Skoda Kodiaq | Fahrbericht | Test | Probefahrt

Kodiaq – ein Name, bei dem einem sofort kalt wird. Man denkt an eine urige Blockhütte, drinnen brennt der Kamin, an den Wänden aus Baumstämmen hängen Jagd-Trophäen und man sitzt auf einem dicken, plüschigen Sofa mit einer Tasse Kakao und Marshmellows darin. Schöne Vorstellung – und dann auch noch so passend. Schließlich ist Kodiak eine Stadt in Alaska auf gleichnamiger Insel. Doch mit dem Skoda Kodiaq hat das recht wenig zu tun. Wobei die Assoziationen nicht falsch sind, immerhin sprechen wir hier von einem SUV mit Allradantrieb von stattlichem Ausmaß. Und die Tschechen haben es schon beim kleinen Bruder „Yeti“ geschafft, mit dem Namen eine winterliche Geländelandschaft zu verknüpfen, für die man am besten einen SUV benötigt. Wir haben uns den neu Spross Skodas angesehen und ihm ein wenig auf den Bären- Zahn gefühlt.

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Was bisher geschah…

Nun, es ist viel Zeit vergangen bis Skoda mit dem großem SUV um die Ecke kam. 2009 war es, als der Skoda Yeti auf die SUV-isierung – wenn man den Trend zu den sportlichen Nützlichkeitsfahrzeugen so nennen mag – aufsprang und zum Kassenschlager wurde. Sein größter Nachteil, der eigentlich keiner ist: Seine Größe. Dabei muss das gar kein Nachteil sein, sofern ein entsprechend größerer Bruder, wie der Kodiaq, zur Seite steht. So ist gerade der Kofferraum im bekannten Yeti etwas klein, während das Platzangebot zu viert ausreicht.

Wer mehr Platz benötigt, konnte was SUV anbelangt, nicht bei den Tschechen fündig werden – bis jetzt! Nun will der Skoda Kodiaq einschlagen wie der Nachbrenner eines Düsenjets. Vorgemacht haben es ihm viele, wie etwa der Kia Sportage mit seinem Bruder, dem Hyundai Tucson. Er passt genauso ins Beuteschema, wie die Konzerngeschwister VW Tiguan oder Seat Ateca. Und man muss kein Hellseher sein, um jetzt schon zu wissen, dass sich der Kodiq bestens verkaufen wird.

Skoda Kodiaq Fahrbericht (Video):

Exterieur – wenn weniger mehr ist

Sagen wir es von vorn herein: Der neue Skoda Kodiaq ist nicht gerade das, was man allgemeinhin als aufregend bezeichnen würde. Dafür will der gerade noch kompakte Kodiaq mit klaren Linien und seiner stattlichen Erscheinung überzeugen. Immerhin einen Cw-Wert von niedrigen 0,33 konnten die Entwickler dem Neuling entlocken, was für ein SUV nicht schlecht ist. Aber das dürfte kaum von Interesse sein. Viel mehr, ob der große SUV mit seinen Abmessungen in die heimische Garage passt. Mit einer Länge von 4,69 m und einer Breite von 1,82 m sollte dem aber nichts im Wege stehen. Bei der Höhe ohnehin nicht, sind die 1,67 m nicht gerade das Maß eines Monster-Trucks.

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Dennoch muss man sich fragen, ob der Tscheche noch zum Kompakt-Segment zählt. Und wenn ja, wo ist dann der Yeti anzusiedeln? Vergleicht man den Kodiq mit seinen oben genannten Mitstreitern, ist er bestens positioniert. Und auch den Vergleich mit einem ausgewachsenen Kombi im eigenen Haus, dem Skoda Octavia Combi, muss der SUV nicht scheuen. Wir erinnern uns: Der Octavia baut auf der Golf-Plattform auf und gehört – richtig geraten – zum Kompakt-Segment. Und mit dem jüngsten Facelift passen Octavia und Kodiaq bestens zusammen, tragen sie nun beide ein Vier-Augen-Gesicht, dass von ein paar Jahren beim Yeti eigentlich abgeschafft wurde.

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Interieur – Die eierlegende Wollmilchsau

Innen ergibt sich ein ähnliches Bild, wie wir es schon außen gesehen haben: Zurückhaltung. Klare Linien warten hier unaufgeregt auf die Passagiere. Soweit keine Highlights, aber auch nichts Störendes. Man setzt sich einfach in den Skoda Kodiaq und fühlt sich wohl. Skoda hat es verstanden, den Fahrer und die Fahrgäste in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Technik oder Optik.

