2018 Opel Combo Life Test – Fahrbericht – Kritik – Meinung – Preis – Kaufberatung

Vorweg: Ich habe ein Fable für Hochdachkombis mit Schiebetüren, als Familienauto haben wir einen VW Caddy – quasi den Klassenprimus in der Kategorie – aber halt ein Nutzfahrzeug. Das merkt man vor allem auch an den Ersatzteilpreisen und späteren Folgekosten.

Ich bin sogar schon die ersten Opel Combo Modelle gefahren. Der erste Opel Combo entstand damals auf Kadett E Basis, der Opel Combo B hatte einen Corsa B als Plattform. Den habe ich echt gemocht, nicht nur weil mein erstes eigenes Auto ein Opel Corsa B war, nein der Combo war der erste Firmenwagen den ich fahren durfte. Über den gibt es viele Geschichte zu erzählen, der musste ganz schön leiden, hat aber immer alles mitgemacht. Das Fahrzeug hier ist der letzte Opel Corsa B Combo der vom Band gerollt ist:

Die ganzen Unterschriften auf dem Combo B sind von den Mitarbeitern aus dem Werk in Portugal, das goldene Sondermodell steht im Opel Museum in Rüsselsheim neben vielen weiteren Highlights der Opel-Geschichte.

Der Combo C basierte auf dem Opel Corsa C und die vierte Generation, also der Combo D war das Schwestermodell vom Fiat Doblo und nun kommt mit dem PSA-Konzern die Nummer 5 auf den Markt und ich darf verkünden: Nummer 5 lebt nicht nur, er blüht sogar auf und damit meine ich nicht den Rost.

Den neuen Opel Combo gibt es in zwei Größen bzw. Längen. Man nennt ihn Combo Life oder Combo Life XL. Fangen wir an mit dem Combo Life, dieser ist 4,40 Meter lang, inkl. Außenspiegel 2,11 Meter breit und bei Leergewicht 1,84 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,78 Meter und der Wendekreis wird mit 10,8 Meter angegeben. Der längere Combo ist 4,75 Meter lang, verfügt über einen Radstand von 2,97 Meter und ist knapp 4 cm höher. Der Wendekreis beträgt 11,5 Meter.
Die Fahrzeuge unterscheiden sich natürlich nicht nur bei der Außenlänge, sondern auch beim Platzangebot im Innenraum. So bietet die kurze Version ein Kofferraumvolumen von 597-2.126 Liter, während der lange ein Volumen zwischen 850 und 2.693 Liter offeriert. Beide können optional als 7 Sitzer konfiguriert werden.

Beide haben eine Nutzlast von ca. 700 kg, beide verfügen über eine maximale Dachlast zwischen 100-150 kg und beide dürfen mit einer Anhängerkupplung ausgerüstet werden. Ungebremst bis zu 600 kg, gebremst je nach Motorisierung und Ausstattung sogar bis zu 1,5 Tonnen. Die Stützlast liegt zwischen 50-74 kg. Die Nutzfahrzeuge bekommen ein geändertes Fahrwerk, schlucken somit zwei Europaletten und dürfen maximal 1000 kg zuladen. Richtig gute Werte, wenn man bedenkt, dass hier keine Starrachse mit Blattfedern sondern Verbundlenkerhinterachsen zum Einsatz kommen.

Die Fahrwerte sind nicht gerade sportlich, das dürfte nicht überraschen, schließlich ist der Opel Combo ja ein Familienfreund. Ein Transporter. Ein Lastenesel. Tempo 100 erreichen alle, die einen etwas schneller, die anderen etwas langsamer. Über 10 Sekunden brauchen alle, doch der Wert ist in der Klasse genauso interessant wie die maximale Höchstgeschwindigkeit.

Der kleinste Diesel schafft 153 km/h im kurzen Combo, der größte Diesel immerhin 185 km/h. Laut NEFZ liegen die kombinierten Verbrauchswerte zwischen 4,1 und 5,8 Liter bei der kurzen Version. Laut WLTP sind es zwischen 5,5 und 7,5 Liter und das kommt der Realität schon ganz nahe. Alle Motoren erfüllen übrigens die strenge Euro 6d-TEMP Abgasnorm.

