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Fiat 124 Spider – Sushi al Arrabiata

Sushi? Beim Fiat 124 Spider? Ganz recht! Die Basis für den hübschen neuen Italienischen Roadster bildet der Mazda MX5 – also ein Japaner. Daher rührt also der Vergleich mit dem japanischen Nationalgericht. Doch die Italiener kopieren den Traditionsroadster nicht einfach, sondern interpretieren ihn selbst und schmeckten ihn selbst ab – und zwar feurig. Wäre doch gelacht, schließlich hat der Fiat 124 Spider eine lange Historie vorzuweisen, die sich die Fiat aber mit einem Extra-Obolus vergüten lässt.

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Landstraßen sind genau sein Revier: Der Fiat 124 Spider

Historisch gesehen, kann der Fiat 124 Spider einiges mehr bieten, als der Roadster-Revoluzzer Mazda MX5. So wurde das italienische Cabriolet vor exakt 50 Jahren vorgestellt, während der Japaner erst 1989 das Licht der Welt erblickte. Dafür aber mit großem Erfolg: Über eine Million Exemplare konnten die Japaner über die Jahr(zehnt)e an den Mann und die Frau bringen. Währenddessen verkaufte Fiat vom Ur-124 knapp 200.000 Exemplare. Spannend dabei ist, dass allein gut 170.000 Stück in den USA verkauft wurden. Doch seit 1985 gab es keinen Fiat 124 Spider mehr – weder in Europa noch in Amerika. Die Lücke sollte mit dem Fiat Barchetta geschlossen werden, was aber nur schlecht gelang, wie die knapp 58.000 verkauften Exemplare zwischen 1995 und 2005 zeigen.

Das will der Fiat 124 Spider der Gegenwart viel besser machen. So viel vorab: Die Zeichen stehen nicht schlecht. Nicht nur, dass man mindestens sechs Monate auf den neuen Roadster warten muss, wenn man sofort bestellt – und das zeigt die Beliebtheit des neuen Italieners. Nein, das ist nicht alles. Er bietet zahlreiche Talente, die Mazda dazu veranlassen sollte, sich Gedanken um den MX5 zu machen.

Optik – vom Klassiker inspiriert

So stößt das Exterieur des 124 auf viel Zuspruch und zeigt die klassischen Roadster-Tugenden. Lange Front, kurzes Heck, knapper Radstand, fertig. Mehr braucht es für ein knackiges Äußeres nicht. Oder etwa doch? Fiat hat gesehen, wie gut die Retro-Anleihen beim Fiat 500 funktionieren und hat dem Spider ebenfalls einige spendiert. Doch hier wirken sie nicht so aufgesetzt, wie beim Kleinstwagen, sondern vorsichtig neu interpretiert. So spielt die Front etwa mit der Aufteilung der Leuchteinheiten. Die rundlichen Scheinwerfer wecken vielleicht weniger Erinnerungen an den Ur-124, als es sich die Designer wünschen. Doch allein die Trennung des Blinkers und der Nebelscheinwerfer schafft einen Bezug zum Klassiker. Hinzu kommt ein sechseckiger Grill, der beim von 1966 bis 1985 gebauten Roadster ähnlich Verwendung fand.

Am Heck sollen die horizontal angebrachten Rückleuchten für Reminiszenzen sorgen, was meiner Meinung nach etwas viel gewollt ist. Interessanter ist die Gestaltung der Seitenlinie: Die Motorhaube verläuft lang und sanft. Am Türgriff bekommt diese Linie dann einen Schwung nach oben und formt so eine Hüfte aus, die einer hübschen Italienerin würdig ist – la bella Ragazza. Leider wirkt der Fiat 124 Spider etwas hochbeinig und die, in der „Lusso“-Variante serienmäßigen, 17-Zoll-Leichtmetallräder etwas verloren in den wuchtigen Radhäusern. Wie das erst mit den 16-Zoll-Alurädern der Basis-Variante aussehen mag?

Interieur – vorsichtige Anpassungen

Kommen wir zum Innenraum. Hier zeigt sich deutlich, wessen Kind der Fiat 124 Spider ist. Die Italiener bekommen den Roadster nämlich von Mazda direkt aus Japan geliefert und sind damit etwas auf die Gunst des Produzenten angewiesen. Scheinbar haben sich die beiden Firmen darauf geeinigt, dass Fiat das Interieur des MX5 vollständig übernimmt. Einzig die Farbe des Leders, ein paar lackierte Blenden und das Lenkrad weichen ab. Sogar das Infotainment haben die Italiener aufgenommen.