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Obwohl das große, neue Infotainmentsystem durchaus präsent wahrgenommen werden kann. Zwar ist es noch nicht auf dem neuesten Stand wie das Navi-Gerät, das jüngst im Golf VII Facelift vorgestellt wurde, doch gefällt es mit einer intuitiven Bedienung und klaren Darstellung. Außerdem schön: Durch die Bündelung von Funktionen ist das Armaturenbrett angenehm frei von Knöpfchen und Schaltern. Alles liegt an Ort und Stelle, die Instrumente lassen sich gut ablesen und der Raumeindruck ist ohnehin gut – das kennt man ja schon von seinen Geschwistern. Wobei die Instrumente einen silber-creme-farbigen Außenrand aufweisen, der nicht unbedingt meinen Geschmack trifft.

Skoda Kodiaq Fotos

Lieber fünf statt sieben

Richtig bequem wird es auf den Sitzen des Tschechen. Sie sind groß, bieten einen großzügigen Verstellbereich und können nahezu jeder Statur angepasst werden. Klein, wie auch groß. Besonders angenehm natürlich mit der Memory-Funktion. Schade nur, dass man die Schenkelauflage nicht ausziehen kann – ein Gimmick, das mir immer besonders gut gefällt. Aber man muss ja noch Spielraum für das Facelift lassen.

Natürlich bietet auch die zweite Sitzreihe reichlich Platz. Dank in der Neigung verstellbarer Rücksitzlehnen kann man sich hier richtig gemütlich einrichten. Und selbst bei großen Vornsitzenden ist in Reihe zwei genügend Platz. Optional gibt es eine dritte Sitzreihe, die ich aber für wenig sinnvoll halte. Hat man den Bogen einmal raus, gelingt der Zustieg sogar einigermaßen bequem, doch hier mangelt es einfach an Platz. Erwachsene müssten die Knie bis an die Ohren ziehen, um hier mitfahren zu können – von Großgewachsenen ganz zu schweigen. Kindern sind die Plätze aber durchaus zuzumuten. Ein vollwertiger Siebensitzer ist der Skoda Kodiaq also nicht – aber das ist bei den meisten Fahrzeugen mit dieser Option der Fall.

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Richtig auslandend ist der Kofferraum des großen tschechischen Braunbären. 270 Liter stehen bereit. Klingt nach wenig? Das täuscht, schließlich sprechen wir hier vom Volumen, das bei voller Bestuhlung – also insgesamt sieben Sitzen – bereitsteht. Klappt man die beiden Zusatzsitze im Kofferraum ein, ergibt sich ein riesiger Kofferraum 620 Liter. Verzichtet man auf die optionalen Sitze im Kofferraum, bietet der neue Skoda Kodiaq sogar 720 Liter – das ist mehr als ein VW Touran oder T-Modell der Mercedes-Benz E-Klasse bieten.

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Maximal können sogar 2.065 Liter eingeladen werden, womit dem Auszug der Tochter in die erste eigene Wohnung nichts mehr im Wege steht. Ihrem Hobby ohnehin nicht: Dank der 2,5 Tonnen Anhängelast kann Papa mit dem Skoda Kodiaq Fury und Black Beauty an den Haken nehmen.

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Fahreindrücke – Ich bin satt

Nun ja, mit voller Hütte wiegt der Kodiaq rund zwei Tonnen – nicht wenig. Erinnern wir uns aber wieder daran, dass der Kodaiq größer als seine Mitstreiter ist und fasst schon im Umfeld von Audi Q5 oder gar einem VW Touareg wildert, passt das wieder. Und so kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass der tschechische SUV satt auf der Straße liegt.

Dazu passt der komfortable Eindruck der Feder-Dämpfer-Abstimmung. Mit dem DCC-Fahrwerk ausgerüstet, kann man den Charakter zudem je nach Lust und Laune abstimmen, was jedoch nichts an der komfortablen Grund-Auslegung ändert. Auch im Sport-Modus filtert der Braunbär fiese Kanten und Verwerfungen angenehm weg, spricht nur etwas straffer an. Anspitzen kann man auch die Lenkung, womit sie im Sportmodus etwas zackiger anspricht. Etwas schade finde ich, dass die Lenkung etwas leichtgängig ist – und zwar in jedem Modus. Aber das ist Geschmackssache: Ginge es nach mir, würde man etwas kräftiger hinlangen dürfen, während Jens die leichtgängige Auslegung gefällt. Jeder Jeck ist eben anders.