Egal ob nun den kleinen Benziner oder den großen Diesel, mit den 1,5 Tonnen Eigengewicht vom Fahrzeug haben beide Antriebe keine Probleme. Der Combo verfügt über eine leichtgängige Lenkung, die Rückmeldung geht in Ordnung und auch die Abstufung vom Getriebe möchte ich ausdrücklich loben. Noch mehr loben möchte ich die 8-Gang Automatik, die arbeitet hervorragend.

Was klar ist: Je schneller man fährt, desto lauter wird es. Das liegt vor allem an der Bauform, die Windgeräusche sind also irgendwann obligatorisch vorhanden und vermengen sich mit den Abroll- und den Motorgeräuschen zu einer Audiomelange die Fahrer und Mitfahrer umgeben. Den kleinen 3-Zylinder hört man bei höheren Drehzahlen genauso raus wie den 4-Zylinder Diesel, aber insg. nichts schlimmes. Ich würde, trotz der ganzen Diesel-Thematik – in einem Hochdachkombi immer zum Selbstzünder greifen. Der 130 PS starke 1.5 Liter Diesel mit 300 Nm Drehmoment wäre genau meine Wahl. Die Kraft geht beim Opel Combo über die Vorderachse auf die Straße, geschaltet wird je nach Motorisierung über ein 5- oder 6-Gang Handschaltgetriebe und den größten Diesel kann man optional mit einer 8-Stufen Automatik bekommen. Damit beschleunigt das Fahrzeug dann zwar etwas langsamer auf Tempo 100 und büßt auch 1 km/h bei der Endgeschwindigkeit ein, aber gerade auf längeren Strecken und im Stau dürfte sich eine Automatik gerade beim Fahrer beliebt machen.

Hochdachkombis sind etwas anfälliger bei Seitenwind, das trifft auch auf den Opel Combo Life zu, das Fahrwerk ist gut abgestimmt und überzeugt durch seine komfortablen Eigenschaften, vor allem bei kariösen Fahrbahnbelag. Das macht er sogar besser als der Klassen-Primus, dabei darf man aber nicht vergessen, dass der VW Caddy ein altes Auto ist welches noch mit Starrachsen vorfährt und vor allem deswegen auch mit einer höheren Zuladung punkten kann.


Kommen wir zum Preis. Der günstigste Opel Combo startet mit dem 110 PS starken 1,2 Liter Benziner ab 19.995 Euro. Der fährt dann mit dem kürzeren Radstand in der Selection-Ausstattungslinie vor. In der Edition kostet die kurze Version mit Benziner mindestens 23.450 Euro, wer den Radstand verlängern will zahlt mindestens 24.900 Euro. Mit kurzem Radstand fährt der günstigste Opel Combo in der Innovation Linie ab 26.050 aus dem Werk.

Mit den Selbstzündern wird der Spaß grundsätzlich etwas teuer. Mit dem 1,5 Liter Diesel mit 76 PS geht es ab 20.145 Euro los, mit 102 PS zahlt man mindestens 25.100 Euro – bekommt dann automatisch die Edition Ausstattungslinie. Für 130 Diesel-Pferdchen muss man mindestens 27.150 Euro investieren und wer dann noch die 8-Stufen Automatik haben möchte der zahlt mindestens 29.250 Euro. Die Creme de la Creme, wäre aktuell der 1.5 Liter Diesel mit 130 PS, 8-Stufen-Automatik in der Innovation Ausstattung, die kurze Version kostet 31.550 Euro.