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Hier erkennt man den Mazda MX5: Das Interieur des Fiat 124 Spider

Ist das schlecht für den Fiat 124 Spider? Ganz sicher nicht. Das Interieur wirkt sauber und routiniert verarbeitet, wenn auch nicht überall mit den besten Materialien versehen. Doch gerade die Bedienbarkeit lässt kaum Wünsche offen. Die Lenkradtasten sind übersichtlich angeordnet und logisch beschriftet. Genauso verhält es sich mit den klaren Reglern der Klimaautomatik und des Navigationssystems. Es stammt vollständig von Mazda und wird über einen Dreh-Drücksteller kontrolliert. Das funktioniert ähnlich und leichtgängig, wie das iDrive von BMW. Als etwas störend empfand ich nur, dass der Regler für die Musik-Lautstärke ebenfalls auf der Mittelkonsole sitzt und nicht griffgünstig am Armaturenbrett. Aber ein echtes Problem stellt das wahrlich nicht dar.

Problematisch ist eher, dass es im Innenraum wenig sinnvolle Ablagen gibt. Das Handy? In der Mittelkonsole befindet sich ein passendes Fach, doch allein, wenn man die Fahrweise ein Quäntchen in Richtung Sportlichkeit verschiebt, fliegt das Smartphone haltlos im Innenraum umher. Ein Handschuhfach? Gibt es nicht. Ablagen in den Türen? Fehlanzeige. Dafür gefallen aber die Sitze und noch mehr die Sitzposition. Sie geben einen ausreichenden, wenn auch leicht steigerungsfähigen Seitenhalt. Doch hat man einmal Platz genommen, hat man alles, was von Bedeutung für das Fahren ist, sofort im Griff. Der Schaltknauf fällt fast von selbst in die Hand und das Lenkrad liegt gut in der selbigen. Wünschenswert wäre aber dennoch, dass man (vielleicht beim Facelift) das Volant auch in der Reichweite verstellen kann.

Fahreindrücke: Ein klassischer Roadster

Egal: Was bei einem echten Roadster zählt, ist das Fahren. Und das kann der Fiat 124 Spider, wie wenig andere. Ein Druck auf den Startknopf erweckt den Vierzylinder zum Leben, der mit einem angenehmen Grummeln aus seinem Schlaf erwacht. Hier ginge aber definitiv mehr, wenn man sich beispielsweise den Fiat 595 Abarth vor Ohren hält. Aber genau hier liegt wohl der Grund: Ein 124 Abarth wird folgen und sicherlich noch etwas knurriger klingen. Doch zurück zum Fiat 124 Spider ohne Namenszusatz: Das Cabrio leistet 140 PS aus einem aufgeladenen 1.4er, der bestens zum Roadster passt. Sein maximales Drehmoment liegt bei 240 Nm und ist bei etwas mehr als 2.200 Touren voll aktiv. Damit wird man durchaus ordentlich in den Sitz gepresst, was man bei einem angegebenem Wert von 7,5 Sekunden für den Standardsprint nicht unbedingt erahnt. Schluss soll bei 217 km/h sein. Ein theoretischer Wert, da man diese Geschwindigkeit bei geöffnetem Verdeck kaum ausfahren kann.

Der Fahrtwind  braust – Roadster-typisch – mit viel Getöse durch das Cockpit und wird vom winzigen Windschott kaum aufgehalten. Und wisst ihr was? Ich fand das richtig gut. So merkt man – neben der tiefen und integrierten Sitzposition – noch mehr von Auto und vom Fahrerlebnis „Roadster“. Für den direkten Fahrbahnkontakt sorgt eine sauber austarierte Lenkung. Sie bietet ein tolles Feedback und lässt das Cabrio so zügig und präzise durch Kurven pfeilen. Damit erfüllt der Fiat 124 Spider also die klassischen Roadster tugenden : Schnell, leicht, reduziert.

Fazit – Gut gemacht, Fiat!

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Den Fahrtwind im Haar – wie es sich für einen echten Roadster gehört.

Das lässt sich nicht gerade von der Ausstattung behaupten. Zwar kostet der Fiat 124 Spider mit rund 24.500 Euro etwa 1.500 Euro mehr als die nahezu identische Fahrzeug-Variante aus Japan. Doch der kleine Roadster ist hier schon mit allem bestückt, was man bracht. Echte Begehrlichkeiten weckt aber die „Lusso“-Variante für etwas 26.500 Euro. Hier enthalten sind etwa Ledersitze, eine Klimaautomatik oder die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen. Mehr braucht es aber dann aber wirklich nicht. Wenn man ehrlich ist, dann braucht man noch nicht mal mehr Leistung, da die 140 PS vollkommen ausreichen. Schnelle Überholvorgänge sind zügig erledigt und die nächste Kurve ausfindig gemacht, um mit dem agilen Hecktriebler durcheilt zu werden.

Fotos: Marc Frauendorf