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Der komfortable Gleiter

Das ändert aber nichts daran, dass der SUV jederzeit sauber und satt auf der Straße liegt. Der Grenzbereich liegt – trotz des nicht eben tiefen Schwerpunkts und Gesichts – überraschend hoch. Nähert man sich ihm, kündigt der Kodiaq dies mit einem leichten Schieben über die Vorderräder an, bevor der elektronische Schutzengel schützend eingreift. Wir haben es nicht ausprobiert, aber wenn man die Werte liest, dann kann der Skoda Kodiaq sogar richtig geländegängig sein – Allradantrieb vorausgesetzt. Mit einem Böschungswinkel von 19,1 Grad vorn und 15,6 Grad hinten, kann man ein paar Ausflüge in die Botanik machen. Dafür könnte die Bodenfreiheit von 187 mm allerdings größer ausfallen. Doch  man kann – wie so oft im Leben – nicht alles haben und letztendlich verirren sich die Wenigsten ins Unwegsame.

Bei den Assistenten lässt der neue Kodiaq nichts vermissen – teilweise sind sie sogar serienmäßig. Über das große Navigationssystem kann man – optional – Verkehrsinfos in Echtzeit beziehen oder über Care Connect das Auto teilweise per Smartphone steuern, um nur einige zu nennen. Hier kann man zum Beispiel Wartungstermine mit der Werkstatt vereinbaren, während alle wichtigen Daten bereits an den Skoda-Partner übermittelt wurden. Serienmäßig fahren alle Kodiaq mit einer Notfallhilfe, die im Falle eines Falles einen Erste Hilfe Anruf absetzt. Angenehm: der selbst bremsende Einparkassistent, der sogar mit einem Anhänger (Trailer-Assist) funktioniert. Einmal den Winkel einstellen und der Assistent übernimmt den Rest. Überwachen kann man das Spektakel mit der aufpreispflichtigen 360° Kamera. Alles Schick-Schnack? Mag sein, aber an einer Stelle sollte man wirklich nicht sparen: Am Licht! Die optionalen LED-Scheinwerfer leuchten die Straße bestens aus und sind eine Empfehlung, schließlich ist es gute Sicht im Dunkeln ein immenser Sicherheitsgewinn.

125 bis 190 PS

Motorenseitig bietet Skoda zwei TDI und drei TSI an. Die Benziner bieten 1.4 Liter Hubraum mit 125 bzw. 150 PS oder 1.8 Liter Hubraum und 180 Bärenstärken. Wir sind den stärkeren der beiden Diesel mit 2.0 Liter Hubraum gefahren, der 190 PS leistet. Darunter steht eine Variante mit 150 PS bereit. Doch empfehlenswert erscheint die Wahl des größeren Selbstzünders. Seine Fahrleistungen sind ausreichend, ermöglichen den ein oder anderen Überholvorgang, machen aus dem Kodiaq aber nicht gerade einen Sportwagen. Das soll er aber auch gar nicht sein, sondern die Fahrt mit „Mutti und den Kleinen“ gemütlich und angenehm machen. Passt also.

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Preise – Für jeden etwas dabei

Los geht es bei knapp 25.500 Euro für den 1.4 TSI mit 125 PS, womit man im Bereich eines Basis-Tiguan läge. Allerdings auch deutlich über einem Seat Ateca oder Kia Sportage, die beide knapp unter der magischen 20.000 Euro-Grenze starten. Angesichts seiner Qualitäten, wie etwa der Größe oder seinen simply cleveren Details, ist dieser Preis durchaus angemessen. Dafür bekommt man einen 1.4 Liter TSI mit 125 PS, der zum Mitschwimmen reicht, doch niemanden vom Hocker haut. Allerdings kann der Skoda Kodiaq auch anders – und zwar teuer. Mit dem Topmotor und DSG kommt man auf rund 40.000 Euro – mit Optionen gerne mehr. Eine Billigmarke ist Skoda dann wohl wirklich nicht mehr. Hält man den Vorstoß in Richtung der Premium-Konkurrenz à la Touareg oder Mercedes GLC dagegen, relativiert sich der hohe Preis wiederum. Aber man muss ja nicht immer ganz oben ins Regal greifen.

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