Nun hab ich so viel erzählt von den Ausstattungslinien, werfen wir also einen Blick auf die Unterschiede. Selection ist die Basisausstattung, hier verfügt der Opel Combo über eine Schiebetür an der Beifahrerseite, über Heckflügeltüren und über zahlreiche Sicherheitsfeatures. Mit der Edition-Ausstattungslinie zieht die zweite Schiebetür und die Heckklappe mit ein, darüber hinaus gibt es ein Multimedia-Radio mit 8″ Touchscreen und eine Klimaanlage. Mit der Innovation-Ausstattungslinie fährt der Combo mit noch mehr Luxus vor, z.B. bekommt das Fahrzeug dann eine Zwei-Zonen-Klimaaautomatik und ein Panorama-Dach. Die Schiebetüren verfügen dann auch über elektrische Fensterheber und die Nebelscheinwerfer über ein integriertes Abbiegelicht.

Wie immer kann man sich durch diverse Ausstattungsmöglichkeiten den Basis-Preis nach oben konfigurieren. Viele Möglichkeiten sind daran gekoppelt, dass man sich mindestens für die Edition-Linie entschließt, einige Sachen kann man sich ansonsten auch so hinzu konfigurieren.

Was ich unbedingt hinzubestellen würde, neben einer höheren Ausstattungslinie, wäre die 180° Grad Rückfahrkamera, den Tot-Winkel-Warner, das Multimedia Navi Pro, den digitalen Radioempfang DAB+ und das Wireless Charging für die Smartphones. Ein Head-up-Display gibt es für den Opel Combi auch, da entfällt zwar das praktische Staufach vor dem Lenkrad aber der Fahrer bekommt für einen Aufpreis von 300 Euro alle wichtigen Informationen direkt ins Sichtfeld projiziert.

Eine Anhängerkupplung darf man auch noch nehmen, allerdings sollte man sich dann wirklich überlegen ob man dann zum kleinen Benziner greift.

Ja, der neue Opel Combo Life ist sichtbar ein Schwestermodell vom Peugeot Rifter und vom Citroen Berlingo und das spürt man auch. Klassische Opel-Tugenden wie die guten AGR-Sitze, die Matrix-LED Scheinwerfer sucht man hier vergebens, dafür bekommt man (teilweise optional) zahlreiche Assistenzsysteme aus dem PSA-Baukasten und die Lenkradheizung ist ein USP vom Opel Combo E!

Das mag ich: Optional bis zu drei Kindersitze in der zweiten Reihe, das finde ich großartig, vor allem in der Verbindung mit zwei Schiebetüren links und rechts und dem durchgängigen Boden ohne störenden Mitteltunnel hinten. Das macht den Opel Combo Life zum Familienfreund.

Das mag ich nicht: Design ging hier vor Funktion, denn man blickt im Innenraum im Bereich der B-Säule auf eine Fensterecke, welche die Rundumsicht noch etwas mehr einschränkt. Öffnet man das Fenster holt man sich schnell eine “Combo-Kerbe” am Ellbogen wenn man hier gegen stößt.

Das wünsche ich mir: Ohne Witz, etwas mehr Leistung würde dem Opel Combo durchaus gut stehen, gerne auch wieder ein Erdgas-Modell, dazu LED-Scheinwerfer, denn mehr Licht = mehr Sicht = mehr Sicherheit und wenn ich mit meiner Familie unterwegs bin, dann möchte ich hier einfach auf den Vorsprung durch Lichttechnik nicht mehr verzichten. Anstatt der 180° Kamera hätte ich vor allem in engen Parkhäusern gerne eine 360° Kamera gehabt, aber man kann nicht alles haben.

Meine Empfehlung: Defintiv zwei Schiebetüren und auch die Heckklappe anstatt der Türen. Die Heckklappe schützt vor allem bei schlechteren Wetter, wenn man den Einkauf verladen will. Auch umziehen kann man sich unter der Heckklappe, wenn man den Opel Combo Life ggf. für sportliche Aktivitäten nutzen möchte.

Fazit: Auch wenn die Opel-typischen Gene (LED-Scheinwerfer, AGR-Sitze) fehlen ist dieser Combo eine echte Alternative zum Klassenprimus, wer auf der Suche nach einem Hochdach-Kombi mit Schiebetüren ist, der sollte dem neuen Opel Combo durchaus eine Chance geben und eine Probefahrt wagen.

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