ein E-Auto also bereits mehr als 10 km/Produktionsliter damit fahren. Meine Gedanken zum Strom:
    http://e-auto.tv/woher-kommt-der-strom.html

  2. Renault ZOE Nutzer berichten von Inspektionskosten für die erste Wartung von 78 EUR, 87 EUR und 103 EUR, je nach Region und benötigtem Material.

  3. Die Negativkommentare zur Elektromobilität kann man so nicht stehen lassen:

    • es gibt wirklich ausreichend seriöse Belege, die den großen Vorteil der E-Autos bezüglich Luftverschmutzung (Produktion+Betrieb) belegen; man muss wirklich sehr vorsichtig sein, um nicht dem immens starken Lobbyismus der Öl-Industrie (und all der, die daran direkt und indirekt beteiligt sind) aufzusitzen! Für einen Laien meist kaum abschätzbar. Auf der anderen Seite ist es heute kein Problem, Strom aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Was bedeutet: null Emissionen! Und nicht nur CO2, sondern auch andere flüchtige Stoffe wie Stickoxide, Kohlenwasserstoff, Kohlenmonoxid, Russpartikel etc. Übrigens: die WHO hat die Abgase von Dieselfahrzeuge als krebserregend eingestuft…

    • Zur Umweltverschmutzung gehört auch der Verkehrslärm: der stört natürlich nur dann, wenn ihn andere verursachen – also kein gutes Kaufmotiv für ein E-Auto weil kein persönlicher direkter Profit/Vorteil. Dennoch: stellt euch vor, es bräuchte keine Lärmwände etc mehr. Lärm reduziert Lebensqualität und ist belegbar ein großes Gesundheitsproblem.

    • Stichwort peak-oil: die konventionelle Erdölgewinnung ist in vielen Bereichen der Erde bereits drastisch reduziert. Zum Bsp.: Großbritannien war einer der großen Ölproduzenten, muss nun bereits für den Eigenbedarf importieren (die Ölproduktion beträgt kaum noch 30% gegenüber Ende 1990er)! Es brauch ungefähr 3 Menschheits-Generationen, um die gesamten Erdölvorkommen der Erde zu verbrennen – wir sind die 2. Generation ;-)

    • E-Autos sind völlig wartungsarm (nix von dem wie Zündkerzen, Keilriemen, Katalysator, Auspuff, Motoröl, Kühlwasser…)

    Es ist unklug, die Elektromobilität generell zu kritisieren. Zu kritisieren sind die Automobilhersteller, die kaum oder gar nicht ernsthaftes Interesse zeigen, ansprechende Modelle zu entwickeln und zu bauen. Kaum Modelle > kaum Kaufinteressierte > geringe Stückzahl > hohe Preise. Dennoch: die Akku-Preise werden auch weiter fallen!

    In dieser absolut geniale Technik steckt noch so viel Potential – es ist so kurzsichtig, die Technik auf €/km zu reduzieren.

    1. Davon lasse ich durchaus einige Punkte genauso stehen, unter anderem auch den „kurzsichtigen“ Hinweis darauf, dass man die Elektromobilität aktuell noch nicht auf Euro pro km reduzieren sollte, was sich meiner Meinung nach aber auch langfristig erst einmal nicht ändern wird.

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